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Tenorsaxofon im Jazz: Zieh deine Waffe, ich blas dich um!

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Mal verhaucht und mal traurig, mal kraftvoll, mal ruhig, mal warm - der Klang, den ein Tenorsaxofonist herbeizaubert, ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Kein Wunder, dass die selbstbewussten Meister des Instruments zu regelrechten Gladiatorenkämpfen gegeneinander antraten.

Tenorsaxofon: Unverwechselbare Töne Fotos
Art of Groove

"Das Beste, was Schwarze über ihre Seele gesagt haben, haben sie über das Tenorsaxofon gesagt." Der Satz stammt von Ornette Coleman. Der Avantgardist unter den Saxofonisten meinte damit wahrscheinlich seine afroamerikanischen Kollegen Coleman Hawkins, Lester Young, Sonny Rollins und John Coltrane - doch auch Weiße prägten den Klang des Instruments. Stan Getz etwa, dessen verhaucht-trauriger Ton phantastisch mit Bossa-Nova-Beats harmonierte.

Den US-Vorbildern eiferten Tenorsaxofonisten in aller Welt nach. Der bekannteste Deutsche unter ihnen ist Klaus Doldinger, der am 15. Mai 75 Jahre alt wird: Klaus Doldinger verfügt über einen wunderbar-kraftvollen Tenorton. Er spielt außerdem Sopransaxofon, Klarinette und Tasteninstrumente. Das meiste Geld aber hat er als Komponist verdient: Von Doldinger stammen Dauerbrenner wie die "Tatort"-Melodie und die Filmmusiken zu "Das Boot" und "Die unendliche Geschichte". Diese Kompositionen arrangierte der immer noch jung wirkende Vollblutmusiker jetzt für die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und seine Jazzrock-Combo Passport. Dieses "Symphonic Project" erscheint zeitgleich mit dem Passport-Album "Inner Blue" zu Doldingers Geburtstag. Gratulation!

Ein Tenorsaxofonist der jüngeren Generation, der Berliner Ben Kraef, debütiert in der Plattenserie "Young German Jazz" mit dem Pianisten Rainer Böhm und den US-Amerikanern John Patitucci (Bass) und Marcus Gilmore (Drums). Er nennt deshalb seine CD "Berlin - New York". Erfahrungen in der US-Metropole machte Kraef, als er 2007 mit einem DAAD-Stipendium am New Yorker City College studierte und mit Stars wie Lalo Schifrin spielte. Ein wunderbar warmer Ton ist das Markenzeichen des deutschen Aufsteigers.

Gladiatorenkämpfe zwischen Tenorsaxofonisten

Der amerikanische Tenorsaxofonist Joshua Redman zählt zu den "jungen Löwen" - Jazzmusikern, die in den neunziger Jahren dem Bebop frisches Leben einhauchten. Nun nennt der britische "Guardian" Redmans aktuelles Quartett eine "postbob supergroup". "James Farm", die neue CD der Gruppe, integriert Soul- und Rockelemente in die Jazzstruktur. Joshua folgt dem Beispiel seines Vaters Dewey Redman, der ebenfalls Tenorsaxofon spielte und ständig neue Wege suchte. Der 2006 verstorbene Musiker hatte noch die Zeit der "tenor battles" erlebt, als Musiker wie Gladiatoren gegeneinander antraten und versuchten, sich mit ekstatischen Soli zu überbieten. "Ich musste eine Menge solcher Schlachten gegen aufkommende Rivalen durchstehen", erinnert sich der Veteran Sonny Rollins.

Zu den Tenorsaxofonisten, die sich in Deutschland nach ganz oben spielten, gehört Johannes Enders. Der 44-Jährige ist auf rund hundert Platten zu hören - mit Jazzgrößen wie dem US-Schlagzeuger Billy Hart, aber auch mit den Elektro-Poppern vom Tied & Tickled Trio aus seiner bayerischen Heimatstadt Weilheim. Enders' neues Album "Billy Rubin" bringt akustischen Jazz in Quartett-Besetzung. Statt effektvoller Kraftmeierei kennzeichnet zu Herzen gehende Ruhe sein Saxofonspiel.

Gleich vier Tenorsaxofonisten geben den Ton im Septett des Bassisten Henning Sieverts an. Ihr satter Sound erinnert an den Bläsersatz der legendären Bigband von Woody Herman. Der hatte die höher klingenden Altsaxofone durch tiefere "Tenors" ersetzt und damit den sogenannten "Four Brothers Sound" kreiert. Sieverts nennt sein erfreulich frisches Album "Four Tenors".

"From Jazz to Funk and Back" (so der Untertitel) führt Pee Wee Ellis die Hörer der Doppel-CD "Tenoration". Das könnte kaum jemand besser tun als der 70-jährige Tenorsaxofonist: Die Funk-Kompetenz erwarb sich Ellis als Solist und musikalischer Direktor bei James Brown. Und wie toll er Jazzstandards interpretieren kann, zeigt er auf der neuen Platte beim Titel "You've Changed".

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insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1. zu dünn
flynn10 30.04.2011
Zitat von sysopMal verhaucht und mal traurig, mal kraftvoll, mal ruhig, mal warm - der Klang, den ein Tenorsaxophonist herbeizaubert, ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Kein Wunder, dass die selbstwussten Meister des Instruments zu*regelrechten Gladiatorenkämpfen gegeneinander antraten. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,759545,00.html
Es ist ja gut gemeint, wenn Sie Herrn Enders einen Gefallen tun wollen, aber dann schreiben Sie doch einfach eine CD-Besprechung und gut isses! Daraus eine Story zum Tenorsax zu basteln, bei der sie fast alle wichtigen Protagonisten dieses Instruments vergessen, geht so nicht. Das ist einfach zu dünn.
2. Gut gemeint
andy de vine 30.04.2011
.....aber wirklich ein dünner Artikel. Wo sind Michael Brecker, Ernie Watts, Chris Potter, Branford Marsalis, Eric Alexander und Jeff Coffin? Oder Dextor Gordon, Stan Getz, Hank Mobley und natürlich John Coltrane? Nicht zu vergessen die Blasersätze von u.a. Tower of Power oder Chicago in denen das Tenorsax herrlich nach vorne raus kam. Oder Albert Wing und Kurt McGettrick -> von Zappa? Besser recherchieren! :-) Mazeltov
3. hauchdünn...
andydivine, 30.04.2011
... aber wirklich! Was ist das für eine willkürliche Aufzählung am Anfang, was hat Doldinger unter großen Saxofonisten verloren und wo sind die Beispiele für die angesprochenen legendären Tenor-Battles. Zählte Joshua Redman wirklich zu den jungen Wilden oder war das nicht eher James Carter; Redman war doch ganz brav. Der Artikel hat weder Gehalt noch Richtung noch Aussage. So interessiert man keinen Leser für Jazz.
4. ... achja ...
Wooster 30.04.2011
Zitat von sysopMal verhaucht und mal traurig, mal kraftvoll, mal ruhig, mal warm - der Klang, den ein Tenorsaxophonist herbeizaubert, ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Kein Wunder, dass die selbstwussten Meister des Instruments zu*regelrechten Gladiatorenkämpfen gegeneinander antraten. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,759545,00.html
Mein Gott, welch §*$%& Artikel. Mir als Jazzfreund und Kenner grausts. Es gab in der Jazzgeschichte wahrlich GROSSE Saxophonisten, die stilbildend waren und gerade mal zwei, drei werden genannt; dann aber eine Liste völlig unbekannter deutscher Jungspunde und ein belangloser deutscher Studiomusiker, der ALLES spielt. Aber nix eigenes. Das erinnert mich: als ich in Paris beim Essen mit den beiden bei der franz. VIRGIN für JAZZ zuständigen Männern mal die Namen Bix Beiderbecke und Lester Young erwähnte. Die beiden "Zuständigen" schauten mich an: hä? Die Namen waren ihnen völlig unbekannt. Wenn ich hier den Namen Frankie Trumbauer nennen würde, würde wohl der Artikelschreiben genau so dumm aus der Wäsche schauen. . Demnächst werden noch die Puhdys als tolle, innovative, "spannende" Rockmusik hervorgehoben?
5. Großartig, Danke
inelson09 30.04.2011
Oh, ein Artikel über das Tenorsaxophon im Jazz, die begabten Musikjournalisten des SPON geben einem wirklich was an die Hand - das könnte interessant werden... (Man denke nur an die hervorragenden Artikel über die herausragenden Musiker wie Lady Gaga, Britney Spears, Justin Bieber oder Madonna...........). Und wirklich - ein akribisch recherchierter, toll zu lesender und mit viel Liebe zum Jazz geschriebener Artikel, der keine Fragen offen lässt. Vielen Dank und weiter so!!!
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