Halbzeit beim Super Bowl Beyoncé stiehlt Coldplay die Show

Die Band Coldplay hätte die Halbzeitshow beim Super Bowl dominieren sollen. Doch von dem allzu lieblichen Retro-Spektakel wird wohl vor allem Beyoncé in Erinnerung bleiben.

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Sie haben sich bemüht, das kann man schon sagen: Es gab ein Feuerwerk, eine riesige Bühne in explodierenden Regenbogenfarben, übergroße Schirme in Blumenform - und natürlich die Stars. Coldplay, Beyoncé, Bruno Mars.

Und trotzdem: Die Halbzeitshow beim 50. Super Bowl kam ein bisschen bieder daher. Angekündigt war im Levi's-Stadion im kalifornischen Santa Clara "eine Feier von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Geliefert wurde ein bonbonfarbenes, leicht biederes Familienprogramm. Nett anzuschauen. Aber nichts, was hängenbleiben wird.

Lady Gaga hatte vor Beginn des Spiels die Nationalhymne gesungen. Die Show zur Halbzeit eröffnete Coldplay mit Ausschnitten aus "Viva la Vida", "Fix You" und dem neuen Song "Adventure of a Lifetime". Die britische Band hätte die Show dominieren und im Zentrum stehen sollen. Doch ein wenig Spannung kam erst auf, als die Künstler auf die Bühne kamen, die ursprünglich als Begleitung vorgesehen waren.

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Halbzeitshow beim Super Bowl: Alles so schön bunt hier

Da war zunächst Pop-Soul-Sänger Bruno Mars mit seinem Hit "Uptown Funk". Er war vor zwei Jahren noch der Haupt-Act bei der Halbzeitshow gewesen, für ihn war es also gewohntes Terrain und entsprechend selbstbewusst performte er. Auch die Dritte im Bunde hatte die Show in der Vergangenheit schon einmal angeführt: Beyoncé.

Die R&B-Ikone präsentierte ihren tags zuvor veröffentlichten Song "Formation", für den sie schon am Wochenende viel Lob erhalten hatte: für die feministische Botschaft und den im Videoclip zum Lied enthaltenen Hinweis auf Polizeigewalt gegen Schwarze. Auch ihr Outfit sorgte für Gesprächsstoff: es erinnerte sehr an eines, das Michael Jackson bei seinem Super-Bowl-Auftritt im Jahr 1993 getragen hatte.

Zum Abschluss der Zwölf-Minuten-Show sangen dann alle drei Stars vor den mehr als 70.000 Zuschauern gemeinsam Hits aus vergangenen Jahrzehnten der Halbzeit-Minikonzerte. Beyoncé kündigte direkt im Anschluss der Show ihre neue Tournee an: Sie soll am 27. April in Miami starten und in Brüssel am 31. Juli enden.

Skandale? Da war mal was

Seit einigen Jahren zählt der musikalische Pausenfüller zu den Höhepunkten des Super Bowl. 120 Millionen Menschen sahen im vergangenen Jahr die Show, es war die höchste Einschaltquote in der US-Fernsehgeschichte.

Als einer der ersten wirklich spektakulären Auftritte gilt der bereits erwähnte von Michael Jackson: Er sang damals mit rund 3500 Kindern die von viel Pathos getragene Hymne "Heal the World". Seitdem wurden die Minikonzerte zur Halbzeit größer - und fünf Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auch deutlich feierlicher. Damals wurden hinter U2-Frontmann Bono zum Song "Where the Streets Have No Name" die Namen der Opfer eingeblendet.

Auch für Skandale waren die Zwischenshow schon gut: Unvergessen ist bis heute die entblößte Brust von Janet Jackson im Jahr 2004. Acht Jahre später streckte Sängerin M.I.A. ihren Mittelfinger in die Kameras.

Auf derlei Eskapaden mussten die Zuschauer 2016 verzichten. Brav und fröhlich kamen die Songs daher, während unter dem transparenten Boden der riesigen Bühne immer wieder neue Blumenmotive explodierten. Zum Abschluss war es an den Stadionzuschauern auf den Rängen, die Botschaft der Show zusammenzufassen. Mit übergroßen Farbtafeln bildeten sie einen Schriftzug: "Believe in Love" ("Glaubt an die Liebe"). Nett.

Video: Abgedrehte Werbespots zum Superbowl

(P.S.: Die Denver Broncos haben den 50. Super Bowl gegen die Carolina Panthers gewonnen.)

aar/dpa/AP



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