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18. Mai 2014, 09:00 Uhr

Tom-Waits-Songs von Rebekka Bakken im Vorab-Stream

Die Diva und der Poet

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Die Norwegerin mit der Drei-Oktaven-Stimme: Rebekka Bakken interpretiert Balladen von Tom Waits - zum ersten Mal lässt sich die Sängerin von einer Big Band begleiten. Hören Sie hier das neue Album vorab und in voller Länge!

Als Türsteher vor einem Nachtlokal im kalifornischen San José lauschte der junge Tom Waits den Gesprächsfetzen der Wartenden - und fand erste Anregungen für seine brüchigen Balladen über die Schattenexistenzen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Norwegerin Rebekka Bakken lernte das Leben der kleinen Leute kennen, als sie während ihres Gesangsstudiums in New York kellnerte. Seitdem sind Jahre vergangen. Bakken wird als Europas Singer/Songwriter-Diva mit der drei Oktaven-Stimme und der absoluten Intonationssicherheit gefeiert. Aber passen die beiden zusammen?

"Tom Waits ist so einzigartig", sagt die Sängerin, "ich wäre nie auf die Idee gekommen, seine Stücke zu interpretieren." Sehr wohl vorstellen konnte sich das Jörg Achim Keller. Deutschlands bester Big-Band-Arrangeur suchte aus Waits' Riesenrepertoire eine Anzahl von Songs, die er für geeignet hielt und einigte sich mit Bakken auf 16 Titel. Dann schrieb er für die Frankfurter hr-Big-Band Arrangements, die das Besondere von Waits' Musik widerspiegeln. Zum Beispiel erinnern Bariton- und Tenorsaxophon-Passagen an die kratzige Stimme des Komponisten. Vor allem aber ließ Keller für die Vokalistin reichlich Raum. "Ich war völlig frei", sagt Bakken, "auf die Musik und meine eigenen Assoziationen und Gefühle zu reagieren."

"Mädchen vom Lieferservice"

Die 43-Jährige ist glücklich über das Tom-Waits-Projekt. Sie hat gerade ihr erstes Kind bekommen ("Es war höchste Zeit") und freut sich auf Live-Konzerte mit dem 18-Mann-Orchester. Abgesehen von einem Auftritt als Teenager in Norwegen hat Bakken noch nie mit einer Big Band gearbeitet. Sie ist die interessanteste der nordischen Vokalistinnen, die seit den Neunzigerjahren die Jazz-affine Szene beleben. Bakken habe die "einzigartige Fähigkeit, in die unterschiedlichen Rollen zu schlüpfen, die ihre Lieder verlangen", fand schon Joachim Ernst Berendts "Jazzbuch". Es zitiert die junge Künstlerin mit dem Satz: "Sobald es einen Text gibt, geht es ganz um ihn. Wir (Sängerinnen) sind nur die Mädchen vom Lieferservice."

Aus dem Mädchen Rebekka ist eine glamouröse Diva geworden. Auf dem neuen Album fungiert die elegante Bakken irgendwie als Gegenfigur zum verwahrlosten Poeten der Underdogs. Aber natürlich spielt Waits mit seinem Image. "Viele Leute glauben, ich schlafe auf dem Billardtisch, stehe um drei Uhr mittags auf, schütte Whiskey in meine Cornflakes, habe keine Zähne im Mund und immer Laub im Haar", sagte Waits 2002. Und der Mann, der singt "I don't have a drinking problem, except when I can't get a drink", bekannte, dass er seit neun Jahren keinen Alkohol angerührt habe.

Im Booklet zum Album "Little Drop of Poison" sind die Worte der Waits-Songs nachzulesen. Ihnen sei anzumerken, schreibt der Schweizer Musikkritiker Peter Ruedi über Waits' bizarre Texte, "dass sie zwar notiert sind, dass sie aber in der Improvisation zustande kommen, wie Soli von, sagen wir, Lester Young". Bakkens Art, die Songs zu interpretieren, erinnert manchmal an Blues-Größen wie Bessie Smith, manchmal an die Brecht-Weill-Interpretin Lotte Lenya. Die Norwegerin hält nichts von Jazz-Standards und Skat-Gesang. Aber mit dem neuen Album nähert sie sich diesem Musikgenre. Und Tom Waits - das kann man annehmen - wird Bakkens Version seiner Songs mögen.


CD:
Rebekka Bakken & hr-Big-Band: Little Drop of Poison. Emarcy Records/Universal Music; 16,99 Euro. Erscheint am 23. Mai.

Konzerte:
Rebekka Bakken mit Eivind Aarset, Gitarre, und Jan Bang, Electronics:
23.5. Hamburg, Elbjazz Festival. Karten über Elbjazz.

Rebekka Bakken sings Tom Waits mit der hr-Big-Band:
19.7. Burg Hayn, Dreieich; 20.7. Nürnberg; 25.7. Rottenburg, und weitere Termine ab 5. November. Infos: Bremme Hohensee.

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