Von Christoph Dallach
Allen, die sich in letzter Zeit mal gefragt haben, was eigentlich Prince so macht, bietet nun YouTube einen frischen TV-Auftritt des Künstlers. Im Rahmen einer Talkshow präsentierte er seine neue Single "Rock'n'Roll Love Affair" - einen Song, der im November auch regulär veröffentlicht werden soll und daran erinnert, dass Prince nach wie vor jenseits der konventionellen Musikindustrie seine Kreise zieht.
Über die Güte des Lebenszeichens, das der rätselhafte Musiker aus Minneapolis jetzt sendet, debattieren selbst seine Jünger heftig, wie die zahlreichen Kommentare des YouTube-Clips belegen. Ein "lebenslanger Fan" klagt da - stellvertretend für viele - der Titel "Rock'n'Roll Love Affair" sei einfach nur "langweilig" und "uninspiriert".
Letztlich ist das die Fortsetzung einer knapp 20 Jahre alten Debatte. Dass Prince in den achtziger Jahren dank Hits wie "Purple Rain", "When Doves Cry", "Raspberry Beret", "Let's Go Crazy" und "Kiss" zu den Spitzenkräften im Pop-Universum zählte, ist unbestritten. Auch zu Beginn der Neunziger punktete Prince noch mit tollen Songs wie "Get Off" oder "My Name Is Prince". Über alles, was danach kam, kann man herrlich zanken.
Keine Gnade für Promi-Fans
Einem großen Teil seines alten Publikums ist wahrscheinlich überhaupt nicht bewusst, dass Prince überhaupt noch berufstätig ist, seit er in den neunziger Jahren seinen Künstlernamen zeitweilig ablegte und der Musikindustrie den Rücken kehrte. Wohl kein Künstler seines Formats boykottierte jemals lustvoller und konsequenter die eigene Karriere. Die zahlreichen, ohne PR-Getöse veröffentlichten Alben, die danach kamen, irritierten oft selbst eingefleischte Fans mit melodiearmen und sehr verschlungenen Songs. Gleichzeitig blühten Gerüchte über all die Meisterwerke, die Prince nur für sein legendäres Archiv "The Vault" einspielte.
Fest steht, dass dem vor 54 Jahren als Prince Rogers Nelson geborenen Musiker das große Publikum abhandengekommen ist. Unter Spezialisten und Kollegen ist der Respekt allerdings intakt: 2004 wurde Prince in die Rock'n'Roll Hall Of Fame aufgenommen, das US-Magazin "Rolling Stone" führt ihn auf Rang 27 seiner Auswahl der "100 größten Künstler aller Zeiten", und das "Time Magazine" zählte ihn noch 2010 zu den "100 einflussreichsten Menschen der Welt".
Auch seine berüchtigten Aftershow- und Privat-Konzerte ziehen immer noch ein illustres Publikum an. Zuletzt drängten sich vor einer Woche unter anderem Will.I.Am, Christina Aguilera, Adam Levine, Dita Von Teese und Nicki Minaj in einen kleinen, kalifornischen Club. Wie streng Prince nach wie vor auf Regeln achtet, musste bei so einem Auftritt neulich auch Foster-the-People-Sänger Mark Foster lernen, als die Prinzen-Security-Männer ihn vor die Tür setzten, weil er während der Show mit seinem Smartphone spielte.
In der Ruhe liegt die Kraft
Prince war immer ein Meister der Inszenierung des eigenen Mythos. Stets präsentierte er sich als unnahbarer Märchenprinz, als Freund schillernder Auftritte und schöner Frauen. Interviews gewährte er selten, und plauderte überhaupt nie über Privates.
Und Prince ist immer noch auf dem Kriegspfad. Mit großer Leidenschaft zieht er gegen YouTube, Ebay und gelegentlich auch gegen die eigenen Fans ins Feld. Um die unsanktionierte Online-Nutzung seiner Musik zu unterbinden, setzt er alle juristischen Hebel in Bewegung und klagt beständig seine Clips und Songs aus dem Internet. Auch die Neuauflage seiner alten Meisterwerke boykottiert Prince.
Dass man das auch als großen Irrtum sehen kann, hat nun Prince-Fan und Roots-Schlagzeuger Questlove in einem Blog-Beitrag klargemacht und weist darauf hin, wie sehr sich Prince durch seinen YouTube-Krieg den nachgewachsenen Generationen potentieller Fans verweigert. Prince schweigt traditionell zu allen Debatten. Und vermutlich tangiert ihn solche Kritik wenig. In Zeiten medialer Überpräsenz vieler Musiker ist Stille vielleicht die beste Werbung.
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