"Private Gründe": Komponist Gerhard Schedl erschoss sich im Wald

Er galt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten. Offenbar litt er aber seit langem unter schweren Depressionen: Nun nahm sich der 43-jährige Österreicher Gerhard Schedl in einem Waldstück bei Frankfurt das Leben.

Freitod im Wald: Komponist Schedl
DPA

Freitod im Wald: Komponist Schedl

Frankfurt/Wien - Ein Sprecher der Polizei in Frankfurt bestätigte am Montag den Selbstmord, sagte jedoch, der 43-Jährige habe sich bereits am Donnerstagnachmittag gegen 15.00 Uhr in einem Wald in der Nähe seiner Wohnung in Eppstein/Taunus umgebracht. Andere Quellen hatten als Zeitpunkt die Nacht zum Freitag genannt. Schedl habe einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er "private Gründe" für seinen Freitod angegeben habe. Der 43-Jährige habe seit längerer Zeit an schweren Depressionen gelitten, hieß es in österreichischen Medienberichten vom Montag.

Der Direktor des Hoch'schen Konservatoriums in Frankfurt, Frank Stähle, sagte am Montag, der überraschende Tod Schedls sei "ein sehr schmerzhafter Verlust". "Schedl war nicht nur eine hervorragende Lehrkraft, sondern auch ein hervorragender Künstler, mit dem wir seit nahezu 20 Jahren eng zusammengearbeitet haben." An der Hochschule unterrichtete Schedl unter anderem Tonsatz, Gehörbildung und Komposition. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei Söhne.

Schedl, 1957 in Wien geboren, gelang als Komponist mit seinem Dostojewski-Oratorium "Der Großinquisitor" 1980 der internationale Durchbruch. Seine Kinderoper "Der Schweinehirt" nach dem Märchen von Hans Christian Andersen wurde in Dresden, München, Wien, Moskau und Frankfurt aufgeführt. Seine Bühnenwerke "Triptychon" (1990), "Glaube, Liebe, Hoffnung" (1993) und "Fremd bin ich eingezogen" (1997) feierten ihre Premieren am Salzburger Landestheater. Hier sollte am 9. Dezember auch "Julie & Jean", eine Oper nach Strindbergs Drama "Fräulein Julie", uraufgeführt werden. Der Termin war jedoch "wegen Realisierungsproblemen" in die Spielzeit 2002/03 verschoben worden. Erst vor wenigen Wochen war seine Oscar-Wilde-Oper "Zwerge, Riesen, Menschenfresser" beim Festival Carinthischer Sommer im österreichischen Villach uraufgeführt worden. Schedl komponierte außerdem Symphonien, Konzerte und Solowerke.

Zuletzt arbeitete er an seiner vierten, der so genannten "Belfast-Symphonie", die 2001 zur Uraufführung kommen sollte und sich mit der politischen Lage in Nordirland befasst. In seiner Musik solle "das zarte Rauschen der Stille" ebenso seinen Platz haben wie "die großen, wilden, pathetischen Gesten". Er wolle mit seinen Kompositionen "ins Herz treffen", charakterisierte Schedl einmal sein Schaffen.

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