Pop! Melodien für Millionen

Seit einigen Jahren haust der Funk- und Soul-Visionär Sly Stone in einem Wohnwagen. Nun sprach ihm ein Gericht fünf Millionen Dollar zu. Der Newcomer der Saison, Sam Smith, wiederum muss Geld an Tom Petty abtreten, bei dessen Musik er sich bedient haben soll.

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DPA

Genugtuung?

Seit die Wucht der neuen digitalen Welt die althergebrachte Musikindustrie durchschüttelt, jubilieren manche Beobachter, dass da ein System untergeht, das den Künstler als solchen ausgesaugt habe. Das ist allgemein betrachtet natürlich Humbug, aber in gar nicht so wenigen Einzelfällen immer mal wieder wahr.

Ein erschütterndes Beispiel für die möglichen Härten, die auch eine große Musikerkarriere zu bieten hat, ist der Absturz des großen Sly Stone. Der 71-jährige Amerikaner Sylvester Stewart, alias Sly Stone, verantworte als Produzent und Musiker einige Klassiker der Musikgeschichte. Als Kopf der Band Sly And The Family Stone kreuzte er Soul, Funk und Psychedelic zu bahnbrechenden Songs wie "Family Affair", "If You Want Me to Stay" oder "Thank You (Falettinme Be Mice Elf Again)". Dafür wurde der Künstler, den Miles Davis, Michael Jackson, Stevie Wonder und The Red Hot Chili Peppers verehrten, in die Rock'n'Roll Hall Of Fame aufgenommen. Von den Millionen verkauften Tonträgern ganz zu schweigen.

Wie endlich selbst solche Triumphe sind, bewies die Tatsache, dass Sly Stone zuletzt abgebrannt und abgewrackt in einem Wohnwagen landete, den er in der Einfahrt eines Fans parken durfte. Die Schuld an diesem Drama allein der "bösen" Musikindustrie in die Schuhe zu schieben, ist zu simpel, denn die späte Karriere des Künstlers ist auch gespickt mit Fehlentscheidungen und Drogenabstürzen.

Trotzdem bleibt der Absturz bedenklich. Den Verdacht, dass Sly Stone eben doch von dubiosen Managern über den Tisch gezogen wurde, bestätigte nun ein Gericht, dass dem Musiker völlig überraschend fünf Millionen Dollar Entschädigung zusprach. Bleibt zu hoffen, dass ihm nach Abzug der - vermutlich astronomischen - Anwaltskosten genug für einen würdevollen Ruhestand bleibt. Die Genugtuung hat er immerhin schon mal.

Abgekupfert?

Eines der Lieder, mit denen im vergangenen Jahr richtig Geld verdient wurde, war Sam Smiths Superbestseller "Stay With Me". Älteren Menschen, denen der Song des jungen Briten irgendwie bekannt vorkam, erinnerten sich vielleicht an Tom Petty und dessen Hit "I Won't Back Down". Nun wurden diese Ähnlichkeiten offiziell bestätigt, wenn man so will, denn Petty und seinem Co-Autor Electric-Light-Orchestra-Mann Jeff Lynne wurden laut einer Meldung des Guardian 12,5 Prozent des Copyright zugesprochen. Warum, belegt ein verblüffender YouTube-Clip.

Ideenarm?

Trotzdem kann man lange darüber debattieren, wie zufällig solche Übereinstimmungen tatsächlich sein können. Denn letztlich sind Melodien nun mal nicht zwangsläufig einzigartig und die Variationsmöglichkeiten endlich. Ein Autor des Onlinemagazins "Slate" argumentiert sogar, dass Tom Pettys Melodien so simpel strukturiert seien, dass Übereinstimmungen mit anderer Leute Songs nicht überraschend sind und verweist auf Gemeinsamkeiten von Petty-Hits mit Songs der Kollegen von The Strokes und Red Hot Chili Peppers. Wobei angemerkt werden muss, dass Tom Petty sich noch nie über Diebstahl beschwert hat und eher seine Fans und Anwälte Alarm machten. Trotzdem wird er sich über den "warmen Regen" von Sam Smith gefreut haben.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Koalabärin 30.01.2015
1. Wow.....
habe gerade das verlinkte Video angeschaut bzw. -gehört. Jouh, wenn das mal nicht eindeutig ist.
Hennito 30.01.2015
2. who sampled
Kaum ein moderner Song heute ist wirklich originell; sehr aufschlussreich insofern: http://www.whosampled.com/ Oben rechts einfach mal den Lieblingssong eingeben. Nahezu jeder bekannte oder gehypte Song ist entweder ein Cover oder beruht auf lead samples alter Klassiker, die kaum einer kennt. Kreativ eingesetzt - wie zB bei Daft Punk - vertretbar, vieles ist aber einfach nur enttäuschend.
twister-at 30.01.2015
3. Irreführende Überschrift
Hm, ich hatte mir da mehr über Popmusik erhofft bei der Überschrift. Dass da lediglich zwei Anekdoten der Popmusik bzw. Soulmusik abgefrühstückt wurden, erscheint mir etwas dürftig.
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