Popstar Robyn "Ich genieße es, einen starken Willen zu haben"

Drei Alben in nur einem Jahr: So meldet sich der schwedische Popstar Robyn zurück. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt die Sängerin, was es mit ihrer Song-Schwemme auf sich hat, was sie an den Neunzigern cool findet - und warum sie nicht zu anderen Frauen befragt werden will.

Rankin/Ministry of Sound Recordi

SPIEGEL ONLINE: Robyn, Sie haben fünf Jahre lang kein Album aufgenommen. In diesem Sommer veröffentlichen Sie nun in kurzem Abstand gleich drei kleinere Alben hintereinander: "Body Talk 1 - 3". Warum plötzlich dieses Mammutwerk?

Robyn: Die "Body Talk"-Serie ist kein Konzeptalbum, ich habe keinen Masterplan. Ich wollte diese Art der Veröffentlichung vor allem, weil ich auf der Suche danach war, wie ich organischer arbeiten könnte. Nach dem letzten Album war ich damit vier Jahre lang auf Tour, ohne nebenbei neues Material aufnehmen zu können. In dieses Muster wollte ich auf keinen Fall zurückfallen.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet für Sie, "organischer" zu arbeiten?

Robyn: Obwohl ich eine unabhängige Künstlerin bin und mein eigenes Label betreibe, bin ich bislang den Regeln der Major Labels gefolgt, wie man Alben veröffentlicht. Daran wollte ich diesmal schrauben. Schließlich bilden sich durch das Internet so viele neue Möglichkeiten heraus, wie man ein Album herausbringen und mit seinen Fans kommunizieren kann. Mich hat gereizt, die Musik einfach rauszubringen, wenn sie fertig ist - und nicht zu warten, bis ein vorgegebenes Format wie das Album voll ist. 15 Songs zusammenzubringen, dauert übrigens richtig lang. Hätte ich ein reguläres Album gemacht, hätte ich mindestens ein halbes Jahr länger im Studio verbringen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie wollten wieder auf Tour?

Robyn: Ja, mich hat aber vor allem interessiert, wie es ist, zu touren und gleichzeitig weiter im Studio zu arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Für den Spätsommer ist "Body Talk 2" angekündigt. Nehmen Sie darin die Reaktionen auf das erste Album auf?

Robyn: Nein, die Arbeit an den Alben hat sich anders gestaltet: Ich habe im Juli vergangenen Jahres angefangen, eine Menge Songs in sehr kurzer Zeit zu schreiben. Die nehmen wir nun auf. Die Songs, die auf "Body Talk 1" gelandet sind, sind einfach die, die zur Zeit des ersten Abgabetermins fertig waren. So wird es auch bei "Body Talk 2" laufen. Hinter den drei Alben steckt aber definitiv ein übergreifendes Thema.

SPIEGEL ONLINE: Welches?

Robyn: Das letzte Album war so wichtig für mich - ich habe künstlerisch meine Stimme gefunden. Deshalb hatte ich nie das Gefühl, ich müsste mich mit diesem Album neu erfinden. Ich wollte weiterforschen, was ich mir bereits zusammengereimt hatte. Ein paar Songs - zum Beispiel "With Every Heartbeat" oder "Konichiwa Bitches" - hatten so viel Potential, das noch nicht ausgereizt war. Auf solchen Songs baut das aktuelle Album direkt auf.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich sonst nichts im Vergleich zu den Aufnahmen des letzten Albums verändert?

Robyn: Doch, ich habe jetzt mehr bei der Produktion mitgemischt, und ich hatte auch eine klarere Vorstellung, wo die Produktion hingehen soll. Beim letzten Album habe ich mir vor allem Gedanken um die Texte, die Melodien und die gefühlige Seite gemacht. Diesmal habe ich den Anschluss an die Musik gesucht, die mir viel bedeutet.

SPIEGEL ONLINE: Welche wäre das genau?

Robyn: Ich bin in den Neunzigern aufgewachsen, als viele verschiedene Musikstile miteinander verschmolzen und seltsame Sachen es in die Charts schafften. Technotronic, Snap, Neneh Cherry oder Leila K zum Beispiel. Alles sehr kommerzielle Künstler, die trotzdem Experimente gewagt haben. Das halte ich noch immer für sehr relevant und reizvoll. Ein wichtiges Thema für mich war aber auch der Club als Ort, an dem Leute Dampf ablassen und Teil eines größeren Ganzen werden wollen. Was nicht heißt, dass man im Club immer sein Glück findet.

SPIEGEL ONLINE: Das thematisieren Sie ja auch in Ihrer neuen Single "Dancing On My Own". Überhaupt finden sich auf Ihren Alben immer zu gleichen Teilen Songs, in denen Sie sich von Ihrer schwachen Seite zeigen, unter Liebeskummer leiden, über Selbstzweifel singen - und Songs, in denen Sie selbstbewusst auftreten und andere angreifen. Achten Sie darauf, dass keine Seite überhand nimmt?

Robyn: Ja, darüber denke ich viel nach. Solche Kontraste sind der Anreiz für mich, Songs zu schreiben. Ich weiß, was ich will und ich genieße es, eine Person mit starkem Willen und genauen Zielen zu sein. Aber ich genieße es auch, mich überraschen zu lassen. Offen zu sein und Dinge von allen möglichen Seiten zu betrachten, macht so viel mehr Spaß und ist so viel reizvoller. Auf "Body Talk 1" arbeite ich stark mit dem Kontrast zwischen Beats und Melodien, zwischen leicht zugänglichem Pop und sehr persönlichen Dingen. Für mich ist Pop niemals Kunst an sich, sondern vor allem Unterhaltung. Deshalb versuche ich auch, das alles nicht zu ernst zu nehmen. Um es für mich weiterhin interessant zu machen, muss ich aber einen Zugang zu Pop finden, der eher wie bei Kunst funktioniert - mir macht es einfach Spaß, Steine aufzuheben und zu schauen, was unter ihnen liegt.

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insgesamt 2 Beiträge
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SBasker 15.06.2010
1. Robin
Zitat von sysopDrei Alben in nur einem Jahr: So meldet sich der schwedische Popstar Robyn zurück. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt die Sängerin, was es mit ihrer Song-Schwemme auf sich hat, was sie an den Neunzigern cool findet - und warum sie nicht zu anderen Frauen befragt werden will. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,700097,00.html
Robin Miriam Carlsson ist ja Sängerin und Songwriterin, sie ist in Amerika besonders für ihren Song von 1997 "Do You Know (What It Takes)" bekannt. Mir gefallen aber auch ihre aktuellen Titel. Heruntergeladen habe ich sie mir mit meinem Downloadportal für legale und preisgünstige Musik (http://www.plantor.de/2009/downloadportal-fuer-legale-und-preisguenstige-musik/).
Lunabyte 16.06.2010
2. ...
Die Frau ist unverwechselbar und sehr talentiert. Eine meiner absoluten Lieblingskünstlerinnen!
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