Mit 92 Jahren Opernsänger Theo Adam gestorben

Er war einer der besten Opernsänger und einer der wenigen deutsch-deutschen Weltstars. Der gebürtige Dresdner trat schon zu DDR-Zeiten international auf und hatte eine eigene TV-Sendung. Am Donnerstag ist er mit 92 Jahren gestorben.

Kammersänger Theo Adam am Tag der Wiedereröffnung der Semperoper 1985 vor dem wiederaufgebauten Opernhaus auf dem Theaterplatz in Dresden.
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Kammersänger Theo Adam am Tag der Wiedereröffnung der Semperoper 1985 vor dem wiederaufgebauten Opernhaus auf dem Theaterplatz in Dresden.


Der renommierte Dresdner Opernsänger Theo Adam ist tot. Der Bassbariton, der in Wagner-Partien und Strauss-Rollen Weltgeltung erlangte, starb am Donnerstag nach langer Krankheit mit 92 Jahren in einem Pflegeheim seiner Heimatstadt. Das bestätigte die Familie am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Trauerfeier finde am 18. Januar in der Loschwitzer Kirche statt.

Über den Tod des Kammersängers hatte zuerst die Onlineausgabe der "Dresdner Neuesten Nachrichten" berichtet.

"Er war ein brillanter Künstler und ebenso großartiger Pädagoge, der vieles von seiner Begeisterung für den Gesang an die Studierenden weitergeben konnte", würdigte ihn die amtierende Rektorin der Dresdner Hochschule für Musik, Rebekka Frömling. Adam sei als Künstler mit seiner Kreativität und seinem Talent Vorbild für Generationen von Studierenden gewesen. Er habe den Sängernachwuchs als Honorarprofessor unterrichtet und sich als Förderer für die Einrichtung engagiert.

Die Bundesrepublik verliere einen der wenigen deutsch-deutschen Weltstars der Opernbühne, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Sein Wotan in Bayreuth habe Maßstäbe gesetzt. Herausragend sei er auch in seiner geradezu virtuosen Liedinterpretation gewesen.

Theo Adam wurde am 1. August 1926 in Dresden geboren. 1937 wurde er einer der Sängerknaben im berühmten Dresdner Kreuzchor, nach dem Krieg studierte er Gesang. 1949 debütierte der Bariton an der Staatsoper Dresden und sang danach regelmäßig auch bei den Bayreuther Festspielen. Selbst an berühmten Opernhäusern wie der New Yorker Met wusste Adam zu begeistern. Später inszenierte er auch selbst, moderierte im Fernsehen die Sendung "Theo Adam lädt ein", in der er Klassik einem breiten Publikum zugänglich machen wollte. Auch schrieb er zahlreiche Bücher.

Kein Auftritt vor DDR-Bonzen

Kurz nach seinem 80. Geburtstag hatte der Künstler Abschied von der Bühne genommen - und sich fünf Jahre später auch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Ein langer Weggefährte war der Tenor Peter Schreier. In einem ausführlichen SPIEGEL-Gespräch erzählte er erst vor Kurzem von seinem Freund. Auf die Frage, ob er "Nein" gesagt habe, wenn er von Regierenden zum Singen gerufen wurde, antwortete Schreier: "Einmal vielleicht." Theo Adam und er sollten mal mit dem Kreuzchor das "Dona nobis pacem" aus der h-Moll-Messe von Bach bei einer Parteiveranstaltung in der Werner-Seelenbinder-Halle in Berlin singen. "Adam sagte: 'Das mach ich nicht.' Ich habe gewackelt. 'Du musst das nicht machen, Peter!', drängte er mich. Und da habe ich auch abgesagt. Das hatte gar keine Konsequenzen."

Tenor Peter Schreier über seine Karriere in der DDR

Schreier und Adam seien sehr eng gewesen. "Theo Adam und ich sind schon seit meiner Kindheit befreundet", so Schreier kurz vor dem Tod Adams. "Er hat mir am Anfang meiner Karriere sehr geholfen. Er war ja älter und auch schon etabliert, als ich nach Berlin ging. Leider geht es ihm nicht gut", so Schreier Mitte Dezember 2018. "Er liegt seit Jahren in einem Pflegeheim in Dresden. Ich war im August zu seinem Geburtstag da. Er erkennt mich überhaupt nicht mehr. Ich habe ihm eine DVD mitgebracht von einer Sendung aus dem DDR-Fernsehen mit uns beiden, ich glaube Brahms, Liebeslieder. Hab die da eingeschoben. Ich sagte: Theo, weißt du, wer das ist? Gar nichts. Auch die Musik erreicht ihn nicht mehr."

jat/dpa



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