Trennungsgerüchte über No Angels "Natürlich sind auch Tränen geflossen"

Verwirrung um die No Angels. Es sei zwar zum Heulen, erzählten die Bandmitglieder der "Bild am Sonntag", aber sie hätten sich entschlossen, sich zu trennen. Alles "halb so wild", wiegelt jetzt die Managerin ab. Von wegen Trennung, die Mädels bräuchten einfach mal Urlaub, das sei alles.


Aus oder nur ausgebrannt? Die No Angels
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Aus oder nur ausgebrannt? Die No Angels

München - Die Managerin Regina Weber wollte von einer Trennung nichts wissen. Der Zeitungsbericht sei "übertrieben", sagte sie dem Radiosender Bayern3. Die Sängerinnen seien nur "ausgepowert" und bräuchten einen längeren Urlaub. Sie sei über das Vorpreschen der Zeitung verärgert und überrascht gewesen. Alle angesetzten Konzerte würden auf jeden Fall stattfinden, sagte sie nach Angaben des Senders.

Dagegen hatten die Sängerinnen der Gruppe - Nadja, 21, Vanessa, 23, Lucy, 27, und Sandy, 22 - in der "Bild am Sonntag" bereits ein Abschiedskonzert angekündigt. Sie benötigten eine Auszeit und würden vorerst getrennte Wege gehen, sagten sie. Solokarrieren seien nicht ausgeschlossen. Erst kürzlich hatte die Band eine Tournee mit Auftrittsverpflichtungen ins nächste Jahr hinein angekündigt.

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Girlieband: No Angels trennen sich

Als Grund für das "Aus" nannten die vier bei dem RTL2-Talentwettbewerb "Popstars" entdeckten Sängerinnen jetzt Kräftemangel und Auszehrung. "Bei mir ist es die Energie, die flöten gegangen ist", sagte Nadja der Zeitung. Sie könne sich fast gar nicht mehr konzentrieren, komme nie zur Ruhe. Der Schlafentzug gehe ihr "an die Substanz". Ihre Nerven seien sehr dünn geworden, "ich könnte bei jeder Kleinigkeit ausrasten". Nadja will nun die freie Zeit mit ihrer Tochter Leila verbringen und "ein normales Leben führen".

Auch Vanessa klagte über Konzentrationsmangel und Schlaflosigkeit. Im ersten Jahr habe die Band noch "super viel Kraft" gehabt, "aber jetzt sind wir gesundheitlich sehr angeschlagen: Immer ist irgendjemand krank." Sie selbst habe gegen die Schlaflosigkeit Tabletten genommen, dadurch sei es ihr aber erst "richtig schlecht" gegangen. Das sei ihr ans Nervenkostüm gegangen. "Irgendwann muss nur jemand laut nein sagen, und schon hänge ich an der Decke." Manchmal würden sie hysterisch, dies sei zu Beginn der Woche besonders schlimm gewesen.

Lucy gestand, dass sie bereits im Sommer ihre Kraft verloren habe. Geist und Körper hätten gestreikt, sie sei sechs Wochen nur krank gewesen. "In dem Moment habe ich gemerkt, wie viel mir der Job genommen hat". Sie habe sich verändert - "nicht unbedingt zum Positiven". Deshalb wolle sie jetzt herausfinden, was für sie gut sei. Einzig Sandy betonte, sie würde gerne weitermachen, "bin eine Kämpfernatur". Aber auch ihr sei es einige Male nicht gut gegangen, "ich vergesse das nur schnell wieder".

Die Vier äußerten sich zugleich traurig über das Ende ihrer Zusammenarbeit. "Natürlich sind auch Tränen geflossen", sagte Nadja. Ob die vier künftig solo arbeiten wollen, ließen sie offen. "Wenn jemand sich solo entfalten kann, freuen wir uns für ihn", sagte Nadja und fügte hinzu: "Wir sind Künstler - wir können nicht zwölf Monate auf der Couch liegen."

Erst am Freitag hatte die Band einen Auftritt bei der TV-Aufzeichnung für die Konzertreihe "The Dome" in Stuttgart bestritten. Obwohl die Trennung zu diesem Zeitpunkt schon beschlossen war, ahnten die Fans nichts. Lucy sagte dazu: "Ich habe mich wie eine kleine Betrügerin gefühlt." Sie versprach zugleich, "wir werden uns noch bei einem Extra-Konzert von unseren Fans verabschieden."

Die No Angels waren Phänomen und Trendsetter. Als erste deutsche Band aus einer TV-Castingshow gelang ihnen der Durchbruch. Die fünf ursprünglichen Mitglieder waren in der ersten Staffel der RTL2-Sendung "Popstars" ausgewählt worden - lange vor "Deutschland sucht den Superstar". Zu Beginn hatten sie gegen zahlreiche Vorurteile zu kämpfen. Zweifel an ihren Gesangsfähigkeiten konnten sie nicht zuletzt mit einigen A-Capella-Auftritten ausräumen, ohnehin hatten die meisten von ihnen zuvor eine Gesang- oder Tanzausbildung absolviert.

Auch die Prognose, die Band werde schnell wieder in der Versenkung verschwinden, bewahrheitete sich nicht. Ihre drei Alben stiegen in Deutschland alle direkt auf Platz eins der Charts ein. Nach der ersten Nummer-Eins-Single `Daylight in Your Eyes" folgten zahlreiche weitere Hits, insgesamt verkaufte die Band etwa fünf Millionen Tonträger und absolvierte zwei erfolgreiche Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Bereits Mitte Juli war Bandmitglied Jessica Wahls ausgestiegen. Die 26-Jährige hatte ihren Schritt damit begründet, dass sie sich um ihr Baby kümmern wolle. Die vier verbliebenen Bandmitglieder waren fortan zu viert aufgetreten.



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