Stooges-Gründungsmitglied Schlagzeuger Scott Asheton gestorben

Sein rohes Trommeln trieb die Punk-Pioniere The Stooges an: Mit seinem Bruder Ron und dem Sänger Iggy Pop hatte Scott Asheton die Band 1967 in Detroit gegründet. Seit 2003 traten die Stooges wieder auf. Nun ist der Schlagzeuger gestorben, er wurde 64 Jahre alt.

Corbis

"Scott war ein großer Künstler", schrieb Iggy Pop in einer Facebook-Nachricht, mit der er den Tod von Scott Asheton am Sonntagabend publik machte: "Ich habe niemanden erlebt, der Schlagzeug bedeutungsvoller als Scott Asheton gespielt hat." Asheton trommelte bei den Stooges, der Band, mit der Iggy Pop berühmt wurde.

An Halloween 1967 spielte die Gruppe ihr erstes Konzert, die Iggy Pop mit den Brüder Scott und Ron Asheton, sowie deren Kumpel Dave Alexander gegründet hatte. Mit explosiven Konzerten, bei denen Scott Asheton auf Ölfässer einhämmerte, machten sich die Stooges schnell einen Namen in Detroit, und nahmen mit dem Produzenten John Cale ein Debütalbum mit späteren Klassikern wie "1969" oder "I Wanna Be Your Dog" auf.

Zwei weitere Alben, "Fun House" und "Raw Power", verkauften sich, wie schon das Debüt, weniger gut als erhofft, doch sie begründeten den Ruf der Stooges als Proto-Punkband: Sowohl in London als auch in New York wurden Iggy Pop und seine Mitstreiter für die radikale Bühnenshow und die primitiven Rhythmen bewundert. Über Scott Ashetons Schlagzeugspiel schrieb der "Guardian" später: "Wäre sein Stil noch simpler, müsste er die Trommeln in die Hand nehmen und sich auf den Kopf schlagen." Mit Stolz trug er den Spitznamen "Rock Action".

1974 lösten sich die Stooges auf. Iggy Pop startete mit Unterstützung von David Bowie eine Solokarriere; für die Asheton-Brüder fingen hingegen schwierige Jahre an: Scott Asheton, der in Los Angeles gestrandet war, buchte dem Magazin "Mojo" zufolge ein einfaches Ticket heim nach Detroit, um vom Heroin loszukommen. Er jobbte als Maurer, Tischler und Gärtner, bevor er der Begleitband von Fred "Sonic" Smith beitrat, dem ehemaligen Gitarristen der befreundeten MC5. Schlimmer erging es Dave Alexander: Der Bassist starb 1975 an den Folgen seines Alkoholmissbrauchs.

2010 in die "Hall of Fame"

In Interviews sagte Iggy Pop mehrfach, die Asheton-Brüder seien "jugendliche Rumhänger und Kleinkriminelle" gewesen, als er sie kennenlernte, während er selbst offenbar nach Belieben zwischen der Bühnenfigur Iggy Pop und der solideren Existenz des Jim Osterberg hin- und herschalten konnte und kann. "Die Ashetons waren für mich immer wie eine zweite Familie und werden das auch immer sein", schrieb er nun.

Scott Asheton blieb als Schlagzeuger im Geschäft, tourte zum Beispiel mit der Punk-Legende Sonny Vincent durch Europa. Doch immer wieder rief Scott Asheton bei Iggy Pop an, der sich aber erst 2003 zu einer Wiedervereinigung der Band erweichen ließ. Mit Mike Watt von den Minutemen am Bass nahmen die Stooges das von der Kritik wohlwollend beurteilte Album "The Weirdness" auf und gaben zahlreiche Konzerte.

Am 6. Januar 2009 wurde Ron Asheton nach einem Herzinfarkt tot aufgefunden. Mit dem "Raw Power"-Gitarristen James Williamson machten die Stooges weiter, sie wurden 2010 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Doch ab dem Sommer 2011 musste auch Scott Asheton aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Auf Tour wurde er meist vom 20 Jahre jüngeren Toby Dammit ersetzt, Asheton spielte aber auf dem 2013 erschienenen Album "Ready to Die" mit.

Am Samstag ist Scott Asheton nun im Alter von 64 Jahren gestorben. "Er war wie mein Bruder", schrieb Iggy Pop. Seine Gedanken seien bei der Schwester, der Frau und der Tochter des Verstorbenen. Gleichzeitig erinnerte der Musiker an Scotts vor fünf Jahren verstorbenen Bruder Ron: "Er und Ron haben der Welt ein großes Vermächtnis hinterlassen."

feb/dpa

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