Peter and the Test Tube Babies Keine Einreise wegen Trump-Parodie?

Auf ihrer "Presidential Tour" hat sich Peter Bywaters, Sänger der britischen Punkband Peter and the Test Tube Babies, als Trump verkleidet. Bei der Einreise in die USA verstanden die Beamten allerdings keinen Spaß.

Peter and the Test Tube Babies bei der "Presidential Tour 2016"

Peter and the Test Tube Babies bei der "Presidential Tour 2016"

Ein Interview von Gunter Becker


Zur Person
  • Getty Images
    Peter Bywaters, 56, ist Sänger der Punkrockband Peter and the Test Tube Babies, die 1978 in Peacehaven, England, gegründet wurde und - mittlerweile in anderer Besetzung - noch immer durch die Lande tourt. Als Gastsänger war Bywaters zuletzt in dem Song "The Jinx" von den Toten Hosen zu hören.

SPIEGEL ONLINE: Peter, Sie haben mit Peter and the Test Tube Babies zu Weihnachten 2016 auch in Berlin mit Ihrer "Presidential Tour" gastiert. Dabei sind Sie als Donald Trump verkleidet aufgetreten, Ihre Bandmitglieder posierten als Freiheitsstatue, Abraham Lincoln und Uncle Sam. Hatten Sie eine Message bezüglich der Wahl von Trump, hatten Sie seine Wahl von der Bühne herab kommentiert?

Peter Bywaters: (lacht) Nicht direkt eine Message. Wir hatten einfach Spaß daran, uns zu verkleiden und jemand anders zu sein. Wir starteten die Show mit dem Alice-Cooper-Song "Elected", und im Hintergrund der Bühne liefen Comics, Bilder und Filme über Politiker. Da gab es aber nicht direkt eine Message.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollten dann Ende Juli auf einem Festival in Kalifornien spielen, doch Ihnen wurde die Einreise verweigert. Was geschah da genau?

Bywaters: Die Band und ich flogen getrennt von London nach Kalifornien. Ich flog nach San Francisco. Da es nur um einen Gig und zwei Übernachtungen ging, brauchten wir keine Arbeitserlaubnis. Bei der Einreise wurde ich zu meiner Person und dem Zweck der Reise befragt. Der Beamte googelte meinen Namen und den der Band. Ich versicherte, dass die Band nur ein Hobby und ich zu Freunden unterwegs sei. In dem Moment drehte er auch schon seinen Bildschirm zu mir und zeigte mir Bilder unserer "Presidential Tour". Er schickte mich dann in ein Office, in dem ich während der nächsten sechs Stunden immer wieder befragt wurde. Dabei kamen auch immer mehr Bilder und Videos der Tour zutage. Es wurden Fotos gemacht, Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen.

SPIEGEL ONLINE: Die Behörden sind also eher zufällig auf das Material gestoßen? Sie hatten es nicht bereits vorher registriert und Sie bereits auf dem Radar?

Bywaters: Sie versicherten mir sogar noch während der Befragungen, dass es vielleicht doch die Möglichkeit der Einreise und der Weiterreise gäbe. Aber nach den sechs Stunden brachten sie mich dann zu einem Flugzeug mit dem Ziel London.

SPIEGEL ONLINE: Welche US-Gesetze hatten Sie gebrochen, welche Vorwürfe wurden geäußert?

Bywaters: Ich habe überhaupt keine Gesetze gebrochen. Das hat mir auch der Officer versichert.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Band, die Test Tube Babies, reiste dann ohne Sie ein und trat bei dem Festival bei Los Angeles auf.

Bywaters: Ja. Sänger anderer Bands sprangen ein und übernahmen meinen Part, performten meine Songs.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie jemals zuvor Probleme bei Ihren US-Gigs?

Bywaters: In unserer fast vierzigjährigen Bandgeschichte eigentlich nie. Vielleicht hatten wir nur Glück. Einzig das Thema Alkohol auf der Bühne hat ab und an Ärger verursacht.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie einen neuen Anlauf nehmen, in den USA aufzutreten?

Bywaters: Was glauben Sie (lacht)? Ich war wirklich sauer. Der Beamte sagte: "Wir verweigern Ihnen hier und jetzt die Einreise, Sie können es aber gerne zu einem anderen Zeitpunkt erneut versuchen." Ich sagte ihnen, dass sie sich ihr verdammtes Land sonst wohin stecken könnten. Der Beamte lachte und meinte "Ja, das sagen sie alle". Ich würde es nicht ausschließen, irgendwann in der Zukunft noch einen Versuch zu unternehmen, frage mich aber, welcher Promoter das Risiko übernehmen wird, mir Flugtickets zu kaufen, sogar wenn ich eine Arbeitserlaubnis für Auftritte dort hätte.



insgesamt 45 Beiträge
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isi-dor 21.09.2017
1. Mir zeigt das nur eines:
Trumpland scheint zum Gesinnungsterror übergegangen sein. Es gibt keine Freiheit der Kunst mehr und Kritikern wird die Einreise rechtswidrig ohne Begründung verweigert. Das kann man machen, man sollte sich dann nur nicht als "Rechtsstaat" bezeichnen. Bin ja bespannt, wann Trump für seine einheimischen Kritiker die Schutzhaft wieder einführt.
peeka(neu) 21.09.2017
2. Nun ja
Damit ist die Frage der "Meinungsfreiheit" bezogen auf die USA wohl beantwortet. Ich habe zum Glück auch kein großes Interesse, in diesen Staat zu reisen, denn wer weiß, wie schnell die Verbindung meines echten Namens zu den entsprechenden Kommentaren in diversen Foren hergestellt werden kann...
micromiller 21.09.2017
3. Die permanente Diffamierung des Präsidenten
der Vereinigten Staaten kann natürlich auch Antworten haben. Eine gesunde sachliche Kritik wird von den USA und auch von Herrn Trump sicher nicht zur Aussperrung führen.
kalsu 21.09.2017
4. Falsche Antwort
Hätte er gesagt, dass er sich am Bau einer Mauer beteiligen oder sich eine Swastika tätowieren lassen wolle - wäre ihm sicher Einlass gewährt worden
Koda 21.09.2017
5. Mal etwqas anderes....
" Er schickte mich dann in ein Office" Darf ich fragen, welches Office? Office XP oder schon Office 10. Es handelt sich hier um ein Büro oder in dem Zusammenhang um einen Verhörraum. Denn "Das hat mir auch Officer versichert." was wäre denn dann der "Officer"? Ein vermenschlichstes Büro? Es ist natürlich ein Beamter. Aber bitte: übersetzt doch englische Begriffe ins Deutsche. Nachher klingt s zu Denglisch.
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