Rod Stewart als Santa Claus: "Der Sack war zu schwer!"

Vorhänge zu, Christbaum ins Studio, dann schneit's auch bei 40 Grad Hitze! Sein neues Weihnachtsalbum nahm Rod Stewart mitten im Hochsommer auf. Im Interview erklärt der Sänger, wie man sich als Weihnachtsmann richtig zum Deppen macht, und schwärmt von seiner großen Liebe - zur Modelleisenbahn.

DPA

SPIEGEL ONLINE: Herr Stewart, Sie leben in Beverly Hills. Da schneit's doch gar nicht zu Weihnachten.

Rod Stewart: Das Tolle an den USA ist doch, dass man alles kaufen kann. Glauben Sie mir, Kunstschnee sieht umwerfend aus! Wenn Sie aus dem Wohnzimmer auf einen künstlich eingeschneiten Garten blicken, erkennen Sie keinen Unterschied. Aber zu Weihnachten bin ich ja ohnehin nie in Kalifornien. Die Feiertage verbringe ich jedes Jahr in England, wo ich auch ein hübsches Haus habe - und sehr viel Verwandtschaft. Da kommen meine Brüder und Schwestern und die ganze Sippe meiner Frau.

SPIEGEL ONLINE: Zeigen Sie Ihren Kindern während der Feiertage die schummrigen Londoner Pubs, in denen Ihre Karriere begann?

Stewart: Logisch. Viele der alten Läden stehen noch und haben sich gar nicht so grundlegend verändert - der Marquee Club in London, aber auch Pubs wie der Duke Of York sind noch da. Wenn wir vorbeifahren, sage ich: "Kinder, schaut genau hin, in diesen Löchern hat Daddy seine Jugend verbracht."

SPIEGEL ONLINE: Verkleiden Sie sich an Heiligabend als Weihnachtsmann?

Stewart: Das habe ich letztes Jahr zum ersten Mal gemacht. Meine Frau hatte das Kostüm gekauft, ich schlüpfte hinein und kam dann Heiligabend in der Dämmerung aus dem Unterholz des Gartens hervor. Die Kinder flippten aus. Aber der Sack mit den Geschenken war so schwer, dass ich ausrutschte und mich voll hinlegte. Dieses Jahr werde ich das lassen und einen Profi engagieren.

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Rod Stewart: Besinnlichkeit bei 40 Grad
SPIEGEL ONLINE: Mögen Sie eigentlich Weihnachten?

Stewart: Geht so. Eher nicht. Feste, bei denen erwartet wird, dass man auf Knopfdruck fröhlich ist, sind mir suspekt. Weihnachten ist vor allem ein Fest für Kinder, und wenn die gute Laune haben, ist es schon in Ordnung,

SPIEGEL ONLINE: Und wie steht's mit Weihnachtssongs?

Stewart: Ich mag natürlich die Klassiker: Bing Crosby, Dean Martin, Frank Sinatra und so weiter. Als ich ein Kind war, liefen die bei uns daheim. Nun habe ich ein paar davon selber aufgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Nach welchen Kriterien haben Sie denn die Songs Ihres neuen Albums "Merry Christmas, Baby" ausgewählt?

Stewart: Ich habe überhaupt nichts ausgewählt. Das habe ich Profis überlassen. Im Studio habe ich einfach das gesungen, was mir vorgelegt wurde.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte? Warum haben Sie die Platte dann überhaupt gemacht?

Stewart: Erstens, weil ich in einem Alter und an einem Punkt in meiner Karriere bin, wo das irgendwie zum Lebenslauf gehört. Zweitens habe ich kleine Kinder, die das toll finden. Und drittens hoffe ich natürlich, dass sich das Ding supergut verkauft. Weihnachten finden doch eigentlich alle toll, oder?

SPIEGEL ONLINE: Sicher. Sie haben das Album ja im Hochsommer in Los Angeles aufgenommen. War das merkwürdig?

Stewart: Das war schon sehr, sehr bizarr. Ich lebe seit langer Zeit in Kalifornien, da beeindruckt mich das Wetter eigentlich nicht mehr. Wir haben trotzdem die Vorhänge zugezogen, das Studio mit Weihnachtsbäumen vollgestellt und dann losgelegt: Draußen waren über 40 Grad und ich sang "Santa Claus Is Coming To Town". Letztlich ist es halt ein Job, und wir haben ihn erledigt. Gerührt war ich nur, als ich das Duett mit der verstorbenen Ella Fitzgerald sang. Da stieg sogar mir eine Träne in die Augen.

SPIEGEL ONLINE: Legen Sie an Heiligabend dann auch Ihre eigene Weihnachtsplatte auf?

Stewart: Logisch. Am Nachmittag, vor der Bescherung. Meine beiden Jüngsten werden das toll finden. Hört gut hin: Damit verdient Daddy sein Geld!

SPIEGEL ONLINE: Welches war das beste Weihnachtsgeschenk, an das Sie sich erinnern können?

Stewart: Ein halbes Dutzend Zinnsoldaten. Alles Offiziere. Da war ich vier oder fünf. Irre, dass ich mich daran noch erinnern kann.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie zu Weihnachten mal bitter enttäuscht waren, weil Sie statt der gewünschten Modelleisenbahn eine Gitarre bekamen?

Rod Stew - "Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!"
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Stewart: Ja, das war typisch für meinen Vater. Ich war vierzehn, kurz davor, die Schule zu verlassen und vernarrt in Modelleisenbahnen, was mein Vater wusste. Ich habe bis heute keinen Schimmer, was ihn dazu trieb, mir diese Gitarre zu schenken. Vermutlich fand er sie auf der Straße oder so. Eigentlich sollte man sich über jedes Geschenk freuen, aber ich war trotzdem unglücklich. Andererseits wäre ich ohne diese Gitarre wohl kaum Musiker geworden. Eigentlich war ich viel zu schüchtern, mir erschien es unvorstellbar, dass ich vor Publikum singe. Es war für mich bereits ein Alptraum, im Musikunterricht vor der versammelten Klasse auftreten zu müssen. Aber ich hatte einen unbarmherzigen Lehrer, der kein Pardon kannte und mich zwang: "Sing, Stewart, sing!"

SPIEGEL ONLINE: Sie gehören längst zu den wohlhabendsten Musikern der Branche. Wie schwer ist es, Ihnen etwas zu schenken?

Stewart: Das ist ein Klischee! Es ist gar nicht mal so schwierig, mir eine Freude zu machen. Meinen Kindern habe ich gerade gesagt, dass ich noch jede Menge kleiner Pinsel gebrauchen kann. Davon verbrauche ich unglaubliche Mengen, wenn ich an meiner Modelleisenbahnanlage arbeite, und das tue ich in jeder freien Minute. Glauben Sie mir, hochwertige Pinsel sind verdammt teuer.

SPIEGEL ONLINE: Dürfen Ihre Kinder auch mit der Eisenbahn spielen?

Stewart: Ab und zu nehme ich meinen eineinhalbjährigen Sohn mit rauf zur Anlage. Aber ansonsten ist das alles schön unter Verschluss, mit vielen Schlössern abgesichert. Ohne mich kommt da keiner rein. Das ist mein Reich. Da haben nur sehr wenige Menschen Zutritt, über die Jahre haben höchstens fünfzehn Leute einen Blick darauf geworfen, und meinen großen Kindern ist das sowieso egal. Die kennen meinen Tick, die sind damit ja aufgewachsen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich mal mit Neil Young ausgetauscht, der ja auch ein bekennender Modelleisenbahn-Fan ist?

Stewart: Nein, Neil Young steht auf ganz andere Modelle. Unsere Systeme kann man nicht vergleichen. Er sammelt Lionel-Züge, bei denen ist viel mehr vorgefertigt. Bei Young geht es eher ums Schienenzusammenstecken, ich hingegen baue alles von Grund auf selber. Aber Young ist so sehr bei der Sache, dass er sogar Anteile an der Firma Lionel kaufte und selber Bedienungselemente entwarf, die es seinem autistischen Sohn ermöglichen, damit zu spielen. Sehr eindrucksvoll.

SPIEGEL ONLINE: Wird Ihre Eisenbahnanlage eigentlich jemals fertig?

Stewart: Machen Sie Witze? Modelleisenbahnen sind eine Lebensaufgabe! Da ist immer etwas zu tun. So lange ich lebe, wird diese Anlage nicht fertig. Aber darum geht es ja auch nicht. Das Ziel ist nicht, fertig zu werden, sondern der beständige Spaß am Ausbauen. Dafür eignen sich Feiertage übrigens ganz hervorragend.

Das Interview führte Christoph Dallach

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1. optional
Xangod 21.12.2012
Ja, Rod ist ein echter Modellbahner und Nietenzähler, Young nur ein Blechspielzeugbahner. Seine fantastische Anlage ist wirklich genial (wurde mal im Model Railroder ausführlich vorgestellt), ganz große Kunst, viel besser als seine Musik. Wenn er das wirklich alles selbst gebaut hat, den allergrößten Respekt. Auffällig - gilt die Modellbahnerei bei uns als superuncool, sind viele angloamerikanische Rockstars Modellbahn, auch z. Bsp. Phil Collins und Roger Daltry. Bei uns gibt es da nur Peter Alexander.
2. Berufswahl
yast2000 21.12.2012
Wieso uncool: Horst Seehofer hat wohl auch eine Modelleisenbahn im Keller, aber der singt ja leider nicht. Ein Jammer im Grunde...
3. Der gute alte Rod
to5824bo 21.12.2012
Zitat von sysopVorhänge zu, Christbaum ins Studio, dann schneit's auch bei 40 Grad Hitze! Sein neues Weihnachtsalbum nahm Rod Stewart mitten im Hochsommer auf. Im Interview erklärt der Sänger, wie man sich als Weihnachtsmann richtig zum Deppen macht und schwärmt von seiner großen Liebe - zur Modelleisenbahn. Rod Stewart: Interview zur Weihnachts-CD "Merry Christmas Baby" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/musik/rod-stewart-interview-zur-weihnachts-cd-merry-christmas-baby-a-873929.html)
Ach, der gute alte Rod. Seit ich 1973 zum ersten Mal auf einer Tanzfläche aufschlug und mich bei "Maggie May" prompt verknallt habe, ist er mir unvergesslich. Erst recht, seit mein Beifahrer ein paar Jahre beim Überqueren der holländischen Grenze den Zöllner ansang "If ya like my body and ya think I'm sexy" und wir darauf hin gnadenlos auf allerlei Drogen gefilzt wurden. Rod ist in der Musikszene ein Typ wie kaum ein anderer.
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ZUR PERSON
  • Corbis
    Erfolgreich als Popmusiker ist Rod Stewart, Jahrgang 1945, seit 1969: Dem Jahr, in dem er als Nachfolger des Sängers Steve Marriott bei den Small Faces anfing. 1971 hatte Stewart mit "Maggie May" den ersten Solohit. 1975 markierte das Album "Atlantic Crossing" einen kommerziellen Höhepunkt in seiner Karriere - inklusive des Engtanzfeten-Evergreens "Sailing". In den Achtzigern und Neunzigern folgten Hits wie "Baby Jane" und "All For Love" (mit Bryan Adams und Sting). 2012 veröffentlichte Stewart das Weihnachtsalbum "Merry Christmas, Baby". Nach der Trennung von Rachel Hunter, einem bekannten Model, ist Rod Stewart seit 2007 in dritter Ehe mit Penny Lancaster verheiratet. 2011 wurde der Sohn Aiden geboren, das achte Kind Stewarts.