Todesstudie: Popstars sterben früher

Eine Medizin-Zeitschrift veröffentlichte eine Studie mit voraussehbarem Ergebnis - aber hohem Hinguckfaktor: Die Chance, dass ein Popstar in jungen Jahren das Zeitliche segnet, ist doppelt so hoch wie bei Normalbürgern. Haupt-Todesursachen: Sex, Drugs, Rock 'n'-Roll.

"Live fast, die young" - den alten Leitsatz des Rock 'n' Roll haben schon viele allzu wörtlich genommen. Nach und nach dehnte sich die Botschaft der Phrase in immer weitere Kultursphären aus: Bücher (Lawrence Frascella and Al Weisel), Grungerock (Alice in Chains) und die Hollywood-Hau-drauf-Filme von Ridley Scotts Bruder Tony, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Grunge-Ikone Cobain: "Ich hasse mich und will sterben"
Getty Images

Grunge-Ikone Cobain: "Ich hasse mich und will sterben"

Allein: Um zu wissen, dass zu viel Alkohol, Zigaretten, Drogen und ungeschützter Geschlechtsverkehr schlecht für die Gesundheit sind, braucht man eigentlich keine Studie. Das "Journal of Epidemiology and Community Health" (JECH) führte dennoch eine durch. Ins Deutsche übersetzt trägt sie den etwas sperrigen Namen: "Von Elvis bis Eminem: Eine Quantifizierung des Preises der Berühmtheit am Beispiel des frühen Sterberisikos von europäischen und nordamerikanischen Rock- und Popstars".

Das Ergebnis: Stars tragen im Vergleich zu anderen Menschen ein mehr als doppelt so hohes Risiko, früh zu sterben. Nordamerikanische prominente Musiker, die die Studie berücksichtigte, wurden durchschnittlich 42 Jahre alt, europäische Stars starben im Schnitt sogar noch früher, nämlich schon mit 35 Jahren. Babyshambles-Sänger Pete Doherty, 28, hätte er demnach noch sieben Jahre zu leben.

Allerdings zeigt die Studie auch: Überlebten die Europäer die ersten 25 Jahre nach dem Karrieredurchbruch, unterschied sich ihre Lebenserwartung nicht mehr von derjenigen gewöhnlicher Menschen. Anders in den USA, wo die Stars zeitlebens ein erhöhtes Sterberisiko aufwiesen. (Es sei denn man heißt Tom Waits oder Iggy Pop, möchte man hinzufügen.)

Drogen und Alkohol als Haupttodesursache

An mehr als jedem vierten Todesfall waren der Studie zufolge Drogen oder Alkohol beteiligt. Die Forscher fordern die Musikindustrie auf, die Gesundheit und das Verhalten berühmter Musiker ernster zu nehmen. Dies sei nicht nur wichtig, um das Leben der Stars selbst zu schützen, sondern auch wegen deren Vorbildfunktion für andere Menschen. Demnach strebt in Großbritannien jedes zehnte Kind eine Karriere als Popstar an.

Die im "Journal of Epidemiology and Community Health" publizierte Studie beruht auf den Daten von 1050 Stars verschiedener Musikstile aus Nordamerika und Europa, die zwischen 1956 und 1999 zu Ruhm gelangten. Die Mediziner aus Liverpool untersuchten, wie lange die Musiker nach ihrem Durchbruch lebten, und verglichen dies dann mit anderen Menschen gleichen Alters, Geschlechts und gleicher Nationalität.

ssu/AP

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