Trauer in Südafrika Reggae-Star Lucky Dube erschossen

Mord auf offener Straße: Vor den Augen seiner Kinder ist der Reggae-Star Lucky Dube, 43, erschossen worden. Die Polizei geht von einem missglückten Raubüberfall aus. Dube galt als einer der populärsten Musiker Südafrikas.


Johannesburg - Wie Polizeisprecherin Cheryl Engelbrecht am Freitag mitteilte, wurde Lucky Dube gestern Abend von Unbekannten getötet, die sein Auto stehlen wollten. Der Vorfall ereignete sich im Viertel Rosettenville im Süden von Johannesburg, als der Sänger gerade seinen 15-jährigen Sohn bei einem Onkel absetzen wollte. Auch die 16-jährige Tochter befand sich im Auto. Die Kinder blieben körperlich unversehrt, standen aber unter Schock. Nach Polizeiangaben gaben die Täter mehrere Schüsse auf den Musiker ab. Die Polizei sucht nach drei Verdächtigen.

Reggae-Star Lucky Dube: Opfer der alltäglichen Gewalt am Kap
DPA

Reggae-Star Lucky Dube: Opfer der alltäglichen Gewalt am Kap

Ein Freund des Opfers, der Musiker Mzwakhe Mbuli, erschien als einer der ersten am Tatort. Die Musikbranche sei einer ihrer Legenden beraubt worden, sagte er der AFP. "Ich bin am Boden zerstört", sagte Mbuli. "Lucky Dubes Musik war international eine große Erfolgsgeschichte." Die Kriminalität in Südafrika sei "außer Kontrolle geraten", fügte der Musiker hinzu.

"50 Morde pro Tag"

Zahlreiche Parteien und Organisationen äußerten sich kritisch über die als unzureichend angesehenen Versuche der Regierung, die hohe Kriminalität zu bekämpfen. "Die Apathie der Regierung führt zu 50 Morden pro Tag", erklärte ein Sprecher der oppositionellen Inkatha- Friedenspartei. Der Gewerkschafts-Dachverband Cosatu beklagte die alltägliche Gewalt und forderte eine harte Bestrafung der Täter.

Der Tod des erfolgreichsten Reggae-Musiker des Landes hat die Nation in tiefe Trauer gestürzt. Das Ereignis wirft auch einen Schatten auf das Rugby-Endspiel Südafrikas gegen England bei den Weltmeisterschaften am Samstag. Viele Anrufer bei lokalen Radiosendern forderten die südafrikanische Mannschaft dazu auf, schwarze Trauerbinden zu tragen.

Während seiner Karriere trat Dube weltweit auf, unter anderem gab er gemeinsam Konzerte mit Stars wie Sting, Sinead O'Connor und Peter Gabriel. Er produzierte mehr als 20 Alben und gewann über 20 internationale und nationale Auszeichnungen. Sein Debütalbum mit dem Titel "Rastas Never Die" wurde 1984 während der Apartheid in Südafrika verboten. "Prisoner", ausgezeichnet mit zwei Platin-Schallplatten, galt in Südafrika lange als das bestverkaufte Album. Im vergangenen Jahr nahm er sein letztes Album ("Respect") auf.

Dube wurde im August 1964 als Lucky Philip Dube geboren und veröffentlichte 1982 sein erstes Album - damals noch mit traditioneller Musik des Zulu-Volksstammes. 1985 wandte sich Dube als einer der ersten Musiker in seiner Heimat dem Reggae zu. Seiner Website zufolge war Dube der einzige südafrikanische Künstler mit einem Vertrag beim bekannten Platten-Label Motown. Lucky Dube schrieb seine Songtexte in den Sprachen Zulu, Englisch und Afrikaans.

Der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Musiker trat auf Bühnen in Afrika, Europa und den USA auf. Er zählte zusammen mit den aus Elfenbeinküste stammenden Musikern Alpha Blondy und Tiken Jah Fakoly zu den größten Reggae-Künstlern Afrikas.

Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus und würdigte den Verstorbenen als einen "außergewöhnlichen" Künstler, der weltweit einen guten Ruf genieße. Gemeinsam müssten die Südafrikaner gegen die Kriminalität vorgehen, sagte Mbeki. Südafrika zählt zu den Staaten mit den höchsten Kriminalitätsraten. Im vergangenen Jahr wurden am Kap fast 20.000 Morde verzeichnet.

bor/AFP/Reuters/dpa



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