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Top of the Blogs: The Shins, zum Erfolg verdammt

Von Heiko Behr

SPIEGEL ONLINE durchsucht die Musik-Communitys des Internets nach den Popstars der Zukunft: Top of the Blogs heute mit Asobi Seksu, Polarkreis 18, Voxtrot, The Hold Steady und The Shins - zum Lesen und Hören.

THE SHINS

"Hey, hör dir das mal an, das wird dein Leben verändern…," flötet Natalie Portman in "Garden State", einem der Konsens-Indie-Lieblingsfilme der letzten Jahre. Sie spricht über "New Slang" von den Shins, eine der Konsens-Indie-Lieblingsbands der letzen Jahre. The Shins? Waren die mit ihren luftigen Songs nicht auch bei "Buffy", "Sopranos", "Scrubs" und, puh, dem "SpongeBob Schwammkopf Film" dabei? Tja, richtig. Das Marketingprinzip, kredible Bands in US-Filmen und –Serien zu platzieren, funktioniert mittlerweile wie geschmiert. Und so könnten The Shins den wesensverwandten Death Cab For Cutie 2007 in den Mainstreammarkt folgen.

Die Voraussetzungen stimmen: jubilierende Harmonieseligkeit, eingängige Refrains, leicht verschwurbelte Texte. In den Blogs zumindest hat das Quartett aus New Mexico sein Nischendasein mittlerweile hinter sich gelassen: Nicht nur die Freaks raunen unvermeidlich von all den umherschwirrenden Brian-Wilson-Referenzen. Kurz gesagt: The Shins sind zum Erfolg geradezu verdammt.

http://myspace.com/theshins
http://www.theshins.com/

ASOBI SEKSU

Manchmal ist es die Stimme, die den Unterschied macht. Es ist schlichtweg ein Ereignis, wie Yuki Chikudates Organ scheinbar schwerelos durch den halldurchtränkten Soundwall gleitet, den ihre drei Bandmitglieder schwermütig um sie herum errichten. Das nannte sich früher mal Shoegazertum, als die Gitarristen noch in sich versunken auf ihre Effektgeräte zu ihren Füßen starrten. Asobi Seksu aus New York lassen ihren Blick jedoch eher in die Unendlichkeit schweifen. Den ganz besonderen Twist ergeben die eingestreuten japanischen Texte. Zwei Jahre lang spielte die Band in leeren Bars und Clubs, seit ihrem letzten Album "Citrus" finden sich vor allem zu ihren angeblich erweckungsgleichen Konzerten immer mehr Fans ein. Besonders der Song "Thursday" schaffte es in zahlreiche Best-Of-Listen in der Blogosphäre.

http://www.asobiseksu.com/home.php http://myspace.com/asobiseksu

POLARKREIS 18

Über kaum eine andere deutsche Band hat man in den letzten Monaten in den Blogs mehr gelesen als über Polarkreis 18. Die Dresdener haben sich diese Aufmerksamkeit allerdings auch redlich verdient: Mit 13 Jahren gründeten sie ihre erste Band (Eigenbewertung: "Relativ schlechte Rockmusik"), dann eine Epiphanie durch Blurs "13", Neuorientierung, Bandwettbewerb fast gewonnen, von Motor Music gesignt (und seitdem gehörig gepusht). Noch vor der Veröffentlichung des ersten richtigen Albums beglückten sie im bestuhlten Dresdner Schauspielhaus knapp 1000 Menschen mit einem Konzert. Was ist dran an dieser Band? Die ersten Assoziationen rund die streicherumschwärmte Stimme von Felix Räuber führen geradewegs in die sakralen Arme der isländischen Band Sigur Rós, der komplexe, akribisch ausgearbeitete Sound erinnert dann allerdings auch mal an die Schieflagen von Björk, mal an die Flächigkeit der Boards of Canada. Letztlich aber greifen all diese Referenzen zu kurz: Polarkreis 18 sind Polarkreis 18. - Die rare "Stellaris EP" streamen sie momentan auf ihren Websites.

http://www.myspace.com/polarkreis18 http://www.polarkreis18.de/

VOXTROT

Die Phase zwischen den Smiths und den Stone Roses Ende der achtziger Jahre wird in England auch gern mal so interpretiert: Viel los war da nicht. Abgesehen von der Untergrund-Cassetten-Compilation "C86", die von der britischen Musikfibel "New Musical Express" veröffentlicht wurde. Darauf versammelte sich eine Horde ambitionsloser, unprätentiöser Schluffis, die ihre hingeschluderten Songs bei Mutti im Schlafzimmer aufnahmen und sich um nichts scherten. Am allerwenigsten um eine sogenannte Karriere. Seitdem wird bei jüngeren Bands immer wieder gern Bezug genommen auf diese kurze Phase. Nicht zuletzt mit Voxtrot aus Austin (Texas) und ihren beiden EPs ist der so genannte Twee Pop wieder in den Blogs im Gespräch: der Gesang steht immer uneingeschränkt im Vordergrund, die klassische Indie-Instrumentierung poltert um die süßlichen Melodien, verstolpert mal charmant den Takt, fügt sich grinsend wieder ins Glied. Und wenn Sänger Ramesh Srivastava dann plötzlich die Silben am Ende seiner Zeilen ins Unendliche zieht, dann ist auch Morrissey nicht mehr weit und ein weiterer Kreis geschlossen. Ein komplettes Album soll irgendwann in diesem Jahr erscheinen. Auf der MySpace-Seite läuft momentan ihre komplette aktuelle EP.

http://www.myspace.com/voxtrot http://www.voxtrot.net/

THE HOLD STEADY

Die Wege des Bloggers sind unergründlich. Auch wenn sich viele bei der Suche nach dem nächsten großen Ding nah am gegenwärtigen Sound der Stunde orientieren, fallen immer wieder Bands komplett aus der Zeit – und werden doch mit Enthusiasmus gefeiert. Wie The Hold Steady. Die Band hat sich mittlerweile in New York niedergelassen, die wortreichen Prosa-Texte von Craig Finn verweisen jedoch oft auf ihre Heimat Minneapolis und erinnern an den frühen Bruce Springsteen. Es geht um die ewigen Konstanten Rock'n'Roll, Frauen aufreißen und Alkoholkonsum, das nächste Party-Wochenende kommt bestimmt. In großkotzigem Understatement bezeichnen sich die Enddreißiger dann auch gern als "Kneipentruppe". Was es im Grunde trifft. Denn ihren Sound mit all den Barpiano-Zwischenspielen, den käsigen Duetten, der abgehangenen Achtziger-Nostalgie, der sich eben an Springsteen oder auch Billy Joel lehnt, könnte man als "Middle Of The Road" klassifizieren. Musik für Autofahrer, die mit Wucht durch die Nacht in einen besseren Morgen steuern.

http://www.theholdsteady.com/ http://myspace.com/theholdsteady

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Forum - Pop aus dem Web – was haben Sie entdeckt?
insgesamt 323 Beiträge
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1.
busyfolks, 21.12.2006
---Zitat von sysop--- Neue Popmusik kommt heute aus dem Internet, Informationen laufen über Blogs und andere Kommunikationsmöglichkeiten. Haben sich dadurch die Chancen für Newcomer verbessert, oder verlieren sich die Talente in den Weiten des Cyberspace? Wie entdecken Sie Ihre Favoriten? ---Zitatende--- Als Betreiber eines Musiklabels kann ich davon aus Erfahrungen berichten. Wie Sie schon erkannt haben, sind die endlosen Weiten des Internets ein Problem, aber gleichzeitig auch eine Chance. Sozusagen Gabe und Fluch. Wenn man sich in sehr kleinen Musikszenen bewegt funktioniert das noch in begrenztem Maß mit der Onlinepromotion. Bei allgemeiner Popmusik ist die Szene bzw. Hörerschaft sehr riesig. Alleine schon durch die unglaublich große Radiolandschaft ("klassische" Radios gleichermaßen wie Onlineradios). Da ist die Chance in der Masse unterzugehen um ein vielfaches größer als es zu schaffen.
2. auf jeden Fall eine Chance!
Garrancho, 21.12.2006
Als unbekannter Künstler kann ich sagen: Platformen wie MySpace eigenen sich hervorragend um Kontakte zu anderen Bands, Veranstaltern und potentiellen Fans zu knüpfen. gerade wenn es um den Erfahrungsaustausch unter Musikern geht ("Wo kann man in sonstwo spielen?", bzw. "Ihr habt daundda gespielt - lohnt das?") bring das Netz weit nach vorne! Ach ja: www.myspace.com/qbicsoulfunk Dort gibt es gar einen Song geschenkt zum Fest und: Ihr sollt alle unsere Freunde sein ;-) (ich hoffe jetzt werden wir entdeckt!) Viele Grüße, Gerrit
3.
neon.apocalypse, 21.12.2006
Ist ja alles schön und gut, aber eine Band fehlt in der Aufzählung, http://www.myspace.com/tyskerhar Der beste Beweis dafür, daß Chinesisch-Deutsche Kooperation im Elektroniksektor nicht immer auch gleich Arbeitsplatzabbau bedeutet.
4.
zwulk, 21.12.2006
Diese Online Portale sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Jedoch mag ich bezweifeln ob man es mittlerweile noch schafft in dieser "Flut" von Künstlern aufzufallen. Ich denke das dieser zug leider abgefahren ist. Am Anfang wo Myspace und CO neue waren mag das funktioniert haben, aber jetzt? Jede Band egal ob Gut, Sehr gut, Fantastisch oder Grauenvoll, hat ein Profil bei Myspace liegen. Wenn einer einen Weg gefunden hat wie man die besten aus den millionen von Profilen raussucht soll er ihn doch mal nennen. Dies würde mich sehr interessieren. Mein Fazit also: Dabei sein ja, aber bringen tut es meiner Meinung nach nichts mehr, dafür gibt es zuviele. Viele Grüße Zwulk By the way: http://www.myspace.com/leberschadencrew
5.
nordisch1976, 21.12.2006
Wieviele Promo-CDs werden denn ungehört bei den Labels entsorgt und welcher Radiosender spielt Bands ohne Plattenvertrag? Youtube und Co bieten da die Plattform für weltweite Aufmerksamkeit. Ich finds super. ;) 20150 Besucher können nicht irren: http://www.youtube.com/watch?v=pUHOfaVg23Q http://profile.myspace.com/bueroamstrand
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