ESC-Show "Unser Song für Malmö": Oh la la la, die Dittrich

Von Felix Bayer

Deutsche ESC-Kandidaten: Wer nach Malmö will Fotos
NDR

Ein Ohrwürmchen mit schwedischem Akzent, bayerische Bierzelt-Bläser auf Entzug, Priester im Papst-Notstand: In Hannover bewerben sich zwölf Acts um den deutschen Startplatz beim Eurovision Song Contest in Malmö. Der ESC-Check sagt, wie sie klingen - und welche Chancen sie haben.

Ben Ivory: "The Righteous Ones"

Ein 30-jähriger Berliner, der sowohl mit seinem Make-up wie mit seinem Sound Helden aus den achtziger Jahren nacheifert. Regelmäßig singt Ivory bei den Modenschauen des befreundeten Designers Kilian Kerner. Seinen Song für Malmö hat ein Schwede mitkomponiert: Alex Kronlund, der schon für Britney Spears und Ke$ha gearbeitet hat.

Sympathiepunkte: 6/10

Schwedische Songwriter sehen ja oft gut aus beim ESC. Mit Textzeilen wie "We are the freaks, we are the queers" schmeißt sich Ben Ivory zudem gekonnt an eine klassische ESC-Zielgruppe ran. Doch er muss sich Sorgen machen um das Elektro-Pop-Stimmensplitting mit Blitzkids mvt.

Siegchancen: 3/10

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Blitzkids mvt: "Heart on the Line"

Ein Duo. Produzent Petone ist schon lange dabei in der Hamburger Szene. Sängerin Nomi war Stylistin, machte Fotoproduktionen und sagt selbst: "Mir gefällt es, wie eine Außerirdische auszusehen." Der Song klingt allerdings vergleichsweise gewöhnlich nach Elektropop im Robyn-Stil, nur ein wiederkehrendes Synthesizer-Schafsmähen irritiert.

Sympathiepunkte: 6/10 Klare Sache, hier geht es darum, einen vage gewagten Pop-Act vor einem größeren Publikum zu platzieren und nicht darum, nach Malmö zu fahren - wo das Duo mangels Stimmen aus Osteuropa auch nicht den Hauch einer Chance hätte.

Siegchancen: 2/10

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Betty Dittrich: "La La La"

Sie ist sogar in Malmö geboren und war in Schweden kurzzeitig ein Popstar, als Teil des 2008 aufgelösten knalligen Mädchenduos Shebang. Seit Betty Dittrich in Berlin hängengeblieben ist, lebt sie ihre Retro-Leidenschaft aus. Ihr deutschsprachiges "La la La" trägt sie mit kunstvoller Hochfrisur, nur scheinbar braven Tänzern und dem charmanten Akzent einstiger skandinavischer Schlager-Heldinnen wie Lill-Babs, Wencke Myhre oder Siw Malmkvist vor.

Sympathiepunkte: 9/10

Die Älteren werden sich an ihre Vorbilder erinnern, die Jüngeren den Witz verstehen, den ihre Show ausstrahlt. Da ihr Liedchen zudem ein ziemlicher Ohrwurm ist, wird Betty Dittrich in den ESC-Blogs inzwischen als Geheimfavoritin gehandelt. Im vermutlich Fanclub-dominierten Vorabvotum über die Internetseiten der ARD-Hörfunksender dürfte die bisher wenig bekannte Sängerin keine Chance haben, aber Jury und TV-Publikum könnten sie zur Gewinnerin des Abends machen.

Siegchancen: 7/10

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Cascada: "Glorious"

"Ich bin die deutsche Madonna", wurde Natalie Horler, die Stimme des Bonner Dancefloor-Projekts, mal in der "Bild"-Zeitung zitiert. Grober Unfug natürlich, schließlich stehen Cascada inhaltlich für nichts, und die "Playboy"-Fotos und "DSDS"-Juryteilnahme Horlers sind auch kein Zeichen großer Geschmackssicherheit. Egal: "Glorious" ist eine routinierte Großraumdisco-Hymne, die melodisch an den ESC-Siegertitel 2012, "Euphoria", erinnert.

Sympathiepunkte: 4/10

Zwar hat die blonde Horler nichts vom Geheimnisvollen, das Vorjahresgewinnerin Loreen umgab, aber dafür ist Cascada der einzige international bekannte Teilnehmer im Vorauswahlfeld; zwischen 2004 und 2009 hatte Cascada Nummer-eins-Hits in Frankreich, Großbritannien, Schweden. Mit "Glorious" wäre ein Ergebnis um Platz zehn herum also sicher drin.

Siegchancen: 8/10

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Finn Martin: "Change"

Er sang bei der Band Asher Lane, die mal einen Werbespot für Nivea musikalisch untermalte. Dann löste sich die Band auf, und die Bassistin hatte als eine Hälfte des Duos Boy weltweit Erfolg, mit einem Album, das der Gitarrist produziert hatte. Hm. Da will der Sänger nun also nachziehen. Doch mit diesem grundsoliden, aber wenig aufregenden Pop/Rock-Stück wird das schwer.

Sympathiepunkte: 3/10

Wenngleich "Change" auch schon wieder für einen Werbespot ausgewählt wurde: Schon bei der Abstimmung wird sich das Publikum fragen, wer das nochmal war.

Siegchancen: 1/10

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LaBrassBanda: "Nackert"

Wird es der Blaskapelle aus dem Chiemgau gelingen, eine überdimensionierte, alkoholtechnisch unterversorgte Messehalle in Hannover in ein Bierzelt zu verwandeln? Mit Rockclubs mittlerer Größe gelingt das der Band um den klassisch ausgebildeten Trompeter Stefan Dettl regelmäßig. Der Text über eine nackttanzende Dorfschönheit dürfte zwar kaum verstanden werden, aber der bajuwarische Ska-Mariachi-Rock-Mix erklärt sich erstaunlich gut von selbst.

Sympathiepunkte: 6/10

International würden LaBrassBanda vielleicht mit ähnlichem Interesse wahrgenommen werden wie die türkische Ska-Punk-Band Athena, die 2004 immerhin Platz vier beim ESC belegte. Schwieriger wird es bei der deutschen Ausscheidung werden. Der Live-Effekt könnte es reißen.

Siegchancen: 7/10

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Mia Diekow: "Lieblingslied"

"Wenn ich reden will, kann ich zu Tocotronic gehen, für guten Sex geh ich zu dir", singt sie im C-Teil - na klar, Mia Diekow kommt aus Hamburg. Die allerjüngsten Zuschauer kennen sie als Synchronstimme des Zeichentrickindianers Yakari, doch als Popsängerin ist sie ganz neu dabei. Von ferne weht der Charme der frühen Lena heran - unkonventionell und doch nett.

Sympathiepunkte: 6/10

Doch leider: Der Song ist nicht so doll. Die Metapher des Menschen als Lied wird arg ausgewalzt und die Melodie will nicht so recht hängen bleiben. So wird das nix.

Siegchancen 2/10

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Mobilée: "Little Sister"

Auch hier sind die jungen Zuschauer ihren Eltern voraus: Sie kennen den Song schon aus dem Kinofilm "Die Vampirschwestern". Die Duisburger Band Mobilée um den ausgebildeten Sozialpädagogen Alexander Schroer und die Sprachenstudentin Caroline Wolter hat also keine Angst vor uncoolen Kontexten, aber auch keine Angst anzuecken, wenn ihnen etwas wichtig ist: Im ZDF-Fernsehgarten traten sie mit Pussy-Riot-Masken bei laufendem Playback auf.

Sympathiepunkte: 7/10

Lena Meyer-Landrut hat Mobilée schon zu ihren Favoriten erklärt. Wenn das typisch sein sollte für die Vorlieben der Musikerkollegen, dann haben sie gute Chancen, das zu einem Drittel zählende Juryvotum zu gewinnen. Zumal in der Jury Tim Bendzko sitzt, in dessen Vorprogramm sie im Sommer auf Tour waren. Doch ein Publikumserfolg wäre überraschend.

Siegchancen: 5/10

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Nica & Joe: "Elevated"

Über Polen, Aserbaidschan und Russland kam Veronika Belyavskaya nach Bergisch-Gladbach, Joseph Guyton hingegen wuchs im US-Bundesstaat Michigan auf, studierte Gesang in New York und kam als Operntenor nach Europa. In der Vox-Castingshow "X-Factor" wurden Nica & Joe zum Gesangspaar und erst im Finale geschlagen mit ihrer Klassik-Pop-Mischung - die auf "Elevated" allerdings deutlich in Richtung Diven-Pop ausschlägt.

Sympathiepunkte: 3/10

Wenn Jan Feddersens These stimmt, dass beim ESC gewinnt, wer am meisten gewinnen will, dann muss sich Europa in Acht nehmen vor Nica & Joe, die schon bei "X-Factor" 2011 starken Willen ausstrahlten. Und Vorsicht vor in Europa gestrandeten Amerikanern beim Song Contest: Dave Benton gewann 2001 für Estland - ohne ein Wort Estnisch zu können.

Siegchancen: 6/10

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Die Priester & Mojca Erdmann: "Meerstern, sei gegrüßt"

Eine ruhige Vorbereitung geht anders: Am Montag vor dem Auftritt kündigte der (auf Erden) oberste Dienstherr der Gesangsformation Die Priester seinen Rücktritt an; bei der Generalprobe und Pressekonferenz am Aschermittwoch mussten die drei Kirchenmänner ebenfalls aus geistlichen Gründen schwänzen und ließen die Opernsängerin Mojca Erdmann alleine die Variation auf das mittelalterliche Mariengebet "Ave maris stella" vortragen.

Sympathiepunkte: 2/10

Ehe die gewinnen, tritt der Papst vorzeitig ab. Ups.

Siegchancen: 4/10

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Saint Lu: "Craving"

Die in der österreichischen Provinz aufgewachsene Luise Gruber ist der Typus Rockröhre. Mit dem sehr Blues-angehauchten "Don't Miss Your Own Life" hatte sie 2009 auch schon mal einen kleinen Hit. "Craving" ist poppiger, mitkomponiert vom britischen Songwriter Stefan Skarbek, der an Songs für Amy Winehouse' erstes Album "Frank" geschrieben hat.

Sympathiepunkte: 3/10

Schlechtes Omen? Stefan Skarbeks Bruder Sacha hatte den britischen Beitrag von Engelbert Humperdinck mitkomponiert, der 2012 beim ESC Vorletzter wurde. Dem jüngeren Bruder Stefan wird dieses Schicksal erspart bleiben - denn mit Saint Lu wird er nicht zum Finale kommen.

Siegchancen: 2/10

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Söhne Mannheims: "One Love"

Das größte Problem für das kurpfälzische Kollektiv dürfte die Entscheidung gewesen sein, welche sechs Musiker dabei sein dürfen - denn mehr als sechs erlaubt das ESC-Reglement nicht auf der Bühne. Auf jeden Fall nicht dabei ist Xavier Naidoo. Ohne seine besondere Stimme sind die Söhne Mannheims ziemlich geschwächt; "One Love" ist ein zähes Stück guter Willen gegen das Elend der Welt.

Sympathie: 3/10

National sicher der größte Name im Starterfeld, zudem gut vernetzt, auch im Social-Media-Bereich: Im Internetvotum dürften die Söhne Mannheims ziemlich stark sein. Doch wird es auch am Showabend selbst funktionieren? Zumindest dürfte das Gefühl des lässigen, beinahe improvisiert wirkenden Muckertums, das die Söhne Mannheims ausmacht, von der Sechs-Leute-Regel arg gestört sein.

Siegchancen: 7/10

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"Unser Song für Malmö", Donnerstag, 20.15 Uhr, ARD

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
stone.hentsch 14.02.2013
Ich persönlich räume Labrassbanda, die doch ein bisschen an Balkanmusik erinnern, große Chancen ein, da dieser Wettbewerb ziemlich stark von Osteuropäischen Ländern dominiert wird.
2. Politbüro
Peter-Lublewski 14.02.2013
Mir hat diese Veranstaltung besser gefallen, als sie noch "Grand Prix Eurovision de la Chanson" hieß. Da gab's wenigstens bei der Vorausscheidung noch eine Jury, die aussah wie das Politbüro der Sowjetunion.
3. Geschmackssache
52m.de 14.02.2013
Beim ESC gewinnt in der Regel das, was positiv aus dem Rahmen fällt. Entweder bei der Performance oder dem Song oder besser beidem. Sowas vieleicht auch: http://www.srf.ch/player/video?id=0d4f1c60-8e38-4758-97d5-6f76b337b73d In sofern würde ich die hier skizierten Siegeschancen anders sehen.
4. Ohrwurm
martineden 14.02.2013
Zitat von sysopEin Ohrwürmchen mit schwedischem Akzent, bayerische Bierzelt-Bläser auf Entzug, Priester im Papst-Notstand: In Hannover bewerben sich zwölf Acts um den deutschen Startplatz beim Eurovision Song Contest in Malmö. Im ESC-Check sagt, wie sie klingen - und welche Chancen sie haben. Unser Song für Malmö: So klingen die deutschen ESC-Bewerber - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/musik/unser-song-fuer-malmoe-so-klingen-die-deutschen-esc-bewerber-a-883295.html)
Sehr gefällig, Betty Dittrich's Song. Lieber "LaLaLa" als pseudointellektuelle Texte oder lenamäßiges Pidginenglisch.
5.
dedoors 14.02.2013
Zitat von sysopDas übliche, üble Mannemer Heart-&Soulgedudel! Ohmygoodgod! Was soll'n das? (Fehlt nur noch so ein total verquaster Text vom XAVIER!)
Richtig, schlechteres Rumgesülze gibt es kaum. Das diese Heulsuse überhaupt etwas geworden ist ist schon sonderlich. "Ahhh, ahhh, es tut so weh , mein Herzschmerz"... bla, bla yo, yo man...brennende Tonne. Aber Modern Talking hat ja auch Mio Platten verkauft ... Gruselig
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