Soundtrack für "Inside Llewyn Davis" Folk für Millionen

Mit dem Soundtrack zu "O Brother, Where Art Thou?" landete T-Bone Burnett einst einen Millionen-Bestseller. Auch für den neuen Film der Coen-Brüder "Inside Llewyn Davis" hat er die Stars des modernen Folk für eine wunderbare Song-Collage versammelt.

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Als die Schauspielerin Carey Mulligan vor einigen Wochen die Bühne der New Yorker Town Hall betrat, stand ihr die Nervosität ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, vor rappelvollem Haus sollte die 28-jährige Britin ein altes Folk-Lied zum Besten geben. Allein die Liste der anderen Sänger an diesem Abend war Ehrfurcht gebietend: Sie reichte von Patti Smith, Jack White, Gillian Welch, Marcus Mumford, Elvis Costello bis hin zu Joan Baez. Aber so wie alle anderen an diesem Abend glänzte auch Mulligan, als sie hoch konzentriert den Folk-Klassiker "Five Hundred Miles" trällerte. Wobei sicherlich half, dass ihr Elvis Costello und die sagenhaften Punch Brothers zur Hand gingen.

Die Regie an diesem triumphalen Abend führte der Produzent und Musiker T-Bone Burnett, der dieser Tage einer der eindrucksvollsten Zauberer im Musikuniversum ist. Um seinen Soundtrack für "Inside Llewyn Davis" zu feiern, hatte T-Bone Burnett Musiker und auch Schauspieler, die an dem gleichnamigen neuen Film der Gebrüder Coen beteiligt waren, für ein gemeinsames Konzert zusammengetrommelt.

Der Film, der hierzulande am 5. Dezember startet, erzählt von einem glücklosen, aber stoischen Folk-Barden im New York der fünfziger Jahre. Als Inspiration dienten Joel und Ethan Coen die Memoiren des 2002 verblichenen Dave Van Ronk, einem Folk-Sänger, der auch den jungen Bob Dylan beeinflusste. Ausgeleuchtet wird in "Inside Llewyn Davis" die New Yorker Greenwich-Village-Szene vor dem großen Folk-Boom, also vor Bob Dylan, Phil Ochs und Peter, Paul and Mary. Genauer gesagt geht es um eine Generation junger Amerikaner, die ohne viel Aufmerksamkeit und nennenswerte kommerzielle Perspektiven Folksongs in den Pinten des Village klampften.

Eine wandelnde Jukebox der US-Musikgeschichte

Dass diese Ära der amerikanischen Musik nahezu vergessen ist, reizte den Soundtrack-Strippenzieher T-Bone Burnett umso mehr. Der hochaufgeschossene 65-Jährige ist eine wandelnde Jukebox der US-Musikgeschichte. Jede noch so obskure Doo-Wop-, Hillbilly- oder Rock'n'-Roll-Single ist ihm vertraut. Der Traditionalist und Hasser aller digitalen Technik arbeitete als Musiker und Produzent mit Bob Dylan, Roy Orbison, Robert Plant und sehr vielen anderen. Zuletzt veredelte er das brillante neue Elton-John-Album.

Sein bislang größter Coup gelang T-Bone Burnett aber vor 13 Jahren mit den Coen-Brüdern, als er den Soundtrack für deren Renner "O Brother, Where Art Thou?" betreute. Denn die begleitende Soundtrack-CD mit einer ambitionierten Sammlung Country-Songs alter Schule ging in den USA unglaubliche acht Millionen Mal weg.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Musik von "Inside Llewyn Davis" und werden, was die Songs angeht, voll erfüllt. Gemeinsam mit den Coens stellte T-Bone Burnett dafür eine Liste alter Folk-Melodien zusammen, die dann von den Schauspielern und ausgewählten Musikern neu eingespielt wurden. Vor allem glänzt da der Hauptdarsteller Oscar Isaac, alias Llewyn Davis, der so einfühlsam über die Härten des Lebens singt, als sei er direkt aus einem verrauchten Folk-Club der fünfziger Jahre getaumelt. Auch Carey Mulligan punktet im Duett mit Co-Schauspieler Justin Timberlake.

Dazu kommen Marcus Mumford, die Punch Brothers und andere Asse zur Veredelung der aufgerüschten Folksongs. So entstand ein Album, das aus der Zeit gefallen scheint und doch modern klingt. Denn es passt natürlich zum großen Folk-Revival der vergangenen Jahre mit jungen Bands wie Mumford & Sons oder The Lumineers, die Millionen Platten unters Volk brachten. Das Gerücht, dass Carey Mulligan derzeit mit ihrem Gatten Marcus Mumford ein Album mit Lagerfeuer-Liedern einspielt, blieb allerdings unbestätigt.


Diverse: Inside Llewyn Davis. Audio-CD. Nonesuch Records; 16,99 Euro.

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Seite 1
pfzt 08.11.2013
1.
Zitat von sysopGetty ImagesMit dem Soundtrack zu "O Brother, Where Art Thou?" landete T-Bone Burnett einst einen Millionen-Bestseller. Auch für den neuen Film der Coen-Brüder "Inside Llewyn Davis" hat er die Stars des modernen Folk für eine wunderbare Song-Collage versammelt. http://www.spiegel.de/kultur/musik/soundtrack-von-inside-llewyn-davis-dem-film-der-coen-brueder-a-932418.html
Ich bin gespannt auf den Film. Auf die Coens kann man sich blind verlassen und die Thematik bzw. Zeit und Ort der Handlung klingt sehr vielversprechend. New York und sein Village gehen immer ;)
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