Zum Tod von Indie-Legende Stewart Lupton Der Sänger, der Feuer spuckte

Die hohe Kunst des Rock'n'Roll-Primitivismus: Mit seiner Band Jonathan Fire*Eater bereitet der Sänger Stewart Lupton den Erfolg von Bands wie The Strokes vor. Nun ist er im Alter von 43 Jahren gestorben.

Stewart Lupton bei einem Auftritt von Jonathan Fire*Eater

Stewart Lupton bei einem Auftritt von Jonathan Fire*Eater

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Es gibt Bands, die haben Erfolg. Und es gibt Bands, die haben Einfluss. Jonathan Fire*Eater gehörten eindeutig in die zweite Kategorie. In den Neunzigerjahren entwickelten sie jenen punk-infizierten Indierock, der so vielen Bands aus New York City in den Nullerjahren gigantische Karrieren ermöglichte - blieben dabei aber immer unter dem Radar.

Die Mitglieder von Jonathan Fire*Eater kannten sich schon seit ihrer Highschool-Zeit in Washington D.C., nach ihrem Umzug nach New York 1993 gründeten sie die Band. In ihren energetischen Songs feierten sie den Rock'n'Roll-Primitivismus von Bands wie The Cramps, Pussy Galore oder der Birthday Party, ihre immer übersteuerte Orgel lieferte dazu eine Art Vaudeville-Überschwang.

Schnell hatten Jonathan Fire*Eater in New York den Ruf einer aufregenden, weil unberechenbaren Live-Band weg (Hier ein YouTube-Video von einem Konzert im Jahr 1996). Das lag vor allem an ihrem Sänger Stewart Lupton, der seine Kaskaden über Sex, Wahnsinn und Langeweile wie Feuerbälle ausspie.

Chaos und Harmonie, Liebe und Hass

In der Szene galt Lupton, wohlwollend formuliert, als flamboyante Persönlichkeit, nicht immer soll die Arbeit mit ihm einfach gewesen sein. Die Songs, die er mit seinen Bandkollegen spielte, hatten eine eigentümliche, traumwandlerische Dynamik, einerseits trieben sie im wundervollsten räudigsten Rockabilly-Rhythmus voran, anderseits wankten sie oft kunstvoll in unvorhergesehene Richtung. Wie die besten Punksongs erweckten sie das Glücksgefühl, einem dem totalen Chaos abgerungenen Augenblick absoluter Harmonie beizuwohnen.

Kaum vorstellbar, dass spätere New Yorker Punk- und Indierock-Größen wie The Strokes oder Yeah Yeah Yeahs nicht etliche der unzähligen Shows von Jonathan Fire*Eater in Manhattan oder Brooklyn gesehen haben: Das kunstvolle Torkeln in den Absturz-Hymnen der Strokes geht eindeutig auf Luptons elegant enthemmtes Gebaren zurück, ebenso der exaltierte Hier-komme-Ich-Gestus der Yeah Yeah Yeahs-Sängerin Karen O, die Jonathan Fire*Eater ganz offen als wichtige Inspiration nennt.

Die CD-Verkaufszahlen der Band blieben jedoch bescheiden. Weshalb eigentlich? Die Neunzigerjahre waren ja das letzte große fette Jahrzehnt der Musikindustrie, Plattenfirmen verfügten über Unmengen an Geld. Immer neue Labels wurden gegründet. So auch DreamWorks SKG, das von der Manager-Legende David Geffen ab Mitte der Neunziger geleitet wurde. Er kaufte damals alles auf, was durch New Yorks Straßen driftete, zum Beispiel auch den damals sensationell verstrahlten und sensationell glücklosen Rufus Wainwright, der Dank des langen Atems von DreamWorks dann doch noch zum Star wurde.

Jonathan Fire*Eater aber brachte ihr Dreamworks-Deal kein Glück. Nach der Veröffentlichung ihres Albums "Wolf Songs For Lambs" lösten sie sich 1998 auf. Hintergrund waren die unterschiedliche Charaktere der Bandmitglieder - ein Gemisch, durch das ihre Songs ihre eigentümliche Kraft entwickelten, das aber eben auch das Auseinanderbrechen beschleunigte.

Lupton sagte dazu einmal: "Viele Bands kultivieren eine künstliche Gefährlichkeit, aber für uns fühlte sich das wie eine echte Strafe an." Seine drei Bandkollegen gründeten im Anschluss die Walkmen, die bis zum heutigen Tage immer aufregende und immer ungewöhnliche Indie-Rock-Epen vorlegen. Lupton aber ging zurück in seine Heimatstadt Washington D.C., um dort Literatur zu studieren. Bandprojekte von ihm wie Child Ballads oder The Beatin's waren nur von kurzer Dauer.

Wie am Dienstag das Musikmagazin Pitchfork unter Berufung auf Familienmitglieder meldete, ist der brillante, unruhige Geist Stewart Lupton nun gestorben. Er wurde nur 43 Jahre alt.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
ambulans 30.05.2018
1. leider
vermengt der autor hier wichtige begriffe wie rock'n'roll, rockabilly, "primitivism", etc. und nennt reichlich zusammenhanglos dazu bands wie die cramps, birthday party, u.a. es gab ja durchaus schon mal sänger, die sich selbst "i'm the god of hellfire" betitelten (und dies übrigens auch heute noch ziemlich überzeugend darstellen können, die nummer mit dem sarg z.b. stammt nicht etwa von vincent furnier alias alice cooper, screaming jay hawkins oder lord sutch waren auch nicht gerade zu verachten bzw. zu übersehen, und und und. manchmal lohnt es sich doch, ins archiv hinunter zu gehen und dort zu stöbern ... dr. ambulans (alle kassen)
ambulans 30.05.2018
2. leider
vermengt der autor hier wichtige begriffe wie rock'n'roll, rockabilly, "primitivism", etc. und nennt reichlich zusammenhanglos dazu bands wie die cramps, birthday party, u.a. es gab ja durchaus schon mal sänger, die sich selbst "i'm the god of hellfire" betitelten (und dies übrigens auch heute noch ziemlich überzeugend darstellen können, die nummer mit dem sarg z.b. stammt nicht etwa von vincent furnier alias alice cooper, screaming jay hawkins oder lord sutch waren auch nicht gerade zu verachten bzw. zu übersehen, und und und. manchmal lohnt es sich doch, ins archiv hinunter zu gehen und dort zu stöbern ... dr. ambulans (alle kassen)
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