Sänger Falco Amadeus des Pop

Morgen würde Falco 50 Jahre alt - wenn er nicht 1998 bei einem Autounfall gestorben wäre. Der österreichische Musiker war eine Symbolfigur der Achtziger - und einer der letzten Dandys des Popgeschäfts.


Frankfurt/Main - Die Eltern hätten ihn gern als Rechtsanwalt gesehen. Doch Johann Hölzel kümmerte sich zeitlebens wenig darum, was andere von ihm wollten oder über ihn dachten. Mit 16 Jahren schmiss er das Gymnasium, eine Lehre bei der Pensionsversicherungsanstalt für Angestellte brach er ebenfalls ab. Stattdessen zog es ihn in die Wiener Musikszene.

Unter dem Künstlernamen Falco wurde er einer der erfolgreichsten österreichischen Musiker aller Zeiten. Am Montag wäre er 50 Jahre alt geworden - wenn nicht 1998 ein Autounfall sein Leben tragisch beendet hätte.

Zu Lebzeiten war er bereits eine Legende, nach seinem bis heute mit Rätseln behafteten Tod wurde er zum Mythos, heißt es in einer gerade neu aufgelegten Falco-Biografie. Anlässlich des runden Falco-Geburtstags erschien gerade die Doppel-CD "Hoch wie nie" mit den größten Hits. Eine gleichnamige DVD enthält darüber hinaus eine ausführliche Dokumentation mit vielen Interviewpassagen des Künstlers sowie Aussagen von Kollegen, Freunden und Angehörigen.

1982 wurde der damals 25-jährige Falco über Nacht mit "Der Kommissar" weltberühmt. Der Song war einer der ersten deutschsprachigen Rap-Songs überhaupt und schaffte es zugleich als erster Titel mit deutschem Text in die amerikanischen Hitlisten. Insgesamt 6,5 Millionen Exemplare der Single wurden verkauft. Auch das Debütalbum "Einzelhaft" war leidlich erfolgreich, dagegen floppte der nachfolgende Langspieler "Junge Römer".

Den entscheidenden Schritt für Falcos Weltruhm brachte die Begegnung mit den holländischen Produzenten-Brüdern Rob und Ferdie Bolland. Sie schrieben ihm 1985 mit "Rock me Amadeus" einen Titel auf den Leib, der im Sog der Mozart-Welle erneut zu einem Welthit wurde. Erstmals gelang es einem deutschsprachigen Sänger, für drei Wochen den ersten Platz der amerikanischen Billboard-Charts zu belegen.

Viel Ärger und Erfolg mit "Jeanny"

Das neue Album "Falco III" wurde ebenfalls begeistert aufgenommen, enthielt es doch noch weitere Hits wie "Vienna Calling" oder "Jeanny", wobei letztgenannter Song auch für negative Schlagzeilen sorgte. Viele Rundfunk- und Fernsehanstalten verweigerten die Ausstrahlung des Liedes, weil darin ein Sexualmord angedeutet wird. Trotzdem - oder vielleicht auch gerade deswegen - wurden mehr als 2,5 Millionen Singles verkauft.

Auch das Album "Emotional" schaffte es noch auf Platz eins der deutschen Hitparade, doch danach waren die Zeiten des Erfolgs für Falco vorbei.

Auch sein Privatleben verlief alles andere als glücklich. Im Frühjahr 1989 trennte sich Falco von seiner Frau Isabella Vitkovic, der vermeintlich gemeinsamen Tochter Katharina-Bianca hatte er noch 1986 das Album "Emotional" gewidmet. 1993 erfuhr er dann aber durch einen Vaterschaftstest, dass er nicht Katharinas Vater war.

1996 zog sich Falco in die Dominikanische Republik zurück, wo er sich ein Tonstudio einrichtete. Er arbeitete an seinem Comeback und soll dabei zuletzt auch sehr zuversichtlich gewesen sein. Doch am Nachmittag des 6. Februar 1998 kam Falco bei einem Autounfall in der Nähe der Stadt Montellano ums Leben. In seinem Blut wurden angeblich hohe Mengen von Kokain, Marihuana und Alkohol nachgewiesen.

Rund ein Jahr nach seinem Tod erschien das Album "Out of the Dark" und wurde zum Riesenerfolg. Das Album wurde allein in Deutschland und Österreich zwei Millionen Mal verkauft, die gleichnamige Single über 3,5 Millionen Mal. Den Text soll Falco schon Jahre vorher geschrieben haben, doch angesichts des tödlichen Unfalls bekamen die Worte eine andere Dimension: "Out of the dark / Hörst du die Stimme, die mir sagt / Into the light / I give up and close my eyes / Out of the dark / Kein Weg zurück / Das weiße Licht kommt näher / Stück für Stück / Will mich ergeben / Muss ich denn sterben, um zu leben."

Stephan Köhnlein, AP



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