Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Tokio Hotel: "Musik ist wichtiger als Sex"

Alle wollen mit Tokio Hotel sprechen: Dolly Buster, Boris Becker, Jonathan Meese, Niels Ruf. SPIEGEL ONLINE hat ein Interview eingefädelt, das die Teen-Superstars von einer ungewohnten Seite zeigt. Einer ziemlich souveränen - passend zum neuen Album, das morgen erscheint.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Energy-Drinks trinkt Ihr am Tag?

Bill Kaulitz: Eigentlich gar keine mehr. Jetzt trinken wir eher Apfelsaft und Eistee. Und früher haben wir auch nicht so viel getrunken, vielleicht zwei pro Tag.

SPIEGEL ONLINE: Robbie Williams trank angeblich 20 pro Tag. Dazu 20 Espressi und 60 Zigaretten. Dafür ist er aber auch in der Entzugsklinik gelandet. Warum zerstören sich Popstars selbst?

Bill: Ich glaube, Solokünstler haben es da viel schwerer.

Tom Kaulitz: Wir können den Druck ja auf vier verteilen.

Bill: Und wir kennen uns jetzt seit über sieben Jahren. Wir sind miteinander befreundet, und es hilft ungemein, wenn man den ganzen Tag Leute um sich herum hat, mit denen man auch zu tun haben möchte und die man mag. Wir haben zusammen etwas aufgebaut, wir treffen zusammen die Entscheidungen.

Georg Listing: Und wenn es Probleme gibt, dann können wir auch immer untereinander diskutieren.

Bill: Wir können aufeinander aufpassen und den anderen auffangen. Das ist schon eine große Stütze, die Solokünstler nicht haben. Und zusätzlich haben wir auch noch ein gutes Team um uns herum. Wir haben vier Produzenten, mit denen wir uns auch gut verstehen.

SPIEGEL ONLINE: Machen sich Eure Eltern Sorgen?

Georg: Eltern machen sich ja grundsätzlich über alles Sorgen.

Bill: Sie unterstützen uns und gehen den ganzen Weg mit uns.

Tom: Die waren von Anfang an dabei - und jetzt freuen sie sich natürlich, dass sich das frühere Hin und Her gelohnt hat. Damals haben wir sie ja auch genötigt, mit uns durch die Gegend zu fahren und unsere Instrumente zu transportieren.

NEVIO, Musiker und "DSDS"-Finalist: Haltet Ihr dem Druck stand?

Bill: Wir haben uns bei diesem Album eigentlich gar keinen Druck gemacht. Der Druck kommt immer von den anderen Leuten, die meinen, wir müssten uns mit diesem Album beweisen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist, wenn es schlechte Kritiken gibt? Lest Ihr solche Kritiken überhaupt?

Bill: Richtige Kritiken in Musikzeitschriften lese ich mir auf jeden Fall durch.

Tom: Aber es gibt auch Leute, die gleich sagen: Das ist Scheiße. Das war bei uns schon vor Jahren mit unserer Band "Devilish" so. Da ist uns über die Jahre ein dickes Fell gewachsen.

SPIEGEL ONLINE: Robbie Williams sollen die negativen Kritiken krank gemacht haben.

Bill: Natürlich ist es nicht einfach, wenn die Öffentlichkeit auf alle Kleinigkeiten achtet und alles ständig zerpflückt wird. Mich kotzen Paparazzi richtig an, die finde ich total ätzend.

Georg: Natürlich sind die nervig, aber die machen ja auch nur ihren Job.

JONATHAN MEESE, Maler und Performance-Künstler: Was ist Euer Lieblingstier? Meines ist das Seepferdchen.

Tom: Seepferdchen finde ich auch geil.

Gustav Schäfer: Meine Lieblingstiere sind Panther.

Bill: Meine sind Hunde. Ich liebe Hunde.

Tom: Hunde sind auch meine Lieblingstiere. Danach kommen Löwen.

Georg: Ich find Delphine ganz geil.

BORIS BECKER, Ex-Tennisprofi und Moderator: Habt Ihr Euch aufgrund des Erfolges verändert?

Bill: Wir haben viel dazu gelernt. Mit 17 Jahren haben wir schon einen großen Einblick in das Musikgeschäft, kennen Plattenfirmen und auch totale Arschlöcher. Aber ich denke, menschlich sind wir gleich geblieben.

Tom: Unser ganzes Leben hat sich komplett verändert. So von Knall auf Fall. Aber die Freunde und unsere Familie sind ja noch da. So schafft man es, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Und ich würde mal behaupten, da sind wir noch.

NIELS RUF, Schauspieler und Comedian: Mir haben damals die Pressekonferenzen zur Auflösung von Tic Tac Toe wahnsinnig gut gefallen. Wie die sich da gestritten haben! Plant Ihr zu Eurer Auflösung etwas Ähnliches?

Bill: Ich fand das mit Tic Tac Toe auch lustig, aber leider müssen wir Dich enttäuschen: Wir haben noch nichts geplant. Ich glaube, wenn man sich trennt, sollte man das vernünftig machen.

Tom: Und ich glaube, das wird Niels Ruf auch nicht mehr miterleben.

SPIEGEL ONLINE: Aber habt Ihr schon über ein Leben nach Tokio Hotel nachgedacht?

Bill: Wer weiß: Vielleicht will uns irgendwann wirklich keiner mehr hören. Aber dann gibt es andere Möglichkeiten. Die Musik bleibt, auch wenn der Erfolg geht. Vielleicht schreibe ich dann Songs für andere, vielleicht werde ich etwas in einer Plattenfirma machen oder interviewe andere Bands.

Georg: Ich kann mir bei keinem von uns vorstellen, dass er mal hinterm Bankschalter sitzt und ich hole dann meine Kontoauszüge bei ihm.

Bill: Im Alter von neun haben wir unser erstes Tape zu Viva geschickt.

Georg: Ich hoffe nur, dass es dieses Tape nicht mehr gibt.

Tom: Tokio Hotel ist jetzt das Traumding. Alles, was danach kommt, ist die B-Variante.

BUSHIDO, Gangster-Rapper: Warum sind so viele Tokio-Hotel-Fans auch Fans von mir?

Bill: Ich habe keine Ahnung. Ich verstehe es nicht.

Tom: Naja, ich spiele E-Gitarre in einer Rockband und höre privat auch nur HipHop.

SPIEGEL ONLINE: Viele Kids identifizieren sich mit Euch. Sie singen Eure Lieder und ziehen sich so an wie Ihr. Wie geht Ihr mit dieser Verantwortung um?

Tom: Viele haben uns geschrieben, dass sie jetzt auch Musik machen, Bands gegründet haben und Songs schreiben. Das freut uns natürlich sehr. Aber es gibt viele Dinge, bei denen man es nicht wie wir machen sollte. Wir sind Jugendliche wie sie auch.

Bill: Und wir machen natürlich auch Fehler. Nur weil wir in der Öffentlichkeit stehen, heißt das ja nicht, dass wir über Nacht perfekt geworden sind.

SPIEGEL ONLINE: Eines eurer neuen Lieder heißt "Spring nicht". Hieße der Song "Spring", würdet Ihr wahrscheinlich eine deutschlandweite Suizidwelle auslösen.

Bill: Das würde ich nie machen. Mir würde nicht im Traum einfallen, so einen Song zu schreiben.

Tom: Natürlich wegen der Verantwortung, aber auch wegen der Einstellung. Wir schreiben Songs ja nicht um zu sehen, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert, sondern wir schreiben über Dinge, die uns bewegen. Und "Bring Dich um" ist wirklich kein Thema, mit dem wir uns beschäftigen.

ATZE SCHRÖDER, Comedian: Welches sind Eure fünf liebsten Rocksongs?

Gustav: Ich bin für "Enter Sandman" von Metallica.

Tom: Ich fand "T.N.T." von AC/DC immer ganz geil.

Bill: Den "Armageddon"-Soundtrack von Aerosmith fand ich immer tierisch und "Nothing Else Matters" von Metallica.

Georg: Und noch was von Green Day: "Wake Me Up When September Ends" oder "Boulevard of Broken Dreams".

SPIEGEL ONLINE: In einem Interview meinte Bastian Schweinsteiger: "Tore schießen ist mir wichtiger als Sex". Was ist Euch wichtiger?

Georg: Also bei mir ist es die Musik, ganz klar.

Gustav: Das ist ne blöde Frage.

Georg: Obwohl, ich weiß nicht, ob ich dafür mein Leben lang auf Sex verzichten würde.

Tom: Na ja. Darf man dann auch nicht mehr wichsen?

DOLLY BUSTER, Ex-Pornostar: Bill, wie heißt die Marke Deines Lidschattens?

Bill: Oh, da muss ich Dich enttäuschen. Ist irgendein schwarzer aus der Drogerie.

DOLLY BUSTER: Und hattest Du schon mal Sex?

Bill: Ich?! Das werde ich auch Dir nicht verraten. Ich weiß auf jeden Fall, dass Du schon welchen hattest!

Das Interview führte Alain Bieber

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Tokio Hotel : Weltschmerz für Kinderherzen

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: