Rap-Megastar Jay-Z "Geld ist ein Persönlichkeitsverstärker"

HipHop-Superstar, Plattenproduzent, Top-Unternehmer: Jay-Z gehört zu den Giganten im Popgeschäft. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagt er, was Rapper mit Wallstreet-Bankern gemeinsam haben, und erklärt, warum eine Krieger-Mentalität lebensnotwendig ist.

Perou / Camera Press / Retna

SPIEGEL ONLINE: Sie haben als Rapper angefangen, heute haben Sie außerdem noch Anteile an einem Basketballteam, bestimmen den Kurs einer Kleidungsfirma, betreiben eine Kette von Bars. Was ist für Sie der Unterschied zwischen dem Schreiben eines Songs und der Herstellung eines Hemds?

Jay-Z: Es ist beides Teil der gleichen Kultur. In der Mode gelten die gleichen Gesetze wie in der Musik. Das Hemd muss genau wie der Song überzeugend eine Haltung vermitteln. Das ist gar nicht so einfach: die Käuferin, die die Kleiderstange entlang geht, muss das ja fühlen. Wenn sie das nicht tut, wird sie nicht wiederkommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie macht man das?

Jay-Z: Der Teufel steckt im Detail. Der einfachste Weg ist, seinen Namen draufzuschreiben: Hier mein Name, kauf es! Das lehne ich ab. In den ersten Jahren von Rocawear...

SPIEGEL ONLINE: ... der Klamottenfirma, die Sie begründet haben...

Jay-Z: ... bin ich nicht mal in den Anzeigen aufgetaucht. Ich wollte, dass die Sachen gekauft werden, weil es gute Produkte sind, nicht weil ich im Bild bin. Mittlerweile schreiben wir oft nicht mal mehr den Namen auf die Hemden. Das Produkt soll für sich selbst sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Für Ihr neues Album "The Blueprint 3" haben Sie eine neue Version von "Forever Young" aufgenommen. "The Blueprint 3" ist Ihr 17. Album. Kann man mit HipHop älter werden?

Jay-Z: HipHop ist im ganzen noch ziemlich jung. Es gibt keine Vorbilder, wie man im HipHop älter werden kann. Es gibt schlicht niemanden, der lange genug wichtig geblieben ist und der vormachen könnte, wie es geht. Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe von Künstlern, die einmal bedeutend waren und noch dabei sind, neue Platten herauszubringen. Aber die spielen nicht mehr in der ersten Reihe. HipHop ist immer noch ein Sport für junge Männer. Wenn wir wollen, dass das Genre wächst, müssen wir es allerdings thematisch wachsen lassen. Viele Leute, die HipHop lieben, haben diese Musik irgendwann satt, weil sie ihnen nichts mehr zu erzählen hat.

SPIEGEL ONLINE: In den letzten 20 Jahren hat HipHop im Wesentlichen von Reichtum gehandelt und davon, diesen zu zeigen. Wird die Finanzkrise Folgen für HipHop haben?

Jay-Z: Zuerst mal: Nicht der ganze HipHop handelte von Reichtum. Es gab immer schon Künstler, die sich mit anderen Themen beschäftigt haben. Backpacker-HipHop nannte sich das in den vergangenen Jahren. Außerdem: HipHop und die Wall Street zu vergleichen, führt ins Leere. An der Wall Street sind Leute reich geworden, die schon etwas hatten. Die meisten Rapper kommen aus dem ökonomischen Nichts. Wenn ein Rapper also ein bisschen was bekommt, ist das wenig im Vergleich zu den Summen, die an der Börse gemacht werden. Nur wenige HipHop-Künstler haben es wirklich in die Liga der Superreichen geschafft. Die meisten Rapper sind unterbezahlte Angestellte.

SPIEGEL ONLINE: Sie müssen es wissen. Sie haben das Label Roc-A-Fella gegründet, Sie waren Chef von Def Jam, der renommiertesten HipHop-Plattenfirma, und betreiben nun Rocnation, ein neues Unternehmen.

Jay-Z: Ich kenne die Zahlen. Die Angeberei der meisten Rapper ist eher Behauptung, als dass sie durch harte Fakten gedeckt wäre.

SPIEGEL ONLINE: Frage an den Maybach-Fahrer: Kann man auch mit kleineren Autos angeben?

Jay-Z: Kleinere Autos? "I got a Prius/ I got a new rep/ I got a Hybrid", meinen Sie so was? Für den Underground mag das funktionieren. Aber ich sehe HipHop nicht als eine Musik, die von grünen Autos erzählt und vom Leben auf den Bäumen. So etwas kann höchstens eine Reaktion sein. Wenn zu viele Gangsta-Rapper von ihren dicken Karren erzählen, dann kann es erfrischend sein, wenn eine normaler Typ ankommt und sagt: Übrigens, ich fahr ein Hybrid-Auto.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eine ganze Reihe der aktuellen Superstars entdeckt, Rihanna, Ne-Yo, Kanye West. Wie finden Sie Künstler?

Jay-Z: Ich glaube an Stars. Man muss die Starqualität in Künstlern finden. Gute Stücke gibt es genug. Die sind nie das Problem. Den Star zu finden, ist viel schwieriger. Wenn man den hat, ist man aus dem Schneider.

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Forum - Jay-Z - die Zukunft des HipHop?
insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
sam clemens, 11.10.2009
1. Zum Gespräch:
Dass Jay-Z durchsetzungsfähig ist und warum, zeigt das Gespräch durchaus. Aber was soll dieser Quark von einer "Krieger-Mentalität"? "Alle sind gegen uns - wir schaffen es trotzdem" - was hat das mit Krieg zu tun? Und welchen Sinn hat die Parole in einem Land, dem die Fabriken und die Jobs verloren gegangen sind? Was soll man da schaffen? Den Arbeitslosen für ein paar Songs die letzte Kohle aus der Tasche ziehen? HipHop ist von gestern.
Knighter 11.10.2009
2. Blödsinn
Ich fand Jay-Z schon immer schlecht und unhörbar. Dieses Interview ist ein weiterer Beweis für die Inhaltslosigkeit von ihm, seinem Rap und der ganzen Proletenmusik an sich (von wenigen Ausnahmen mal abgesehen - "The Message" bspw.). Man soll es einfach mal einsehen: HipHop/Rap hat keinerlei Aussage, bezieht keine Position und will in Wirklichkeit nur sagen: "Ey, ihr Vollidioten, hier ist ein weiterer wischi-waschi-Track, nennen wir ihn einfach "Umbrella" oder so, bildet euch ein, daß er eine Aussage hat, gebt mir euer sauerverdientes Geld und verzieht euch!"
TotalRecall 11.10.2009
3.
HipHop ist zu einer Trivialmusik mit viel Klamauk verkommen, die es der pubertierenden, weissen Mittelschicht erlaubt, sich - gegen ein gewisses Entgelt - für 5 Minuten wie ein harter Gangster oder Zuhälter zu fühlen. Ja, HipHop hat bestimmt noch ungeahntes Potential...gähn. Jay-Z soll mit seinem Pop-Klamauk (siehe Rihanna & Co.) mal die Füsse still halten. Was HipHop/Rap angeht, wäre NAS sicherlich der kompetentere Ansprechpartner für ein Interview gewesen.
lemming51 11.10.2009
4. Äh ja........
....ich finde diesen Räpp(Rep??)-Hip-Hop-Kram einfach nur öde, langweilig und absolut UNmusikalisch.Und dazu noch dieses ewige manuelle Rumgefuchtel der Wollmützenträger und die Puppen mit den Wackelpötern, die Goldketten,.....,mein Gott, so was von ätzend.........!!
Karl-Heinz Knuffelpuff 11.10.2009
5. Opportunist
Der Jay-Z redet doch nur so wie sich der Wind gerade weht. Von wegen niemals MTV in sein Haus lassen, aber bei seiner Frau(Verlobten) Beyoncé waren die ja schon mal. Und von wegen, als Plattenproduzent, würde er die Hintergrundstory des jungen Jay-Z verstehen wollen, der hätte sich doch selbst mit seiner Kriegermentalität gezwungen sich für die HipHop-Branche zu prostituieren. Gut für ihn dass er viel Geld hat und ein Näschen für Geschäfte hat, aber bitte da soll er auch bleiben. Kompetenz und Integrität sind kaum vorhanden.
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