Robbie Williams "Meine Karriere basiert auf drei Bewegungen"

Am 21. Oktober erscheint "Intensive Care", das neue Album von Robbie Williams. Zurzeit ist Englands größter Frauenschwarm auf Promo-Tournee durch Europa. In Berlin plauderte der Sänger aus dem Nähkästchen - und verriet, was er mit Mick Jagger und Freddie Mercury gemeinsam hat.


Berlin - Robbie Williams war charmant, schlagfertig und lustig. Das ist man von dem 31-jährigen britischen Popstar gewohnt. Aber es gab auf der groß inszenierten Pressekonferenz zur Präsentation seines neuen Albums "Intensive Care" am Freitag in einem Hangar des Flughafens Berlin-Tempelhof auch ein paar interessante Neuigkeiten.

Die erste: Der leger mit Jeans, grauer Weste und gestreiftem Hemd gekleidete Frauenschwarm ist trotz seiner angeblichen Freundin in Los Angeles offen für Frauengeschichten. Eine Journalistin lud er zu sich ins Hotelzimmer ein, um ihr dann Details aus seinem Privatleben mitzuteilen, eine andere zum Abendessen. Eine hübsche Hostess, die eine Tasse Kaffee an seinen Stehtisch brachte, fragte er mit kokettem Augenaufschlag nach ihrem Namen. Und auch die anderen Journalistinnen, die Fragen stellten, wurden äußerst galant behandelt. Allerdings: Details zu der angeblichen Freundin in den USA verrät er nicht: "Das geht euch nichts an", sagte er den Journalisten und zündete sich geheimnisvoll lächelnd eine Zigarette an.

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Robbie Williams: Ungewohnt brav

Zweitens: Eine Karriere als Schauspieler schloss Williams definitiv aus. "Ich bin nicht an der Schauspielerei interessiert." Das könne er auf jeden Fall ausschließen, auch wenn er nicht wisse, wie sein Leben in 20 Jahren aussehen werde. "Ich kann nicht mal für den nächsten Tag planen."

Drittens: Die Basis seines Erfolgs sieht Williams in der Nachahmung dreier Rockikonen der Vergangenheit, wie er augenzwinkernd erklärte. Freddie Mercury, Tina Turner und Mick Jagger hätten ihn inspiriert, sagte er, stand von seinem weißen Barhocker auf und imitierte die Größen nacheinander in ihren typischen Posen: "Meine ganze Karriere basiert auf diesen drei Bewegungen."

Die vierte überraschende Nachricht: Williams erwartet, dass England im kommenden Jahr Fußball-Weltmeister in Deutschland wird. "Wir haben die besten Chancen seit 50 Jahren, den Titel zu gewinnen", sagte er. England habe viele sehr gute Spieler, unter anderem David Beckham.

Und fünftens: Auf dem US-Markt bislang deutlich weniger erfolgreich zu sein als auf dem europäischen, bedauert er nicht. "Das ist nicht wichtig für mich", erklärte er. In den vergangenen zehn Jahren habe er für seine Alben gerade einmal zwei Monate in den USA geworben. "In dieser kurzen Zeit kann man den Markt nicht erobern." Er habe bislang keine Lust gehabt, allen Leuten dort die Hände zu schütteln und die Radiostationen zu besuchen.

Natürlich ging es in der Pressekonferenz auch um die Präsentation des neuen Albums "Intensive Care", das am 21. Oktober in den Handel kommt. Schon drei Stunden vor seinem Auftritt hatten die 250 Journalisten, die unter anderem aus Mexiko, Taiwan, Australien und Island anreisten, die Chance, auf Handy-Walkmen die zwölf neuen Songs anzuhören. Es ist ein größtenteils melancholisches Werk geworden, traurig erzählt Williams von Verflossenen, die er an Bushaltestellen wiedertrifft oder vom Tod eines nahen Familienangehörigen.

Und es seine Hommage an die achtziger Jahre, erzählte Williams. "Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, bricht mein Herz, weil ich mit ihr so verbunden bin." Mit seinen Songs solle es in 15 oder 20 Jahren ähnlich sein: Wenn jemand sie anhöre, solle er ebenfalls in nostalgischem Herzschmerz schmachten.

Holger Mehlig, AP



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