Staatsoper-Nachfolge Stasi-Mitarbeiter künftiger Intendant?

Er wird als neuer Intendant der Berliner Staatsoper gehandelt. Doch Michael Schindhelm war früher bei der Stasi. "Ich habe keinen Grund, mir etwas vorzuwerfen", so der Noch-Direktor des Theaters Basel.


Berlin - Wenn die Gerüchte stimmen, wird er 2002 Intendant an der Lindenoper. Der Direktor des Theaters Basel, Michael Schindhelm, wäre damit Nachfolger von Georg Quander. Der ebenfalls 2002 auslaufende Vertrag Daniel Barenboims, künstlerischer Leiter des Hauses, ist ebenfalls noch nicht verlängert worden. Schindhelm war 1999 auch als Nachfolger des inzwischen verstorbenen Generalintendanten der Deutschen Oper Berlin, Götz Friedrich, im Gespräch.

Der aus dem thüringischen Eisenach stammende Schindhelm hatte vor kurzem öffentlich eine frühere Stasi-Mitarbeit eingestanden. Dem Berliner "Tagesspiegel" zufolge hat Berlins Kultursenator Christoph Stölzl (parteilos) Schindhelms Stasi-Akten jetzt eingesehen. Eine Sprecherin der Berliner Kulturverwaltung sagte dazu, sie nehme zu Personalspekulationen nicht Stellung. Es seien noch keinerlei Entscheidungen in dieser Frage gefallen. Der seit 1996 in Basel als Intendant tätige Schindhelm: "Ich habe in Basel keinen Vertrag auf Lebenszeit."

Die in der früheren Gauck-Behörde befindlichen Berichte eines Stasi-Majors über Treffen mit Schindhelm enthalten laut "Die Welt" "keine für die Stasi relevanten Äußerungen". Die Opferakte Schindhelms, die abgefangene Briefe, Spitzelberichte über dessen unerlaubten Reisen, verbotene Kontakte zu Ausländern sowie intime Details aus dem Privatleben enthalte, sei siebenmal so umfangreich wie die so genannte Täterakte mit den Dossiers des Stasi- Majors Thümer und Schindhelms handschriftlichen Berichten.

Der Stasi-Major habe bei Schindhelm bald "ideologische Bauchschmerzen" und ausweichende Berichte ("mehr ist mir nicht bekannt") festgestellt. Schindhelm habe auch weder Geld genommen noch berufliche Vorteile für seine IM-Tätigkeit erhalten. Der 40-jährige Intendant hatte am 10. Januar öffentlich zugegeben, Anfang der achtziger Jahre für die Stasi gearbeitet zu haben. Er sei von Offizieren erpresst worden und sei auf ihre Wünsche nur zum Schein eingegangen. "Ich habe keinen Grund, mir etwas vorzuwerfen."



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