NDW-Band Trio Kralle Krawinkel ist tot

Er war der Gitarrist von Trio: Kralle Krawinkel prägte den Sound der NDW-Band aus Großenkneten - und wurde mit Hits wie "Da Da Da" zum Anti-Popstar. Am Sonntag ist er im Alter von 66 Jahren gestorben.

DPA

Das "Herz von Trio" ist tot: der frühere Gitarrist der Band, Kralle Krawinkel, ist am Sonntag gestorben. Zunächst vermeldete eine nach dem Ex-Bandkollegen Stephan Remmler benannte Fan-Website den Tod, der später vom Musikmanager George Glueck gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bestätigt wurde. Glueck berief sich auf die Witwe des Musikers. Krawinkel wurde 66 Jahre alt.

Der aus Wilhelmshaven stammende Krawinkel, mit bürgerlichem Namen Gert Franz Alexander Krawinkel, hatte Trio gemeinsam mit Remmler und Peter Behrens 1979 gegründet. Die avantgardistisch-gewitzte Gruppe mit ihrem dekonstruktiven Ansatz wurde mit dem Song "Da Da Da" schlagartig berühmt. Weltweit verkaufte sich die Single mehr als 13 Millionen Mal. Sie wurde zum Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle gemacht, was die Band aber ablehnte.

Bei Trio war Krawinkel zuständig für das Musikalische. "Stephan ist der Kopf, ich bin das Herz und Peter? Peter ist das Arschloch!" lautet ein oft zitierter Satz von ihm. In Erinnerung sind auch seine einzigartigen reduzierten Gitarrensoli, die er auf der Bühne auch schon mal so in die Länge zog, dass die beiden anderen Bandmitglieder begannen, Tischtennis zu spielen.

Tonstudio in Spanien

Bereits in den sechziger Jahren hatte Krawinkel in Bremerhaven seine erste Band The Vampyrs gegründet. Seinen späteren Bandkollegen Remmler lernte er später bei der Gruppe Just Us kennen, im Bandprojekt "Wind" stieß dann auch Behrens in Großenkneten dazu.

Der große Erfolg setzte der Band Trio zu, musikalisch lebte man sich auseinander. 1986 trennte sich die Band. Krawinkel versuchte anschließend erfolglos, eine Solokarriere zu starten, doch sein Album "Kralle" wurde 1993 ein Flop. Auch ein Versuch in den neunziger Jahren, sich noch einmal mit den anderen Mitgliedern zusammenzutun, schlug fehl.

Krawinkel zog sich zeitweise nach Spanien zurück, betrieb dort ein eigenes Tonstudio und ging seinen Hobbys Westernreiten und der Olivenzucht nach. 1998 erhielt er einen Eintrag ins "Guinness-Buch der Rekorde", als er auf einem Pferd von Sevilla bis nach Hamburg ritt, und damit die weltweit längste Reitwanderung machte.

Korrekturhinweis: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, der Tod Kralle Krawinkels sei zunächst auf der offiziellen Website von Stephan Remmler vermeldet worden. Tatsächlich handelte es sich dabei um eine Fanpage. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

seh



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