Postume Platten: Rekorddeal für Michael Jackson

Zehn Alben mit Musik von Michael Jackson wird die Plattenfirma Sony Music in den nächsten sieben Jahren herausbringen - dessen Erben bekommen dafür bis zu 250 Millionen Dollar. Eine Höchstmarke in Zeiten, in denen die Musikindustrie über sinkende Verkäufe klagt.

Michael Jackson (im März 2009): "Wachsende und unerschlossene Märkte für seine Musik" Zur Großansicht
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Michael Jackson (im März 2009): "Wachsende und unerschlossene Märkte für seine Musik"

Los Angeles - Tote Popstars lassen sich wohl tatsächlich besser vermarkten als lebendige. Keine kreativen Krisen, keine Skandale, keine unberechenbaren künstlerischen Anwandlungen - die postume Karriere ist auf Jahre hin planbar.

Bis 2017 läuft der Vertrag, den die Plattenfirma Sony Music gerade mit den Erben von Michael Jackson abgeschlossen hat. Er umfasst zehn Albumprojekte in sieben Jahren und ist mit einer garantierten Summe von 200 Millionen Dollar nach Aussagen der Beteiligten der lukrativste der Musikgeschichte. Unter gewissen Umständen könnten sogar bis zu 250 Millionen Dollar für Jacksons drei Kinder und deren Vormund, Jacksons Mutter Katherine, herausspringen.

Eines der Alben soll eine Sammlung von etwa zehn bisher unveröffentlichten Songs sein, das für November 2010 angekündigt ist. Außerdem wird eine mit exklusivem Zusatzmaterial ergänzte Wiederveröffentlichung von Jacksons 1979 erschienenen bahnbrechendem Soloalbum "Off The Wall" geplant. Daneben ist die Rede von einem Videospiel, einer DVD mit allen Musikvideos und weiterer bisher unveröffentlichter Musik. Das Soundtrack-Album zum Ende 2009 angelaufenen Konzertfilm "This Is It" ist bereits Teil des Deals.

Bemerkenswert ist, dass Sony nicht beteiligt wird an den Einnahmen aus Merchandising- und Markenrechten - ein Unterschied zu den Verträgen, die der Konzertveranstalter Live Nation mit den Popstars Jay-Z (150 Millionen Dollar für zehn Jahre) und Madonna (120 Millionen für zehn Jahre) geschlossen hat.

Michael Jackson starb am 25. Juni 2009. Seitdem wurden 31 Millionen Exemplare von seinen Alben verkauft, zwei Drittel davon außerhalb der Vereinigten Staaten. In einer Aufstellung der toten Prominenten mit den höchsten Einnahmen listete ihn das Magazin "Forbes" im Oktober 2009 an dritter Stelle, noch vor Elvis Presley, freilich hinter dem Modeschöpfer Yves Saint-Laurent und den Musical-Komponisten Rodgers & Hammerstein.

Der Anwalt John Branca, der als Vertreter von Jacksons Nachkommen den Vertrag mitaushandelte, sagte der "New York Times", dass eine neue Generation von Kindern den Sänger gerade erst entdecke: "Unter den Zuschauern von 'This Is It' waren viele Familien", sagte Branca und wies darauf hin, dass der Konzertfilm auch in China erfolgreich gelaufen sei: "Wir glauben, dass es wachsende und noch unerschlossene Märkte gibt für Michaels Musik."

Die Einnahmen aus dem Plattenvertrag werden der Jackson-Familie eine große Hilfe sein bei der Begleichung der hohen Schulden, die der Sänger nach seinem Tod hinterließ. Sie wurden zum Todeszeitpunkt auf etwa 400 Millionen Dollar geschätzt. Allerdings besaß Jackson auch einen 50-prozentigen Anteil an dem Musikverlag Sony/ATV Music Publishing, der die Rechte an Songs der Beatles, Elvis Presley und Bob Dylan hält - deren Wert wird auf etwa zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Für die Plattenfirma Sony Music kommt der Rekordvertrag mit ihrem langjährigen Star Michael Jackson zu einer Zeit, in der die Musikindustrie weiterhin über sinkende CD-Verkäufe klagt, die durch wachsende Einnahmen im Online-Verkauf von Musikdateien noch nicht ausgeglichen werden. Rob Stringer, Labelchef der Sony-Abteilung Columbia Epic, äußerte sich aber optimistisch, dass sich der Deal für die Firma lohnen werde. Der "Los Angeles Times" sagte er: "Die Audiorechte umfassen unterschiedliche Projekte. Es könnte Theater geben, Filme oder Computerspiele - oder irgendwelche Multimedia-Plattformen, von denen ich heute noch gar nichts weiß, die aber 2015 kommen werden."

feb/AP/AFP

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1. postum?
Q16 16.03.2010
Danke, dass Sie wenigstens im Forum die Überschrift korrigiert haben. Die konsequent inkonsquente Nutzung des Wortes "posthum" innerhalb der Spiegelredaktion verwundert mich schon seit Ewigkeiten. Nicht nur in der Online-Ausgabe sondern auch in der Print-Version. Ob falsch oder richtig ist mir langsam egal, aber einigt Euch doch bitte mal auf eine Schreibweise: Postum(?) oder posthum. Danke! Ich lasse mich gerne belehren. Gibt es das Wort "postum"?
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