Urgestein des Free Jazz: Saxophonist Sam Rivers ist tot

Sein Loft in New York war in den siebziger Jahren eines des wichtigsten Kraftzentren des Free Jazz: Sam Rivers war ein begnadeter Saxophonist, er spielte an der Seite von Miles Davis und Dizzy Gillespie. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.

Sam Rivers: Free Jazz als Ferien Zur Großansicht
Corbis

Sam Rivers: Free Jazz als Ferien

Orlando - Sein legendäres Loft im New Yorker East Village war Anziehungspunkt für die Größen des Free Jazz: Im Jahr 1970, kurz nachdem der Jazz endgültig sämtliche tonalen Fesseln ablegt hatte, gingen hier Größen wie Andrew Hill und Cecil Taylor ein und aus und weiteten die Grenzen der Improvisation. Mittendrin: der Saxophonist, Flötist, Klarinettist und Pianist Sam Rivers.

Die Musik und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft war in Sam Rivers Familie schon immer präsent gewesen. Sein Großvater Marshall W. Taylor veröffentlichte 1882 "A Collection of Revival Hymns and Plantation Melodies", eines der wichtigsten Songbücher afro-amerikanischer Kirchenlieder, seine Mutter war eine bekannte Pianistin, der Vater Gospelsänger.

Nach seiner Ausbildung am Boston Conservatory of Music tauchte Rivers in den fünfziger Jahren in die blühende Jazz-Szene der Stadt ein. 1959 traf er auf den damals erst 13-jährigen, aber schon gefeierten Schlagzeuger Tony Williams, der ihn schließlich mit Miles Davis bekanntmachte. In dessen Quartett spielte er Mitte der sechziger Jahre. Es folgte eine Reihe von Alben für das legendäre Label Blue Note, unter anderem an der Seite des Bassisten Dave Holland.

In den siebziger Jahren veröffentlichte Sam Rivers vor allem bei dem Free-Jazz-Label Impulse! Records, das zuvor bahnbrechende Werke von John Coltrane und Pharoah Sanders herausgebracht hatte. In den achtziger Jahren spielte er lange mit Dizzy Gillespies United Nations Band, bevor er sich in Orlando, Florida niederließ. Dort verstarb er jetzt im Alter von 88 Jahren an einer Lungenentzündung.

Sam Rivers musizierte bis ins hohe Alter: Ihr Vater habe jede Minute seiner Arbeit genossen, sagte seine Tochter kurz nach seinem Tod - in ihren Augen habe er sein ganzes Leben lang Ferien gehabt. Das Wort Ruhestand sei nicht Teil seines Vokabulars gewesen.

cbu/usp/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Musik
RSS
alles zum Thema Jazz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren