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Sinatra-Album von Bob Dylan: Lasst fette Männer um mich sein

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Sinatra-Album von Bob Dylan: Singen? Bitte nur werktags Fotos
Getty Images

Das neue Bob-Dylan-Album "Shadows in the Night" ist das erste Großereignis des Pop-Jahres 2015. Aber es wirft so einige Fragen auf: Warum singt er nur Sinatra-Songs? Und was sollen die übergewichtigen Videostatisten?

Reif

Man müsse schon einige Katastrophen erlebt und überlebt haben, bevor man sich an einen Sinatra-Song wagen dürfe, hat der Sinatra-Superfan Iggy Pop mal gesagt. Der wartete dann auch, bis er Mitte 60 war, um den Sinatra-Klassiker "Only the Lonely" aufzunehmen. Nun fühlt sich offenbar Bob Dylan, der auch so langsam auf Mitte 70 zugeht, reif für diesen Schritt und überrascht mit einem ganzen Satz von Sinatra-Songs. "Shadows in the Night" soll Anfang Februar erscheinen, bietet zehn Sinatra-Neuinterpretationen und dürfte ein kontrovers debattiertes Dylan-Werk werden.

Sinatra hat die von Dylan interpretierten Songs zwar nicht verfasst, aber immerhin einst so bravourös eingesungen, dass sie gemeinhin als "Sinatra-Songs" gelten. Dass His Bobness Sinatra-Fan ist, weiß man seit den Radiosendungen, die er vor einigen Jahren zusammenstellte. Wie immer kommentiert der notorisch maulfaule Dylan sein Projekt nicht, so ungewöhnlich es diesmal auch ist.

Einen raren Blick hinter die Studiokulissen bietet immerhin dieses Interview mit dem berühmten Toningenieur Al Schmitt, den Dylan unbedingt an Bord haben wollte. Man erfährt darin herrlich absurde Details: dass Dylan keine Mikrofone um sich herum sehen wollte, dass von montags bis freitags musiziert wurde und am Wochenende frei war, und dass insgesamt 23 Songs eingespielt wurden, obwohl nur zehn veröffentlicht werden. Was aus den übrigen 13 Songs wird, bleibt Dylans Geheimnis. Vielleicht irgendwann eine exklusive Box mit Schätzen aus dem Archiv?

Fett

Wer immer davon träumte, mal in einem Dylan-Video aufzutauchen, darf sich Hoffnung machen: Es werden für den Clip zu seinem Sinatra-Album Statisten gesucht. Chancen hat, wer männlich, fett und über 45 ist oder als Barkeeper durchgeht oder ein pockennarbiges Gesicht hat oder weiblich, füllig und tanzerfahren ist. Deshalb spekuliert "Billboard" auch, dass es in einer Old-School-Hollywood-Optik gedreht wird, in einer verrauchten Bar, was ja ziemlich gut passen würde zu Sinatra.

Allein

Eine Dylan-Begegnung der besonderen Art hatte übrigens der Schwede Fredrik Wikingsson, als sein Idol Dylan mit Band ein Konzert nur für ihn gab. In einer Konzerthalle in Philadelphia durfte der aufgeregte Skandinavier ganz allein Platz nehmen und Dylan lauschen, der für ihn Songs wie Fats Dominos "Blueberry Hill" oder Buddy Hollys "Heartbeat" aufführte. Was wie ein irrer Fan-Traum klingt, war Teil eines TV-Experiments für das schwedische Fernsehen, das hier bestaunt werden darf. Die Idee des Projektes ist, Menschen allein Dinge erleben zu lassen, die normalerweise nur mit vielen Menschen vorstellbar sind. So wie ein Dylan-Konzert eben. Es passt zu diesem unberechenbaren Meister, dass er sich auf die Show einließ, an der er vermutlich auch seine Freude hatte.

Alt

In diesem Januar ist es dann auch schon ein halbes Jahrhundert her, dass Bob Dylan seinen legendären "Subterranean Homesick Blues" einspielte. Eine Geschichtsstunde zum Jubiläum bietet dieser Beitrag des britischen "Guardian".

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1.
archback 16.01.2015
Dylan schuldet mir noch 100 Euro, die ich neulich für eine Konzert bezahlte, in dem er und seine Band mein Gehör stapazierte und ich Ohropax verwenden musste, um die Schmerzen zu lindern, die sein Lärm verursachte. Leider war es bei dem Krach und seinem Gekrächze nicht möglich, irgendeinen Song wiederzuerkennen und ich bin nur nicht rausgegangen, weil ich dann meine Mitfahrgelegenheit verloren hätte.
2.
derigel3000 16.01.2015
Bob Dylan: Einer der, wenn nicht sogar DER am krassesten überbewertete Musiker der letzten 100 Jahre.
3.
buchl 16.01.2015
Zitat von archbackDylan schuldet mir noch 100 Euro, die ich neulich für eine Konzert bezahlte, in dem er und seine Band mein Gehör stapazierte und ich Ohropax verwenden musste, um die Schmerzen zu lindern, die sein Lärm verursachte. Leider war es bei dem Krach und seinem Gekrächze nicht möglich, irgendeinen Song wiederzuerkennen und ich bin nur nicht rausgegangen, weil ich dann meine Mitfahrgelegenheit verloren hätte.
Besucher von Dylan-Konzerten sollten wissen, dass Dylan a) die Setlist oft sehr seltsam zusammenstellt und b) seine Musik auf der Bühne gern zertrümmert und auf unkonventionelle Weise neu zusammensetzt, was manchmal auch schief gehen kann. Wer radiotaugliche Mainstreaminterpretationen oder gar ein Best-Of-Programm erwartet, kann nur enttäuscht werden. Lässt man sich aber darauf ein, findet man ganz neue Momente in den Liedern und erkennt auch, was für eine großartige Band rund um Dylan da am Werk ist.
4. Meister
mikelmik 16.01.2015
Dylan ist einer der wenigen MUSIKER überhaupt in den letzten 100 Jahren. Übrigens: Dylan zwingt keinen Menschen seine Musik zu hören und/oder in seine Konzerte zu gehen. Ihm ist es auch egal, dass die meisten Menschen seine Texte nicht verstehen und kapieren. Dann weiß er wenigstens, dass er alles richtig gemacht hat! ........ und ich auch! :)
5. Dekonstruktivist
blutiger ernst 16.01.2015
Erwartungen befriedigen ist nicht unbedingt Dylans Ding. War es noch nie. Als echter Zimmermann zerlegt seine alten Stücke gern selbst, zersägt sie, schickt sie durch den Häcksler und knallt sie zermahlt in die Gehörgänge des Publikums - wer da nostalgisch eingestimmt auf die weiland in Rillen gepresste Wiedergabe hofft, wird meist bitter enttäuscht. Doch dann wartet Dylan plötzlich mit irgendeiner triefenden Schmonzette auf, schmalgetränkt - und es scheint ihm kein akustischer Kitsch fremd. Schlimm? Ich find's eher amüsant. Es eröffnet neue Sichten und zeigt, dass dem Künstler die Kunst und das anarchische Spiel mit Vers- und Klangbauklötzchen wichtiger ist als das Feiern der eigenen Vergangenheit in den glänzenden Augen der Fans. Wer's nicht mag, kann ja Frau Fischer atemlos durch die Nacht hinterher hecheln. Die trifft jede Note so, wie sie sie einst in die Konserve gehaucht hat.
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Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.


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