Pop! Ey, jetzt pack doch mal das Handy weg

Von Christoph Dallach

Pop! Ratschläge? Nein, danke! Fotos
AP

Warum meinen immer mehr Konzertbesucher, das Geschehen auf der Bühne mit Handys filmen zu müssen? Warum kopiert Kesha die Residents? Und wer beschimpft da wen als "Fat Fucking Idiot"?

Nie wieder reflexartig ausgestreckte Arme!

Mal abgesehen von einigen Naturvölkern dürfte die gesamte Menschheit mittlerweile mit sogenannten Smartphones ausgerüstet sein. Daran wird man bei jedem Konzert erinnert, wenn ab dem ersten Ton reflexartig die ausgestreckten Arme in der Dunkelheit hochschnellen, um jede Bewegung mit dem Handy festzuhalten und das Gefilmte dann ruckzuck auf Facebook oder YouTube mit der Weltöffentlichkeit zu teilen. Was in analoger Vergangenheit mal Feuerzeuge waren, ist nun zum digitalen Handy-Flackerfeuer geworden. In den vergangenen Jahren hat sich die Handymanie wie ein Virus in den Konzerthallen der Welt verbreitet.

Neu ist nur, dass immer mehr Künstler Einspruch dagegen erheben: Bands wie Wilco oder The Black Crowes bitten ihre Fans schon länger, den Handy-Quatsch sein zu lassen und Auftritte in 3D zu genießen. Auch Jack White forderte das Publikum auf seiner letzten Tour vor Beginn der Konzerte auf, die Handys bitte wieder in die Tasche zu stecken, und wies zum Trost auf seine Homepage hin, die viele Bilder von jeder Show biete. Dazu gesellten sich Björk, Prince (der Handy-Filmer schon mal vor die Tür setzen lässt), die Yeah Yeah Yeahs ("Packt den Müll wieder ein!"), Savages und aktuell das Hipster-Duo She & Him mit Zooey Deschanel. Nun wird ausgiebig im Blog-Universum gezankt, ob das cool oder bevormundend ist. Man müsse die Handys einfach als "Teil der Show" begreifen, als zeitgemäße Art, Enthusiasmus zu zeigen, schreibt ein Autor. Vielleicht sollte man sich Konzerte künftig überhaupt nur noch als Stream auf dem Handy daheim anschauen.

Klau keine Ideen!

Seit mehr als vier Jahrzehnten geistert die seltsame Avantgarde-Band The Residents bereits durch die Welt - und das stets maskiert. Bevorzugt tarnen sich die Geheimniskrämer aus San Francisco mit überdimensionierten Augäpfeln mit Zylinder. Eine Maskerade, die stets für mehr Aufmerksamkeit sorgte als ihre herausfordernde Musik. Dass nun ausgerechnet die Trash-Pop-Queen Kesha auf ihrer aktuellen Tournee mit Residents-Augapfel-Klonen auftrumpft, ist dann doch ziemlich überraschend und kommt bei strengen Musik-Fans nicht gut an. Einen bösen "Ideenklau" beklagen da viele, eine "Hommage" nennen es die Großzügigeren. Kesha und Consorten schweigen dazu. Fest steht, dass Kesha bei MTV schon mal im Residents-T-Shirt rumsaß.

Erschieß dich!

Liam Gallaghers größte Hits sind immer noch seine Schimpftiraden. Nun hat ausgerechnet sein alter Lieblingsgegner Robbie Williams zum neuen Beady-Eye-Album angemerkt, dass den Songs ein paar Melodien gut tun würden. Er würde sich eher "zwischen die Beine schießen" als Ratschläge von Robbie Williams anzunehmen, keifte der Ex-Oasis Sänger wie erwartet zurück. Interessanterweise beklagte er ebenso offen, wie verletzt er sei, dass der "Fat Fucking Idiot" (Robbie W.) in Gallaghers Heimat Manchester drei Nächte am Stück vor 60.000 Fans auftreten könne, während Beady Eye sich einen Abend lang mit 1.500 Getreuen begnügen müssen. "Das ist eine Schande. Vor allem für die Menschen im allgemeinen." Ha!

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
Mart-73 12.07.2013
Ob die Feuerzeug App noch erlaubt ist? :-)
2. Kesha's Ideenklau
rodelaax 12.07.2013
Ich bezweifele ernsthaft, dass das Popsternchen Kesha das Konzept hinter "Hommage" versteht, noch dass sie weiß, wie man dieses Wort schreibt.
3. Where is the message?
dweird 12.07.2013
Was will uns der Autor mit diesem Artikel sagen? Oder: Wo ist eigentlich das Ende zu der Handy-Geschichte? Und was sollen die letzten beiden Absätze, die ja mit dem Thema gar nichts zu tun haben? Oder ist das jetzt auch schon Journalismus im RTL2-Häppchen-News-Format? Bloß keine Aufmerksamkeitsspanne über 30 Sek. beanspruchen... (Zumal dieses Handy-Gefilme auf Konzerten nicht nur die Künstler wahnsinnig nervt, sondern auch mich als Konzertzuschauer, der die Bühne nur noch durch einen Urwald von Mini-Bildschirmen sehen kann).
4. also
keerborstel 12.07.2013
alleine der Versuch so etwas mit so einem Gerät festhalten zu wollen ist doch lächerlich.Da kann doch nur miserabler Müll dabei rauskommen und ist eine Beleidigung für alle Sinne, und für die Künstler.
5. @Kesha
dt55929784 12.07.2013
ignorance of your culture is not considered cool ... (The Residents)
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Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.


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