Zum Tode Scott McKenzies: Ein Leben lang ein Blumenkind

Von Felix Bayer

Die Hymne des "Summer of Love" wurde sein einziger Hit: "San Francisco (Be Sure to Wear Some Flowers in Your Hair)" von Scott McKenzie brachte die Stimmung der Hippies in Kalifornien auf den Punkt - und weckte große Sehnsucht im Rest der Welt.

Sänger Scott McKenzie: Welthit dank Flower-Power Fotos
DPA

Lange Zeit stand San Francisco in der Welt nur für den Goldrausch von 1848, für das große Erdbeben 1906 oder auch die Golden Gate Bridge. Und dann kam Scott McKenzie. "San Francisco (Be Sure to Wear Some Flowers in Your Hair)" hieß sein Welthit aus dem Jahre 1967. Darin heißt es: "Summertime will be a Love-in there". In aller Welt wurde dieses Versprechen gehört, Tausende pilgerten nach San Francisco - mit Träumen von freier Liebe und freiem Denken im Kopf und natürlich mit Blumen im Haar.

Der Song wurde so zur Hymne des "Summer of Love", er setzte den Blumenkindern und Hippies ein Denkmal, die sich im Stadtviertel Haight-Ashbury niedergelassen hatten. Und tatsächlich war "San Francisco" als Hymne erdacht worden - aber als die Hymne eines Musikfestivals.

John Phillips, Gründer der Band The Mamas & The Papas, organisierte gemeinsam mit dem Produzenten Lou Adler das Monterey Pop Festival mit Auftritten von The Who, Jimi Hendrix, Otis Redding und den Byrds. Ein Song sollte das Festival und das, wofür es stehen sollte, verkörpern, beschloss Phillips. So schrieb er "San Francisco" und gab es seinem Jugendfreund zum Singen, Scott McKenzie.

Für McKenzie wurde es das Lied seines Lebens, das Lied, mit dem er noch drei Jahrzehnte später um die Welt reiste. Er sang es, oft auf Oldieshows, unter anderem in Deutschland, einmal auch moderiert von Thomas Gottschalk. Und immer wieder erzählte McKenzie die Geschichte, dass er tatsächlich während der Aufnahmen einen Blumenkranz getragen habe. In Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, war "San Francisco" 1967 wochenlang auf Platz eins der Singlecharts; zurückhaltende Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Song mehr als fünf Millionen Mal verkauft hat.

Darauf war niemand gefasst, auch nicht Produzent Adler, auf dessen neuem Plattenlabel Ode Records "San Francisco" in den USA erschien. Eine erfahrene Industriefirma hätte bei so einem Hit schnell ein Album hervorzaubern können. Als jedoch "The Voice of Scott McKenzie" erschien, war die Euphorie abgeebbt, und eine weitere John-Phillips-Komposition, "Like an Old Time Movie" kam nur kurz in die unteren Regionen der Hitparaden. Mit Gastmusikern wie dem Gitarristen Ry Cooder nahm McKenzie 1970 noch ein zweites und letztes Album auf, "Stained Glass Morning", dann zog er sich vorerst aus dem Musikgeschäft zurück.

Er widmete "San Francisco" regelmäßig Vietnam-Veteranen

Scott McKenzie wurde 1939 unter dem bürgerlichen Namen Philip Wallach Blondheim geboren; seinen Künstlernamen bekam er als Mitglied der Folk-Gesangsgruppe The Smoothies, in der erstmals zusammen mit seinem Jugendfreund John Phillips auf der Bühne stand. Gemeinsam zogen die beiden nach New York und gründeten dort die Band The Journeymen, der aber in den frühen sechziger Jahren der Durchbruch versagt blieb.

Den nächsten Schritt von John Phillips ging McKenzie dann nicht mit: Phillips ging nach Kalifornien, gründete The Mamas & The Papas und wollte auch Freund McKenzie in der Band. Doch dieser strebte eine Solokarriere an, die nach einigen gefloppten Singles mit Phillips' "San Francisco" spektakulär startete.

1984 präsentierte John Phillips bei einem Konzert in New York als Überraschungsgast Scott McKenzie, der in den siebziger Jahren mit Drogen und Depressionen zu kämpfen gehabt hatte. In den folgenden Jahren ging McKenzie - nun also doch! - als Mitglied von The Mamas & The Papas auf Tournee.

Geld brachte zudem "Kokomo", der Comeback-Hit der Beach Boys aus dem Jahre 1988, der auf einer Phillips/McKenzie-Komposition aus den sechziger Jahren basierte. 2002 sang er bei einer Feierstunde von Vietnam-Veteranen - natürlich sein "San Francisco", das er der BBC zufolge bei allen US-Auftritten den Soldaten widmete.

Gesundheitliche Probleme machten Scott McKenzie zunehmend Sorgen. So litt er an chronischer Müdigkeit, dem Epstein-Barr-Syndrom. Dazu kam seit 2010 das Guillain-Barré-Syndrom, ein Nervenleiden, das zu Lähmungserscheinungen führen kann. Wie eine Nachbarin der BBC sagte, war er deswegen mehrfach im Krankenhaus gewesen, wo man ihn angeblich zuletzt nicht entlassen wollte. Er habe allerdings nach Hause gewollt, in sein Haus in Los Angeles, wo er von einer anderen Nachbarin am Sonntagnachmittag tot aufgefunden wurde.

Scott McKenzie wurde 73 Jahre alt.

Mit Material von dpa und dapd

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