S-Fehler Punkrockern droht Haft wegen Band-Logo

Auch wenn sie sich öffentlich gegen Faschismus und Rassismus ausgesprochen haben: Die Mitglieder der Punk-Band "SS-Kaliert" müssen nach SPIEGEL-Informationen vielleicht hinter Gitter. Ihr Logo zitiere die Runen der Waffen-SS, befand die Staatsanwaltschaft.


Politische Desorientierung, ein billiger PR-Gag, die überbordende Lust an der Provokation - was auch immer die Mitglieder der Punkrock-Band "SS-Kaliert" getrieben hat: Nun drohen ihnen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe wegen der Verbreitung und Verwendung von Kennzeichen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg wirft den fünf Musikern und einer für den Vertrieb von Fan-Artikeln zuständigen Geschäftsführerin laut Anklageschrift vor, im Logo der Band das "doppelte S in Form von SS-Runen der Waffen-SS" zu führen. Es sei auf den CDs sowie den Devotionalien wie Jacken, T-Shirts und Postern abgedruckt und erscheine beim Internet-Auftritt der Band.

Die Musiker beabsichtigten damit, "dass der Beobachter an die SS-Runen der Waffen-SS erinnert wird", auch wenn die Darstellung "ohne einen politischen Hintergrund und Bezug zum Dritten Reich erfolgt", so die Anklage.

Bandleader und Gitarrist Benni Whithley weist die Vorwürfe als "völligen Schwachsinn" zurück. Die Band habe für die Abkürzung ihres Namens "Es eskaliert" bloß eine gängige Schrift aus dem Internet verwendet und mit "künstlerischer Freiheit" gestaltet.

Unbestritten ist, dass sich Band-Mitglieder öffentlich gegen Faschismus und Rassismus ausgesprochen haben, bei Antifa-Konzerten auftreten und die "Good-Night-White-Pride"-Bewegung gegen Neonazis in der Hardcore-Musikszene unterstützen.



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