Tageskarte Jazz Leistungsshow einer Nischenkunst

Branchentreff, Künstlerbörse, Exportförderungsschau – die Messe "Jazzahead" hat sich als jährliches Ereignis etabliert und lädt nun zum dritten Mal nach Bremen ein.


Auch wenn in der Plattenindustrie der Satz gilt "There is no money in jazz", gibt es einige trotzige Liebhaber dieser Musik, die das so nicht gelten lassen wollen. Hans Peter Schneider ist einer von ihnen. Er dachte sich, wenn Schornsteinfeger, Hobbygärtner und Oldtimer-Fans sich zu Jahrestreffen zusammenfinden, warum, bitteschön, soll es dann kein Treffen der Jazzbegeisterten geben?

Der Manager Schneider sprach Freunde und Gleichgesinnte an, stieß auf begeisterte Zustimmung und veranstaltete mit dem Trompeter und Musikprofessor Ulrich Beckerhoff als künstlerischem Leiter 2006 zum ersten Mal "Jazzahead".

Die viertägige Fachmesse ist vieles in einem: Ort für Konzerte, kulturpolitische Konferenz und wissenschaftliches Symposium – alles zum Thema Jazz. Die Bundeskulturstiftung und das Goethe-Institut unterstützen das Ereignis finanziell; der Auto-Hersteller Skoda stiftete einen mit 15.000 Euro dotierten Jazzpreis. Mit diesem Konzept unterscheidet sich Jazzahead von den zahlreichen Festivals landauf landab und schon im Jahr 2006 brachen über 3500 Jazzfreunde nach Bremen auf. Aus aller Welt eingeflogene Veranstalter und Kulturmanager erlebten beim so genannten "German Jazz Meeting" eine Parade von 14 deutschen Spitzenbands. Dass mehrere Gruppen anschließend ins Ausland eingeladen wurden, konnte als erfolgreiche Export-Förderung verbucht werden. Nach deutschem Wein werde nun auch deutscher Jazz vorzeigbar, resümierte die "Stuttgarter Zeitung".

Der gute Start ermutigte die Veranstalter, ihr "Jazzahead" im vergangenen Jahr fortzusetzen. Ein neues "EuropeanjazzXchange"-Programm brachte Nachwuchsbands aus Nachbarländern nach Bremen – und EU-Fördermittel. Ansonsten hielt man sich an das bewährte Konzept von 2006. Das gilt nun auch für die dritte Runde vom 17. bis 20. April. Diesmal werden 170 Aussteller aus über einem Dutzend Ländern erwartet – Plattenfirmen, Konzertagenten, Jazzclubs, Instrumente-Hersteller, Fachzeitschriften und Musikhochschulen errichten Stände. Es werden auch wieder Filme gezeigt und beim Symposium geht es unter anderem um "Beats statt Schläge – soziale Kompetenz durch Musik(erziehung)".

Dazu kommt natürlich Live-Musik auf verschiedenen Bühnen vom Nachmittag bis in die späte Nacht. Aufspielen werde neben vielen anderen Enders Room (das Elektro-Jazz-Projekt des Saxofonisten Johannes Enders), die dänische Perkussionistin Marilyn Mazur und der amerikanische Saxofonist und Sänger Maceo Parker. "Der Mann wird für Stimmung sorgen", sagte Messe-Chef Schneider über den aus der Band von James Brown kommenden Funk-Star. Bei "Jazzahead" wird also – klugerweise – nicht nur Jazz pur geboten.


Jazzahead. 17.–20. 4. Bremen. Informationen und Karten:
Tel. 0421/33 66 99, www.jazzahead.de



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