Tageskarte Jazz: Hochsaison für Trommelkünstler

Von Hans Hielscher

Die "Herz-Lungen-Maschine" von Bands wird Schlagzeuger genannt. Und das ist noch untertrieben, wie die großartigen Alben des Franzosen Manu Katché, der Dänin Marylin Mazur und des Deutschen Wolfgang Haffner beweisen.

"Schlagzeuger sind immer die Herz-Lungen-Maschine von Combos und Bigbands gewesen. Von ihrer Präzision, ihrem reibungslosen Funktionieren hing alles ab", schreibt Wolfgang Sandner. Der Jazz-Experte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" preist einen Drummer, der über diese Grundtugend hinaus in seinem Spiel "die besten Essenzen aus klassischer europäischer Musik, vitalem amerikanischen Jazz und selbstvergessener Spielfreude des afrikanischen Kontinents" vereint: Manu Katché.

Der Franzose mit Vorfahren von der Elfenbeinküste hatte bei Peter Gabriel, Sting, Robbie Williams und Joni Mitchell für den richtigen Rhythmus-Teppich gesorgt, ehe er im vergangenen Jahr mit der CD "Playground" als Jazz-Schlagzeuger groß herauskam. Im Quintett mit Trompete, Saxofon, Piano und Bass spielt Katché eigene Stücke – dabei trommelt er sich nie in den Vordergrund und ist doch immer prägend präsent. Das hochgelobte Album erschien bei ECM, dem Münchner Label, das gerade im Readers Poll der US-Zeitschrift "Down Beat" als beste Plattenfirma nach "Blue Note" gekürt wurde. Bemerkenswert ist das Ergebnis vor allem deshalb, weil die amerikanischen Jazzfans weitgehend nur das wahrnehmen, was in ihrem eigenen Land passiert.

Bei ECM kommt nun ein weiterer Leckerbissen für Liebhaber komplexer Klänge heraus. Im Duett mit dem Saxofon-Star Jan Garbarek musiziert Marilyn Mazur mit nicht weniger als 14 verschiedenen Rhythmus-Instrumenten. "Poetic Percussion" nennen Kenner den Stil der Dänin, die als "Meisterin des Kolorierens von Rhythmen" gilt und deshalb schon von Miles Davis für Tourneen und Studio-Aufnahmen verpflichtet wurde.

Deutschlands derzeit gefragtester Drummer ist auf einer CD mit Club-Klassikern zu hören, die von einem Jazz-Quartett neu interpretiert werden: Wolfgang Haffner spielt mit Roberto Di Gioia (Piano), Dieter Ilg (Bass) und Ernst Stroer (Percussion) Arrangements des Drummers, DJs und Club-Produzenten Christian Prommer. Das Album erscheint unter dem Titel "Christian Prommer's Drum Lesson", klingt Klasse und enthält viele Anregungen für Trommler in der Ausbildung. Die bewundern das große Vorbild Wolfgang Haffner, weil der 42-Jährige alle Stilrichtungen von Funk, über Latin, Rock und Jazz traumsicher beherrscht. Deshalb engagieren Stars aus aller Welt den Deutschen, der natürlich New York von Besuchen und Auftritten kennt.

New York ist viele Reisen wert. Aber kann man sich im Mekka des Jazz mit seinem Überangebot an Spitzenmusikern niederlassen? Der Drummer Christian Finger, 1964 in Unna geboren, wagte es. Nach seiner klassischen Ausbildung, guten Gigs in der deutschen Jazz-Szene und Lehraufträgen an mehreren Musikhochschulen verzichtete er auf eine sichere Laufbahn mit Pensionsanspruch. 2001 ging der leidenschaftliche Musiker nach New York. Dort verfügte er zwar über Verbindungen, denn Finger hatte in Amerika an Workshops bei prominenten Drummern teilgenommen und war in Deutschland mit US-Stars aufgetreten.

Doch in der ersten Zeit musste sich der Zugereiste mit allen möglichen Jobs über Wasser halten, etwa als "dog walker" für ein Hunde-Hotel. Inzwischen kann Finger von der Musik leben; er spielt in mehreren Gruppen, unterrichtet Schlagzeug-Studenten, komponiert und schreibt Beiträge für Fachmagazine. Fingers Album "Merger Into Beauty" (http://www.christianfinger.com) wurde in New Yorker Publikationen positiv besprochen. "A fantastic CD" nennt ihn sein berühmter Kollege Bill Drummond. Auf Tournee in die alte Heimat kommt Finger in diesem Jahr mit dem Tenorsaxofonisten Rich Perry.


CDs Manu Katché: "Playground" (ECM); Marilyn Mazur, Jan Garbarek: "Elixir" (ECM) erscheint am 25.1.; "Christian Prommer's Drum Lesson" (Sonar Kollektiv) erscheint am 1.2.

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