Protest gegen Ausverkauf Sohn von Sex-Pistols-Manager will Erinnerungsstücke verbrennen

Ist das noch Punk oder kann das weg? Aus Protest gegen die Vereinnahmung durch Queen und Mainstream will der Sohn von Sex-Pistols-Manager Malcolm McLaren Memorabilia im Wert von mehreren Millionen Euro verbrennen. 

Malcolm McLaren und Viviane Westwood 1977
Corbis

Malcolm McLaren und Viviane Westwood 1977


"God save the Queen and her fascist regime". Das brüllte Johnny Rotten 1977 zum 25. Thronjubiläum der Queen. 2016 nun gibt ausgerechnet die geschmähte Queen einer offiziellen Punk-Gedenkveranstaltung ihren Segen - eine Vereinnahmung der einstigen Protestmusik durch das Establishment, die nicht jedem gefällt: Joseph Corré, Sohn vom Sex-Pistols-Manager Malcolm McLaren und Viviane Westwood, hat jetzt angekündigt, seine Sammlung aus Punkdevotionalien zu verbrennen - im Wert von fünf Millionen Pfund (rund 6.400.000 Euro).

"Dass die Queen dem Jahr 2016, dem Jahr des Punks, ihren offiziellen Segen gibt, ist das Erschreckendste, das ich je gehört habe", sagt Corré, der selbst als Modeunternehmer arbeitet und unter anderem das Dessouslabel "Agent Provocateur" gründete.

Mit der Aktion im November will der Punk-Sprössling darüber hinaus auch gegen die Festlichkeiten zum "Geburtstag des Punk" protestieren. Diese sind in diesem Jahr in London zum 40-jährigen Jubiläum der ersten Sex-Pistols-Single "Anarchy in the U.K." geplant und werden vom Staat und diversen Unternehmen unterstützt. Zu den Partnern des einjährigen Zyklus mit Konzerten, Vorträgen und Ausstellungen gehören unter anderem Universal Music und das Museum of London. Die Aktion wird zudem teilweise finanziert durch Spenden der National Lottery und unterstützt durch Londons Bürgermeister Boris Johnson.

"Statt einer Bewegung, die den Wandel will, ist Punk zu einem verdammten Museumsstück oder einem Tribute Act geworden", so Corré. Er verglich das Jahr 2016 mit 1976: Die britische Öffentlichkeit leide unter einer der selben Art "allgemeiner Malaise", die vor 40 Jahren zur Geburt des Punk geführt habe. "Die Menschen fühlen sich betäubt. Und mit der Betäbung kommt die Selbstzufriedenheit. Die Menschen fühlen sich, als hätten sie keine Stimme mehr. Wir müssen die Dinge erneut zum Explodieren bringen", sagte Corré der britischen Magazin "Crack".

Wenn die Situation wirklich so verkrustet ist, wie Corré beschreibt, muss eine Wiedergeburt des Punks eigentlich kurz bevorstehen. Aber ob die Verbrennung von ikonografischen Erinnerungsstücken eines Mode-Millionärs dabei hilft? Oder ob das Problem des Ausverkaufs vielleicht gar nicht bei der Queen liegt, sondern in der Tatsache, dass Erinnerungsstücke an die Punkbewegung heute mehrere Millionen Euro wert sind? Darüber lohnt es sich nachzudenken.

eth



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