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Neues Madonna-Album "MDNA": Jetzt wird's aber Gaga, Lady!

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Vielleicht mal ohne Schminke? Oder die Poledance-Stange loslassen? Was soll man Madonna raten? Ihr neues Album "MDNA" zeigt jedenfalls: Der Pop-Königin gehen die Ideen aus. Wie sehr ihr Thron in Gefahr ist, schwant ihr wohl sogar selbst. Deshalb zickt sie ihre Erbin an.

Madonna, die zwölfte: Lasst mir meine Poledance-Stange! Fotos
Universal Music

Auf ihre alten Tage fängt die Queen das Bitchen an. Fast wie die echte, britische, der man neulich auf der Hochzeit ihres Enkels mit der hübschen Bürgerlichen einige bissige Kommentare nachsagte. Die beiden, die britische und die Pop-Queen, haben ja noch mehr gemeinsam: Solange eine Monarchin nicht abtritt, kann keiner den Thron übernehmen. Siehe: Prince Charles. Wie bei ihm war auch Britney Spears' Zeit gekommen und verronnen, und Gwen Stefani hat sich freiwillig in eine andere Richtung entwickelt.

Andererseits gibt sich die furchtlose Lady Gaga ja schon eine Weile Mühe, die Königin des Pop, Madonna Ciccone, geschiedene Mrs. Penn, geschiedene Mrs. Ritchie, sieben Grammys, 300 Millionen verkaufte Tonträger, erfolgreichste Künstlerin der Welt, zu beerben. Und das könnte jetzt doch sehr schnell gehen.

Das Wort "Bitch" fällt auf der neuen Madonna-Platte "MDNA", ihrer zwölften, sehr häufig. Einmal, in "I Don't Give A", gar im Satz "There's only one Queen and that's Madonna, Bitch", gesprochen von einer der Jugendinfusionen, die Madonna (oder einer ihrer Produzenten, unter anderem Martin Solveig, William Orbit und Benny Benassi) zum Mitsingen eingeladen hat: Nicki Minaj, 29, die ihre eigene Generation auf die Regentin einschwören soll.

Noch öfter allerdings fällt das Wort "Girl"."Girl Gone Wild" heißt das erste Stück, "Some Girls" das sechste, in einem Bonustrack bezeichnet sie sich als Birthday Girl. Doch wenn man überlegt, wofür beides steht, dann hätte man gern ein paar Girls durch ein paar Bitches ausgetauscht: Ja, wird diese Frau denn nie erwachsen? Fühlt sie sich wirklich immer noch wie mit 16? Und damit wie ihre Tochter? Kann mal jemand einen Therapeuten für Lourdes buchen? Oder ist das längst passiert?!

Wenn der Crosstrainer qualmt

Der Rest des Albums ist das gewohnte Madonna-Konglomerat aus Teenie-Inhalten: Dancefloor-Stories, "sins", "love", "beauty" und tanzbare Clubtunes im Deppentechnoformat. "MDNA" liefert sozusagen Remixe, bevor die Stücke da waren. Fitnessstudiomusik ohne Studio. Oder sogar mit: Bei einem Song wie "Superstar" mit seinem Refrain "Oooh la la you're my superstar" sieht man den Crosstrainer förmlich qualmen, und es wird einem klar, dass ein solches Werk genau dort drauf entstanden sein muss. Schließlich bleibt der Mensch ja nicht vom Yoga allein so dünn. Und von der Kabbala erst recht nicht.

Nun war Madonna noch nie für Textsubtilitäten bekannt, was nichts ausmacht, es geht um Pop. Aber muss man sie denn so deutlich verstehen? Und muss sie immer den ersten Gedanken aufschreiben? "If you were the Mona Lisa/ you'd be hanging in the Louvre/ ev'ryone would come to see you/ you'd be impossible to move" heißt es in dem Filmsong "Masterpiece" (ausgezeichnet mit einem Golden Globe 2012!). Mehr Nonsens wäre eindeutig schöner gewesen, etwa: "If you were a Gerhard Richter/ you'd be hanging in Berlin/ I would soon come on the Trichter/ that I have to go dorthin".

Oder einfach mal die Begleitmusik relevanter gestalten? Einen Siebenerakkord reinschmuggeln? Einen Beat mitnehmen, zu dem nicht auf der Eins und Drei gestampft wird? Und außerdem: Wer hat die Mär vom "sich ständig neu erfinden" denn ursprünglich geprägt?! An ihren eigenen Maßstäben muss sich Madonna schon messen lassen, bei aller Grundsympathie für Frauen in Führungspositionen wie Oprah, Dagmar Reim, Ines Pohl.

Weg von der Poledance-Stange!

Sich für "MDNA" tatsächlich neu zu erfinden, wäre zudem viel weniger aufwendig gewesen, als das ganze Spiel mit dem exzessiven Yoga, dem Make-up und den retuschierten Bildern: Sie hätte sich ohne Schminke zeigen können. Hat noch keine Madonna vor ihr gemacht! Ungeschminkt! Völlig neu! Man muss ja nicht gleich Folk klampfen.

Wenn das andere Ende der Belangloser-Pop-Leiter eh mit Lady Gaga und ihren irren Küchenutensilienoutfits besetzt ist, wieso also nicht äußerlich mal etwas wagen? Oder in den von Megaforce produzierten Clip zu "Give Me All Your Luvin'" statt Cheerleaderthematik ein bisschen John Waters reinbringen?

Doch Madonna traut sich seit Jahren nichts mehr, weil sie fürchtet: Lasse ich einmal auch nur kurz die Poledance-Stange los, lässt mich keiner mehr ran. Und wahrscheinlich stimmt das sogar. Auf "MDNA" jedenfalls gibt sie vor allem das biegsame Disco-Funkenmariechen, dazu ein kleines bisschen (in "Ray of Light"-artigen Songs wie "I'm a Sinner" und "Falling Free") die Eso-Hexe. Und oft und gern jene merkwürdig unpassende "bitch", die zum Beispiel einem "Beautiful Killer" verfällt, der ihr in Oralsex-Symbolismus die Pistole in den Mund schiebt.

Die besagte Figur singt in dem musikalisch interessantesten Stück "Gang Bang" übrigens davon, ihrem Liebhaber in den Kopf zu schießen. Dazu gibt's von M.I.A. weggesampelte Pistolenmagazingeräusche und den Spruch "If you gonna act like a bitch, you're gonna die like a bitch". Das hat die Übermutter garantiert in irgendeinem Gangsta-Rap-Video erlauscht. Oder bei Bushido.

Seien wir also ehrlich: Es ist Zeit für Lady Gaga, definitiv. Die wurde von Madonna ja neulich schon angezickt, weil sie die Akkorde von "Born this Way" von Madonnas "Express Yourself" gestohlen hat. Böse Gaga. Nicht, dass man sie eines Tages mit einer Kugel in der Perücke inmitten ihres Fleischkostüms findet. Und an der Wand prangt in Blutrot: "There's only one Queen, and that's Madonna, bitch!"

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Zicken-Alarm!
Stelzi 19.03.2012
Ganz schön gehässiger Zicken-Artikel! Da mag wohl eine die Madonna nicht.
2. zu subjektiv
tauschspiegel 19.03.2012
Zitat von sysopUniversal MusicVielleicht mal ohne Schminke? Oder die Poledance-Stange loslassen? Was soll man Madonna raten? Ihr neues Album "MDNA" zeigt jedenfalls: Der Pop-Königin gehen die Ideen aus. Wie sehr ihr Thron in Gefahr ist, schwant ihr wohl sogar selbst. Deshalb zickt sie ihre Erbin an. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,822136,00.html
*** übrigens nur mal so fürs protokoll: gaga hat nicht nur die akkorde, sondern auch die chorus melodie inkl. rhythmik kopiert. das war der grund des "zickens" bzw. ist es "zickig", wenn man das kritisiert? wenn ich bedenke, wie geradezu euphorisch hier das langweilige gagawerk behandelt wurde, kommt mir die gesamte "musikkritik" ziemlich beliebig vor.
3. Bestimmt
Stelzi 19.03.2012
Bestimmt eine Million mal mehr Leute als deine Meinung dazu.
4. Verstehe
Arno Nühm 19.03.2012
Deshalb ist "Born this Way" wohl der einzige Lady-Gaga-Song, der sich gut anhört...
5. Ist doch schön
alocasia 19.03.2012
wenn sie noch Musik macht. Klar kommt belangloses Zeugs raus sieht man ja bei den meisten Altstars. Seien es die Stones, Neil Young, Springsteen usw. Die Leute werden alt und konservativ da macht man eben das bekannte. Aber solange es den Leuten gefällt ist es doch OK. Es ist Pop Musik. 1-2 Monate im Radio und dann wieder vergessen.
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