Heimsuchung via Apple Bono entschuldigt sich bei iTunes-Nutzern

Das neue U2-Album gratis für eine halbe Milliarde iTunes-Nutzer? Viele hatten da gar keine Lust drauf. Band-Chef Bono gibt sich nun zerknirscht wegen der misslungenen Marketing-Aktion - man habe sich "hinreißen lassen".

U2-Sänger Bono: "Ein Tropfen Größenwahn"
DPA

U2-Sänger Bono: "Ein Tropfen Größenwahn"


Hamburg - Selten ging eine PR-Idee so schief, und selten wurde eine Popband so heftig kritisiert wie U2 nach der Veröffentlichung des neuen Albums "Songs of Innocence".

In Kooperation mit Apple wurde das Album unverlangt und gratis in die Mediatheken von einer halben Milliarde iTunes-Nutzern gestellt.Oft entgegen deren Musikgeschmack, aber mit immensem Verbrauch von Speicherplatz. Löschen konnte man die Songs nicht ohne Weiteres, weshalb etliche in den sozialen Netzwerken ihren Unmut bekundeten. Für den digital-musikalischen Übergriff entschuldigt sich Bono jetzt in einem auf Facebook veröffentlichten Video, in dem die Iren Fragen ihrer Fans beantworten.

Zu bequem machen sie es den Stadionrockern dabei nicht, wie das Anliegen beweist, das ein weiblicher Fan in Richtung Bono formuliert: "Könnt ihr bitte nie wieder ein Album auf iTunes veröffentlichen, das sich automatisch in die Playlisten von Leuten lädt? Das ist wirklich unhöflich."

Ein Thema, das Bono sichtlich unangenehm ist (während Gitarrist The Edge sich amüsiert zeigt), für das der Sänger aber unmissverständliche Worte findet: Es sei eine Mischung aus "Größenwahn", "Großzügigkeit" und "Eigen-PR" dafür verantwortlich gewesen, dass die Band sich habe "hinreißen lassen". Vorgetragen wird die Selbstgeißelung zumindest in einem semi-ironischen Tonfall, in dem der Pop-Superstar auch auf die "Angst" der Band verweist, dass die neuen Songs ohne die Aktion "nicht gehört werden könnten".

In der Wochenzeitung "Die Zeit" konkretisiert Bono die Selbstkritik: Der Ablauf sei unglücklich gewesen, "wir hätten am Tag der Apple-Präsentation mit vielen Medienvertretern sprechen müssen, um unser Vorgehen zu erläutern." Denn nicht in der Aktion, sondern im Nichtverstehen sieht Bono das Problem: "Die haben eben alle nicht kapiert, was wir getan haben."

Eine Aussage, mit der der Musiker anscheinend vor allem auf die Kritik aus den eigenen Reihen zielt. So hatte unter anderem Herbert Grönemeyer die Kooperation der Band mit Apple mit deutlichen Worten ("respektlos gegenüber hart arbeitenden Kollegen") angeprangert. "Das hat Herbert gesagt, ohne sich vorher schlau zu machen", teilt Bono jetzt mit. Man hätte nämlich "gar nichts verschenkt" - im Gegenteil: "Wir als Band wurden erstklassig bezahlt. Und Apple hat dann unsere Musik den Kunden geschenkt."

Jenes Unternehmen Apple, das sich nach den Kundenprotesten dazu veranlasst sah, eine Anleitung zum Löschen des Albums zu geben.

tha



insgesamt 37 Beiträge
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zauselfritz 15.10.2014
1. Lächerlich
Lächerlich, sich für ein Geschenk zu entschuldigen. Jene, die sich da beschwert haben, sind nichts weiter als egozentrische attention whores - nix zu sagen, aber motzen. Wenn überhaupt, dann sollen die sich bei Apple darüber beschweren, dass das Album kein freiwilliger download war. Bei ~100MB spielt das im Jahre 2014 aber eh keine Rolle...
Talan068 15.10.2014
2. das nicht sein kann, was nicht darf
Das da was ungefragt reingeladen wird, was ich nicht mal löschen kann, würde mich auch ärgern. Aber ich frage mich wieso sich U2 entschuldigen muß, der Fehler liegt doch eher bei Apple.
kimchi 15.10.2014
3. Apple
Zum Glück blieb mir dies mangels Apple-Geräte erspart. Ich würde mich auch nicht freuen wenn ich ungefragt irgendein Musikalbum plötzlich in meiner Cloud finden würde, das ich dann noch nicht einmal löschen kann. Hybris, Selbstüberschätzung, Eigen-PR und Größenwahn. Da hatten sich wohl die beiden richtigen Partner gefunden.
Schim Panse 15.10.2014
4.
Das hat wahrscheinlich nicht mal Apple erwartet, dass die Fremdbestimmtheit ihrer Kunden auch Grenzen haben kann. Na dann halt nur so wie bisher.
a-mole 15.10.2014
5.
es wurde nur automatisch heruntergeladen wenn die einstellungen aufd "auto download" waren. Es konnte und kann netürlich gelöscht werden, nur blieb es in der bestell historie. *seufz* nicht einfach Engadget Artikel kopieren ohne die Zahlreichen kommentare darunter, welche den Sachverhalt klarstellen, zu lesen!
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