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08. Juni 2012, 08:39 Uhr

Pop!

Veto gegen den Ausverkauf

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Popstars, die Cola-Werbung machen und in Filmen mitspielen: Zwei Missverständnisse mit einer unterhaltsamen Tradition. Dass der Abgesang auf die Queen einst zum guten Ton gehörte, weiß anlässlich des Thronjubiläums keiner mehr. Erfreulich: Der Michael-Jackson-Sell-out hat Schamgrenzen.

Brause-Pop!

Cola-Werbeclips haben im Pop längst Tradition. Aktuell hat sich die US-amerikanische HipHop-Abräumerin Nicki Minaj für einige Millionen Dollar ködern lassen, um die braune Brause zu besingen. Das verlässlich unterhaltsame Idolator-Blog bietet aus diesem Anlass eine amüsante Sammlung von YouTube-Cola-Clips ihrer Vorgänger. Darunter sind: Michael Jackson, der die "Pepsi-Generation" besang; Whitney Houston, die für Diät-Cola gurrte; Madonna, die für angeblich 55 Millionen Dollar "Like a Prayer" für Pepsi umbaute - was dank des einst kontrovers diskutierten Originals für Ärger sorgte und flugs von den Bildschirmen verschwand.

Flop-Pop!

Dass Musiker vom Schauspielern besser die Finger lassen sollten, hätte Pete Doherty eigentlich wissen müssen. In dem französischen Kunst-Reißer "Confessions of a Child of the Century" sieht der Brite nun tatsächlich so runtergewirtschaftet aus, wie es seine Drogenexzesse seit langem erwarten lassen. Aber auch sonst zeigt er als Darsteller nicht einen Hauch von Talent, wie ihm gerade zahlreiche Filmkritiker vorwerfen. In der Online-Ausgabe des "New Musical Express" sind nun zur Abschreckung aller singenden Kollegen weitere Beispiele gescheiterter Schauspielversuche versammelt. Darunter finden sich lustige Desaster wie Mariah Carey in "Glitter", Sting in "Dune" oder Britney Spears in "Crossroads". Über Letztgenannte bemerkte ein Kritiker: "Spears spielt mit derselben Ernsthaftigkeit wie für einen Pepsi-Werbeclip - nur dass der Film zweimal so viel Süßstoff enthält."

Royal-Pop!

Wie sich das gute alte England und die Welt verändert haben, illustriert auch die uneingeschränkte Bewunderung für die Queen anlässlich ihres 60. Thronjubiläums. Daran, wie sehr das britische Königshaus und die damit verbundene Sippe noch zu Punk- und Brit-Pop-Zeiten als Feindbild dienten, erinnert ein Autor des "Guardian" in dessen Online-Ausgabe. Es waren ja nicht nur die Sex Pistols, die böse "God Save the Queen" bellten; auch die Waliser Manic Street Preachers sangen: "Repeat after me / Fuck Queen and Country". Das scheint eine Ewigkeit her. In diesem Jahrtausend geben Banker eben ein besseres Feindbild ab.

Download-Pop!

Neu in diesem Jahrtausend ist auch, dass nun tatsächlich in England die digitalen Umsätze mit Musik die CD-Verkäufe überrundet haben, wie gerade gemeldet wird. Zeit also, sich von den letzten Plattenläden zu verabschieden.

Jackson-Pop!

Der Ausverkauf aller mit Michael Jackson verbundenen Dinge hat überraschenderweise Grenzen. Die Versteigerung einer privaten Notiz über seine Schlaflosigkeit wurde nun kurzfristig zurückgezogen, nachdem Jacksons Ex-Frau Lisa Marie Presley ihr Veto einlegte.

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