Radiohead vs. Lana Del Rey Doch kein Gerichtsverfahren?

Was denn nun? Laut ihrem Musikverlag hat die Band Radiohead kein Gerichtsverfahren gegen die Sängerin Lana Del Rey angestrengt - obwohl die das kürzlich mehrfach behauptet hatte.

Thom Yorke, Sänger der Band Radiohead
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Thom Yorke, Sänger der Band Radiohead


Die britische Band Radiohead wirft der amerikanischen Sängerin Lana Del Rey vor, ihren Hit "Creep" kopiert zu haben. Dabei bleibt es auch. Allerdings gebe es bisher mitnichten einen Rechtsstreit, wie jetzt Radioheads Musikverlag Warner/Chappell in einem Statement mitteilte.

Genau das hatten britische Medien und Lana Del Rey selbst kürzlich verbreitet. Die Musikerin schrieb auf Twitter, Radiohead würden 100 Prozent der Tantiemen von ihrem Song "Get Free" verlangen. Kurz darauf wiederholte sie die Aussage bei einem Konzert in Denver und sagte, möglicherweise werde der Song von ihrem Album "Lust for Life" entfernt.

Gestern veröffentlichte die amerikanische Musik-Webseite "Pitchfork" ein Statement des Musikverlags von Radiohead, in dem es heißt: "Um das klarzumachen: Es ist kein Gerichtsverfahren eingeleitet worden, und Radiohead haben nie gesagt, sie würden nur 100 Prozent der Tantiemen von 'Get Free' akzeptieren".

Wahr sei, dass Warner/Chappell seit August 2017 in Kontakt mit Repräsentanten von Lana Del Rey stünden und dass es bei den Plagiatsvorwürfen bleibe. Die Musikerin behauptet, dass ihr Song gar nicht von "Creep" inspiriert sei. Die Ähnlichkeit ist jedoch verblüffend, wie man im Vergleich hören kann:

Tatsächlich hatten Radiohead mit "Creep" einst selbst ähnliche Probleme, weil der Song dem Hit "The Air That I Breathe" der Sechzigerjahre-Popband The Hollies ähneln soll. Die Band einigte sich jedoch außergerichtlich mit The Hollies, fügte deren Songschreiber Albert Hammond und Mike Hazelwood als Co-Autoren zu "Creep" hinzu und vergütete sie angeblich mit einem Teil der Tantiemen vom Radiohead-Album "Pablo Honey".



insgesamt 7 Beiträge
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HeyerCo 10.01.2018
1. Plagiat - eher nicht
Auch Anfänger, die auf ihrer Gitarre herumzupfen oder ihr Klavier bearbeiten, kommen sehr schnell darauf, dass sich die Akkordfolge I-III-IV schön anhört. Über den Mollakkord kommt man dann wieder zur I. Diese Akkordfolge kann niemand für sich beanspruchen. Bei der Melodie ist es ein bisschen schwieriger, aber auch hier würde ich sagen, dass die Strophe von "Creep" die denkbar einfachste Melodie zu der Akkordfolge ist, im Grunde nicht mehr als ein Tänzeln um den jeweiligen Grundton. Das ist bei "Get Free" auch so, aber es ist im Prinzip auch das Erste, was einem zu den Akkorden einfällt. Was den zunächst kolportierten Anspruch auf 100% der Tantiement angeht: "Get Free" hat auch noch einen Refrain, der sich ganz anders anhört. Ich bin sehr froh, dass es keine peinliche öffentliche Auseinandersetzung zwischen diesen anspruchsvollen Künstlern geben wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass Radiohead die Musik von Lana del Rey gut verstehen. Das ist für mich keine Situation wie bei Kraftwerk und Moses Pelham, wo es für die visionären Künstler eine intellektuelle Beleidigung war, dass ein Troll sie kopiert.
PTerGun 10.01.2018
2. Kann ja jedem mal passieren
Ich glaube es jedem Songwriter, wenn ihm plötzlich eine schöne Melodie im Kopf rumgeht, er dann ernsthaft glaubt, er habe in seinem genualen Geist einen einzigartigen Hit komponiert. Wenn dann aber ein findiger kluger Mensch einen darauf aufmerksam macht, dass das keine geniale Eingebung war, sondern ledichlich eine Erinnerung an einen bestehenden Hit, also wirjklich ein Hit, der im Radio vor Jahren rauf und runter gespielt worden ist und sich in fast allen Top 100-Listen-Ever findet, dann sollte man auch die Größe haben seinen Irrtum einzugestehen. Diese Größe scheint Lana Del Rey allerdings komplett abzugehen.
furzgurk 10.01.2018
3. Marketing...
Ich denke sie hat mit den, von Radiohead unbestätigten, Plagiatsvorwürfen eher versucht ihren Song zu vermarkten...
APPFilter 10.01.2018
4. Wieso eigentlich immer die Hollies?
Die Hollies besitzen nicht die Urheberrechte an "The air that I breathe" und Albert Hammond und Mike Hazelwood sind nicht "deren" Songschreiber. Der Originalsong findet sich auf dem Soloalbum "It Never Rains in Southern California" von Albert Hammond von 1972. Die Hollies haben ihn 1974 schlicht gecovert. Radiohead haben sich nicht mit den Hollies außergerichtlich geeinigt, sondern mit Hammond und Hazelwood.
Velbert2 10.01.2018
5. Neue Melodien?
Wo sollen die neuen Melodien denn herkommen? Bei geschätzten "Aberbillionen" unterschiedlicher Stücke, die es mittlerweile gibt, wird sich immer ein Stück finden lassen, das es irgendwann schon einmal gab. Man muss nur lange genug suchen. Plagiatsvorwürfe im Bereich Kunst allgemein, nicht nur in der Musik, sind, wie gesagt, bei der Vielzahl an Kunstwerken, die in den letzten Jahrhunderten entstanden sind, nicht mehr realistisch.
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