"Tage wie diese" Tote Hosen wollen nicht bei Wahlkampfauftritten gespielt werden

"Unanständig und unkorrekt": Die Toten Hosen empören sich über Parteien, die ohne Erlaubnis ihre Musik im Wahlkampf einsetzen. Gemeint sind vor allem CDU und SPD, die mit "Tage wie diese" für Stimmung bei ihren Auftritten sorgen wollen.

DPA/ Herbert P. Oczeret

Berlin - Wenn die Kanzlerin im Wahlkampf über die Marktplätze der Republik tingelt, bietet sich derzeit das immer gleiche Bild: Junge und alte Angela-Merkel-Fans recken "Angie"-Schilder in die Höhe, sie tragen orangefarbene Sommerhüte, während auf der Bühne eine Coverband die Zeit bis zur Ankunft des Stargasts mit ein paar Hits zu überbrücken versucht.

Zum Repertoire der Musiker gehört dabei auch der Song "Tage wie diese" von den Toten Hosen, zu hören war er zuletzt etwa im sächsischen Oschatz am vergangenen Donnerstag oder in Bonn am Samstag. Die Kanzlerin möge dieses Lied besonders gern, rief der Sänger in Bonn dem Publikum zu und versuchte die Menschen zum Mitsingen zu animieren. Man könnte auf die Idee kommen, die Toten Hosen - eine der ältesten deutschen Punkbands - würden die CDU unterstützen. Deshalb distanziert sich die Gruppe jetzt in einer Pressemitteilung von der Verwendung ihrer Musik bei den Auftritten der Parteien.

"Wir empfinden es als unanständig und unkorrekt, dass unsere Musik auf politischen Wahlkampfveranstaltungen läuft", schreiben die Toten Hosen. Ihr Lied "Tage wie diese" laufe vor allem bei Auftritten von CDU und SPD. Die Gruppe habe nie ein Problem damit gehabt, wenn ihre Musik vom Punkschuppen bis zum Oktoberfest den unterschiedlichsten Menschen Freude bereitet. Im Wahlkampf hingegen werde sie klar missbraucht und von Leuten vereinnahmt, die ihnen in keiner Weise nahe stünden. "Die Rechtslage ist leider so, dass wir dagegen nichts tun können", heißt es in der Mitteilung.

"Das macht uns wütend"

Die Mitglieder fordern in ihrer Mitteilung, dass Politiker respektieren sollten, wenn sie nicht wollen, dass ihre Musik bei den Veranstaltungen im Wahlkampf verwendet wird. Die Empörung der Band ist groß. "Die Gefahr, dass Menschen auf die Idee kommen können, dass es eine Verbindung zwischen der Band und den dort beworbenen Inhalten gibt, macht uns wütend."

Anders als in den USA ist es in Deutschland bislang nicht gängige Praxis, dass Musiker und Promis sich offensiv im Wahlkampf engagieren. Nach der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama im vergangenen November beispielsweise ließ Hollywood öffentlich die Korken knallen. Auch auf dem Ball zur Eröffnung der zweiten Amtszeit Obamas spielten berühmte Unterstützer des Demokraten auf, darunter Alicia Keys und Stevie Wonder.

Von deutschen Parteien wollen sich hingegen auch Größen des internationalen Showgeschäfts nicht vereinnahmen lassen. 2005 zog Angela Merkel den Groll der Rolling Stones auf sich, weil deren Song "Angie" zur inoffiziellen Wahlkampfhymne der Kanzlerkandidatin geworden war.

bos/phw



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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
klingsor68 28.08.2013
1. US-Stars??!??
"Von deutschen Parteien wollen sich hingegen auch US-Stars nicht vereinnahmen lassen. 2005 zog Angela Merkel den Groll der Rolling Stones auf sich, weil deren Song "Angie" zur inoffizieller Wahlkampfhymne der Kanzlerkandidatin geworden war." Ich dachte immer, die Stones wären Briten... ;-)
kimba_2014 28.08.2013
2.
Zitat von sysopDPA/ Herbert P. Oczeret"Unanständig und unkorrekt": Die Toten Hosen empören sich über Parteien, die ohne Erlaubnis ihre Musik im Wahlkampf einsetzen. Gemeint sind vor allem CDU und SPD, die mit "Tage wie diese" für Stimmung bei ihren Auftritten sorgen wollen. http://www.spiegel.de/kultur/musik/tote-hosen-wollen-nicht-im-wahlkampf-von-parteien-gespielt-werden-a-919050.html
Die Hosen fühlen sich eher in der linksradikalen Ecke wohl, etwa bei Grünen oder den Linken.
sumpf 28.08.2013
3. Ausflug mit Angela
Wären die Toten Hosen eine Punk-Band, die diesen Namen verdient, wie z.B. Razzia oder EA80 hätten sie dieses Problem sicher nicht. Wer dämliches Bierzelt-und/oder Fußball-Gegröle produziert braucht sich nicht wundern. PS: Ich finde die Toten Hosen persönlich äusserst sympatisch, aber musikalisch war ZK um Längen besser.
EvilGenius 28.08.2013
4. Noch schlimmer als Zuhälter
Niemand, der einen gewissen Ruf zu wahren hat, möchte mit Politikern in Verbindung gebracht werden.
Kauzboi 28.08.2013
5. Tatsächlich unangebracht
Wieso sollte man "Campinos" Gejohle während einer deutschen Wahlveranstaltung spielen wollen?
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