Neues Album von Saint Etienne: Die Super-Fans

Von Christoph Dallach

Sie hätten wirklich mehr Ruhm verdient: Die Briten Saint Etienne legen mit ihrem neuen Album "Words and Music by Saint Etienne" mal wieder ein wunderbar sanftes Werk voller Musik-Zitate vor, das beweist: Pop-Stars können auch leidenschaftliche Fans sein.

"Saint Etienne"-Sängerin Sarah Cracknell: Mit Wehmut veredeltZur Großansicht
Corbis

"Saint Etienne"-Sängerin Sarah Cracknell: Mit Wehmut veredelt

Es gibt viele Menschen, für die Musik nicht mehr ist als angenehme Hintergrund-Beschallung. Und es gibt Fans. Das sind Fröhlich-Besessene, für die Musik eine Art Lebenselixier ist, die das Kleingedruckte auf Schallplatten studieren, Bücher über die Entstehung ihrer Lieblingssongs lesen und sich vor dem Geburtshaus von John Lennon fotografieren lassen.

Zu letztgenannter Spezies gehört der Journalist und Musiker Bob Stanley. Pop lasse einen die verrücktesten Dinge tun, gab er gerade zu Protokoll und erzählte die Geschichte von dem Mitschüler, der einst zum Haus von Peter Gabriel pilgerte, sah, dass die Haustür offen stand, sich hineinwagte und tatsächlich den Hausherren im Garten stehen sah. Die spannende Frage, warum ansonsten vernünftige Menschen so einen Quatsch tun, kann auch Bob Stanley nicht beantworten. "Man tut es einfach", sagt er voller Sympathie und meint letztlich sich selbst damit.

Der 47-Jährige ist auch so ein Super-Fan mit einer gewaltigen Plattensammlung und enzyklopädischem Wissen über die von ihm verehrten Künstler, Plattenfirmen und Genres. Er betrieb selbst mal ein kleines Label, veröffentlichte Fanzines und startete eines Tages vor gut zwanzig Jahren mit seinem ähnlich fanatischen Kumpel Pete Wiggs und der Sängerin Sarah Cracknell die Band Saint Etienne - benannt nach dem französischen Fußball-Verein. Seitdem produziert das Trio unablässig wundersam schöne Pop-Songs, ohne dass es einem größeren Publikum aufgefallen wäre.

Meister des Zitierens

Nie landeten Saint Etienne einen Nummer-Eins-Hit, ja sogar die Top Ten der Charts knackten sie nie. Wie rätselhaft das eigentlich ist, belegt ihr erlesenes neues Album "Words and Music by Saint Etienne", das voll von Songs ist, die für Charts und Radios maßgeschneidert erscheinen. Denn mit ihrem nun auch bereits achten Werk erinnern die drei Briten an ihre Klasse, an ihr Talent für geschmeidige Melodien, die oft von sanft euphorischen Beats getragen werden und die in ihren schönsten Momenten eine gepflegte Wehmut veredelt. Weil Saint Etienne immer noch mindestens so sehr Fans wie Musiker sind, sind sie Meister des Zitierens. Ihr neues Album klingt deshalb auch nach Italo-House, französischen Chansons, Sixties Girl Groups und Brit-Pop, aber letztlich - und das ist die Kunst - haben Saint Etienne längst ihren eigenen Sound gefunden. Und das Album "Words and Music by Saint Etienne" ist vielleicht die schönste Platte dieses zögerlichen Sommers.

Aber vermutlich werden sich wieder nur dieselben "Eingeweihten" darüber freuen: Denn anstelle von Charterfolgen können Saint Etienne immerhin auf eine beständige Fan-Gemeinde vertrauen sowie auf eine Riege prominenter Verehrer - wie die Autoren Douglas Coupland, Julie Burchill oder Simon Reynolds. Außerdem hilft es beim Zahlen der Miete, dass ihre Songs regelmäßig in Kinofilmen (Almodóvar) und TV-Serien ("Grey's Anatomy") genutzt werden.

Vermutlich hat sich auch Bob Stanley längst damit abgefunden, dass Saint Etienne die Hitparaden der Welt wohl nicht mehr aufrollen werden. Trotzdem klang die Band lange nicht mehr so vergnügt und erfrischend wie auf diesem Album: "In einer Band zu sein, war immer mein Traum", sagt Bob Stanley. Das hört man.

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insgesamt 3 Beiträge
angst+money 15.06.2012
Ich weiß ja nicht, ob es nur mir so geht. Am Anfang fand ich Saint Etienne ganz gut, aber irgendwann hat mich Sarah Cracknells Stimme mit ihrem dauer-ironischen Tonfall nur noch genervt. Was dann auch den Genuss der Musik [...]
Ich weiß ja nicht, ob es nur mir so geht. Am Anfang fand ich Saint Etienne ganz gut, aber irgendwann hat mich Sarah Cracknells Stimme mit ihrem dauer-ironischen Tonfall nur noch genervt. Was dann auch den Genuss der Musik verhindert hat. Briten halt - immer cool und uncool gleichzeitig. Wie die Amerikaner (und der Rest), nur andersrum.
laberhannes 15.06.2012
Saint Etienne?! Da war doch mal was! Ah ja, richtig: PvD! [Saint Etienne - How We Used To Live (Paul Van Dyk Remix)] Saint Etienne - How We Used To Live (Paul Van Dyk Remix) - YouTube [...]
Saint Etienne?! Da war doch mal was! Ah ja, richtig: PvD! [Saint Etienne - How We Used To Live (Paul Van Dyk Remix)] Saint Etienne - How We Used To Live (Paul Van Dyk Remix) - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=4Lop00uK0BE)
bdurruti 16.06.2012
Sarah Cracknell war nicht Gründungsmitglied von Saint Etienne, und in Großbritannien haben sie die Top Ten der Charts durchaus mal erreicht.
Sarah Cracknell war nicht Gründungsmitglied von Saint Etienne, und in Großbritannien haben sie die Top Ten der Charts durchaus mal erreicht.
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