Mexikos Weltstar Sängerin Chavela Vargas ist tot

Sie sang mit gebrochener Stimme von Liebe und Verlust, kokettierte mit ihrem Hang zum Tequila und hatte mit über achtzig ihr Coming-out: Chavela Vargas war eine Revolutionärin der mexikanischen Musik und stand bis zuletzt auf der Bühne. Am Sonntag ist "La Llorona" im Alter von 93 Jahren gestorben.

Die Sängerin Chavela Vargas ist am Sonntag mit 93 Jahren gestorben.
Enrique Perez Huerta/ Demotix

Die Sängerin Chavela Vargas ist am Sonntag mit 93 Jahren gestorben.


"Hier endet meine Geschichte, die aus dem Nichts begann", hieß es in einer wenige Minuten nach Vargas' Tod auf ihrem Twitter-Konto verbreiteten Mitteilung. Ihre Biografin Maria Cortina teilte mit, dass die Sängerin im Krankenhaus von Cuernavaca starb, wo sie wegen Herz- und Atemproblemen eingeliefert worden war.

Die als Isabel Vargas Lizano in Costa Rica geborene Musikerin kam als Jugendliche nach Mexiko. Ihre Karriere begann sie als Straßenmusikerin in Mexiko-Stadt, wo sie vom Komponisten José Alfredo Jiménez entdeckt wurde. Als Sängerin wurde sie in der gesamten spanischsprachigen Welt berühmt. Zu ihren größten Erfolgen gehören "De un mundo raro", "Paloma Negra", "La Macorina" und vor allem die Ballade "La Llorona" ("Die Heulsuse"), die zu ihrem Markenzeichen wurde.

Keine Bühne groß genug für Chavela

"Ich habe niemals Angst vor etwas gehabt, denn ich habe niemals jemanden verletzt", erklärte Vargas bei einem Konzert in Mexiko-Stadt im Jahre 2011. "Ich war immer eine betrunkene Alte." Tatsächlich war die Bauerntochter indianischer Abstammung eine Revolutionärin der mexikanischen Popularkultur: Sie kokettierte mit ihre Alkoholsucht, trat in Hosen auf, sang mit ihrer verrauchten Stimme bittere Lieder über Liebe und Verlust - und adressierte dabei Frauen wie Männer. Ihre Identität als lesbische Frau machte sie erst mit 81 Jahren öffentlich. "Was wehtat war nicht, homosexuell zu sein, sondern dass man mich dafür ächtete, als wäre es eine Plage", schrieb sie in ihrer Autobiografie.

Vargas nahm etwa 80 Alben auf und war in den Vierzigern und Fünfzigern mit zahlreichen Größen der mexikanischen Kulturszene wie Frida Kahlo und Diego Rivera befreundet. "Ich glaube, es gibt keine Bühne auf dieser Welt, die groß genug für Chavela wäre", schrieb der Filmemacher Pedro Almodóvar, der ihre Lieder immer wieder in seinen Filmen auftauchen ließ.

Seit ihrem Comeback Anfang der neunziger Jahre hatte die Sängerin mit der tiefen, gebrochenen Stimme sechs Alben eingesungen und war in mehreren Filmen aufgetreten - unter anderem in Werner Herzogs "Schrei aus Stein". Eine Woche vor ihrem Tod war Vargas von einer Werbereise aus Spanien zurückgekehrt. Dort hatte sie ihr letztes Album "La Luna Grande" Promotion gemacht, auf dem sie Gedichte von Federico Garcia Lorca vertont hat.

Ihr Arzt José Manuel Nunez erklärte am Sonntag, Chavela Vargas habe Atemgeräte und andere lebensverlängernde Mittel zurückgewiesen: "Sie wollte eines natürlichen Todes sterben."

twi/AP/AFP

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