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Rap-Megastar Jay-Z "Geld ist ein Persönlichkeitsverstärker"

Rap-Star Jay-Z: "Wir machen weiter"
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Perou / Camera Press / Retna

2. Teil: "Alle sind gegen uns"

SPIEGEL ONLINE: Was macht den Star aus?

Jay-Z: Ich kann es Ihnen nicht sagen. Es ist schwer zu beschreiben. Ich sehe ihn, wenn er da ist. Wenn er einen Raum betritt. Es ist, als hätte jemand das Licht angeschaltet. Ein Star hat diese spezielle Energie, die die Dynamik eines Raums verändert. Auf einmal richten sich alle Anwesenden nach ihm. Dafür ist es vollkommen egal, ob er schon Millionen von Platten verkauft hat oder frisch von der Straße kommt.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie als Plattenfirmenmann in dem jungen Jay-Z den zukünftigen Superstar gesehen?

Jay-Z: Das wäre schwierig gewesen, denn als junger Mann war ich ein sehr unwilliger Star. Mir ging es um die Worte - ich hatte nur wenig Interesse an der Show. Was ich hatte, war meine Geschichte. Das hätte ich als Talentscout wahrscheinlich gesehen. Und ich hätte seine Schritte verstanden.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das?

Jay-Z: Um den jungen Jay-Z zu verstehen, muss man verstehen, wo er herkommt. Dass das, wovon er spricht, echte Emotionen sind, nichts, was sich jemand im Nachhinein ausgedacht hat. Dieser Jay-Z ist kein Übermensch. Er hat Mist gebaut und er ist verletzt. "Learn To Live With Regret" heißt das letzte Stück meines ersten Albums, das ist nicht die typische Rap-Angebergeschichte. Hier erzählt jemand von Gefühlen. Der junge Jay-Z fühlt sich, als stünde er mit dem Rücken zur Wand. Er kämpft mit sich und all diesen widerstreitenden Gefühlen: das schlechte Gewissen, das er den Menschen gegenüber hat, die er verletzt hat. Die eigene Verletzlichkeit. Angeberei. Hartherzigkeit. Erniedrigung.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben seitdem einen weiten Weg zurückgelegt. Stimmt der alte Rap-Spruch, dass man einen Mann aus dem Ghetto holen kann, aber das Ghetto nicht aus dem Mann?

Jay-Z: Natürlich. Die Herkunft folgt einem. Wenn man einen Fehler macht, dann heißt es sofort: Klar, der kommt ja auch aus dem Ghetto. Wenn einem etwas gelingt, heißt es: Ja, der kommt aus den Marcy Projects und ist hart drauf. Es verlässt einen nicht.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt es, dass einem die Villen von Rapstars, die man bei MTV sieht, oft vorkommen wie Museen, als würde der Reichtum ausgestellt und nicht genossen?

Jay-Z: Weil der Reichtum in diesem Augenblick ausgestellt wird. Die wissen, da kommt ein Fernsehteam, also lassen sie alles saubermachen. Für die Dauer dieses Nachmittags ist es ein Museum. Ich will mich über niemanden erheben, jeder soll machen, was er will - aber wenn ich diese Sendungen sehe, frage ich mich, was MTV bei denen zu suchen hat. Ich würde mir niemals einen Fernsehsender nach Hause holen. Jeder erfolgreiche Musiker lebt einen großen Teil seines Lebens in der Öffentlichkeit. Deshalb glaube ich, dass man einen Ort braucht, wo man die Tür zu machen kann. Geld bedeutet nicht automatisch Glück, Geld ist ein Persönlichkeitsverstärker. Wenn man unsicher ist, dann wird einen das Geld nur in dieser Unsicherheit bestärken. Das sehe ich auf MTV.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben im Wahlkampf Barack Obama unterstützt. Was bedeutet sein Sieg für Sie?

Jay-Z: Es ist ein großer Sieg. Aber es ist nur Teil eines Prozesses. Trotzdem: Wenn man heute einem schwarzen Jungen sagt, der in Armut aufwächst, du kannst alles werden, dann stimmt das zum ersten Mal. Er kann Präsident werden. Das ist ein Riesenschritt. Weitere müssen folgen.

SPIEGEL ONLINE: Nach Jahren der Deregulierung versucht Obama, den Staat zu stärken. Verträgt sich das eigentlich mit dem Ideal des freien Unternehmertums, das der HipHop auch zelebriert?

Jay-Z: Wir sind lange vom Staat ignoriert worden. Wir haben nichts bekommen, also haben wir auch nicht erwartet, etwas zu bekommen. HipHop ist in der Bronx entstanden, einer Gegend, die der Staat verlassen hatte. Darum ist HipHop so unternehmerisch. Wir haben uns selbst geholfen.

SPIEGEL ONLINE: Könnte ein schwarzer Präsident da nicht auch ein Problem sein? Könnten sich nicht Leute hinstellen und sagen: Hört mal auf euch zu beklagen, Obama hat es schließlich auch geschafft?

Jay-Z: Nein. Nur weil ein Typ es auf die Party geschafft hat, heißt das nicht, dass alle anderen auch ins Gebäude dürfen. Es gibt Millionen von Armen da draußen, die immer noch nichts haben. Die amerikanische Mittelschicht und die Arbeiterklasse stehen vor dem Abgrund. Was soll der Arbeiter machen? Die Fabriken sind zu, und sie werden nicht wiederkommen. Die Jobs sind weg, sie werden wegbleiben. Es gibt viel Unsicherheit und Ängste. Die Leute wissen nicht, was die Zukunft ihnen bringen wird.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Prognose?

Jay-Z: Die Haltung von HipHop war immer: Alle sind gegen uns. Wir werden es schaffen, wir kümmern uns nicht darum, was andere denken, welche Last auf unseren Schultern liegt. Wir machen weiter. Das ist eine Haltung, die einem weiterhelfen kann. Das werden wir brauchen, um die Kämpfe zu überstehen, die gekämpft werden müssen.

SPIEGEL ONLINE: Das ist eine Krieger-Mentalität.

Jay-Z: Sicher.

SPIEGEL ONLINE: So denken Clan-Führer.

Jay-Z: Sie haben mich nach den Parallelen zwischen den Leuten an der Wall Street und der HipHop-Rhetorik gefragt - hier ist sie. Es sind Parallelgesellschaften. Leute denken, sie könnten ihre eigenen Gesetze machen, ihre eigene Gesellschaft begründen.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit unterscheiden sich die gesellschaftlichen Bedingungen für junge Rapper heute von denen der frühen Neunziger, als sie ihre erste Platte herausbrachten? Werden heute andere Träume geträumt?

Jay-Z: Es sind immer noch Träume und Alpträume, aber sie haben andere Inhalte. Es gibt große Hoffnungen heute, insbesondere wegen des neuen Präsidenten. Aber eben auch große Ängste: Da ist die Rezession, da sind die Kriege. Hoffnung, Angst, Unsicherheit, Schmerz - alles ist da. Ich bin in der Crack-Ära aufgewachsen. Damals, in den späten Achtzigern, sind Jugendliche mit vollautomatischen Waffen durch die Straßen gelaufen, viele Menschen sind gestorben. Das war ein Bürgerkriegsszenario, so was hatte es vorher noch nie gegeben und gab es seitdem nicht wieder. Jetzt werden die Rezession und der Afghanistankrieg eine neue Generation prägen.

SPIEGEL ONLINE: Kommt Ihnen die Welt, in der Sie sich bewegen manchmal surreal vor?

Jay-Z: Jeden Tag.

Das Interview führte Tobias Rapp

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sam clemens 11.10.2009
Dass Jay-Z durchsetzungsfähig ist und warum, zeigt das Gespräch durchaus. Aber was soll dieser Quark von einer "Krieger-Mentalität"? "Alle sind gegen uns - wir schaffen es trotzdem" - was hat das mit Krieg zu [...]
Dass Jay-Z durchsetzungsfähig ist und warum, zeigt das Gespräch durchaus. Aber was soll dieser Quark von einer "Krieger-Mentalität"? "Alle sind gegen uns - wir schaffen es trotzdem" - was hat das mit Krieg zu tun? Und welchen Sinn hat die Parole in einem Land, dem die Fabriken und die Jobs verloren gegangen sind? Was soll man da schaffen? Den Arbeitslosen für ein paar Songs die letzte Kohle aus der Tasche ziehen? HipHop ist von gestern.
Knighter 11.10.2009
Ich fand Jay-Z schon immer schlecht und unhörbar. Dieses Interview ist ein weiterer Beweis für die Inhaltslosigkeit von ihm, seinem Rap und der ganzen Proletenmusik an sich (von wenigen Ausnahmen mal abgesehen - "The [...]
Ich fand Jay-Z schon immer schlecht und unhörbar. Dieses Interview ist ein weiterer Beweis für die Inhaltslosigkeit von ihm, seinem Rap und der ganzen Proletenmusik an sich (von wenigen Ausnahmen mal abgesehen - "The Message" bspw.). Man soll es einfach mal einsehen: HipHop/Rap hat keinerlei Aussage, bezieht keine Position und will in Wirklichkeit nur sagen: "Ey, ihr Vollidioten, hier ist ein weiterer wischi-waschi-Track, nennen wir ihn einfach "Umbrella" oder so, bildet euch ein, daß er eine Aussage hat, gebt mir euer sauerverdientes Geld und verzieht euch!"
TotalRecall 11.10.2009
HipHop ist zu einer Trivialmusik mit viel Klamauk verkommen, die es der pubertierenden, weissen Mittelschicht erlaubt, sich - gegen ein gewisses Entgelt - für 5 Minuten wie ein harter Gangster oder Zuhälter zu fühlen. Ja, HipHop [...]
HipHop ist zu einer Trivialmusik mit viel Klamauk verkommen, die es der pubertierenden, weissen Mittelschicht erlaubt, sich - gegen ein gewisses Entgelt - für 5 Minuten wie ein harter Gangster oder Zuhälter zu fühlen. Ja, HipHop hat bestimmt noch ungeahntes Potential...gähn. Jay-Z soll mit seinem Pop-Klamauk (siehe Rihanna & Co.) mal die Füsse still halten. Was HipHop/Rap angeht, wäre NAS sicherlich der kompetentere Ansprechpartner für ein Interview gewesen.
lemming51 11.10.2009
....ich finde diesen Räpp(Rep??)-Hip-Hop-Kram einfach nur öde, langweilig und absolut UNmusikalisch.Und dazu noch dieses ewige manuelle Rumgefuchtel der Wollmützenträger und die Puppen mit den Wackelpötern, die [...]
....ich finde diesen Räpp(Rep??)-Hip-Hop-Kram einfach nur öde, langweilig und absolut UNmusikalisch.Und dazu noch dieses ewige manuelle Rumgefuchtel der Wollmützenträger und die Puppen mit den Wackelpötern, die Goldketten,.....,mein Gott, so was von ätzend.........!!
Der Jay-Z redet doch nur so wie sich der Wind gerade weht. Von wegen niemals MTV in sein Haus lassen, aber bei seiner Frau(Verlobten) Beyoncé waren die ja schon mal. Und von wegen, als Plattenproduzent, würde er die [...]
Der Jay-Z redet doch nur so wie sich der Wind gerade weht. Von wegen niemals MTV in sein Haus lassen, aber bei seiner Frau(Verlobten) Beyoncé waren die ja schon mal. Und von wegen, als Plattenproduzent, würde er die Hintergrundstory des jungen Jay-Z verstehen wollen, der hätte sich doch selbst mit seiner Kriegermentalität gezwungen sich für die HipHop-Branche zu prostituieren. Gut für ihn dass er viel Geld hat und ein Näschen für Geschäfte hat, aber bitte da soll er auch bleiben. Kompetenz und Integrität sind kaum vorhanden.
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Zur Person
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Jay-Z ist einer der größten amerikanischen HipHop-Stars. Er wurde 1969 als Shawn Corey Carter im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren und wuchs in den herunter gekommenen Marcy Projects auf. Zu seinen Schulfreunden zählten die beiden späteren Rap-Stars Busta Rhymes und The Notorious B.I.G. Zuerst verdiente Jay-Z sein Geld als Dealer, 1996 dann erschien sein Debüt "Reasonable Doubt" - die Platte wurde ein Erfolg. Vollends zum Star wurde Jay-Z 1998 mit "Hard Knock Life". Es folgten weitere erfolgreiche Alben, darunter "Reasonable Doubt", "The Black Album" und das vom gleichnamigen Film inspirierte "American Gangster". Im September 2009 erschien seine neue Platte "The Blueprint 3". Seit April 2008 ist Jay-Z mit der Soulsängerin Beyoncé Knowles verheiratet.






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