Große Sopranistin Evelyn Lear ist gestorben

Sie gab als Hornistin Konzerte unter Leonard Bernstein und galt als eine der besten Wagner-Interpretinnen. Fast 20 Jahre war sie Ensemble-Mitglied an der Metropolitan Opera in New York. Nun ist die Sängerin Evelyn Lear im Alter von 86 Jahren gestorben.

Sängerin Evelyn Lear im Jahr 1965: Kritiker lobten ihre "Luxusstimme"
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Sängerin Evelyn Lear im Jahr 1965: Kritiker lobten ihre "Luxusstimme"


Hamburg - Sie spielte Klavier und Horn und galt als Wunderkind im New York der zwanziger und dreißiger Jahre: Doch es war das Singen, das Evelyn Lear in seinen Bann zog.

Mit 17 Jahren begann die Tochter eines Rechtsanwalts und Enkelin des Kantors Zavel Quartin und der Sopranistin Nina Quartin mit ihrer Gesangsausbildung an der New Yorker Universität. Es folgten Stationen am Hunter College, an der berühmten Juilliard School of Music in New York sowie an der Berliner Hochschule für Musik.

Ihren Namen verdankt die als Evelyn Shulman geborene Sängerin ihrer ersten Ehe mit dem Mediziner Walter Lear. Mit ihrem zweiten Mann, dem berühmten Bariton Thomas Stewart, war Lear bis zu dessen Tod vor sechs Jahren verheiratet. Mit ihm schuf Lear das "Emerging Singers Program" und setzte sich damit für junge Nachwuchstalente und Wagner-Interpreten ein.

Bis ihr der Durchbruch in Nordamerika gelang, musste die Sängerin, die einer russisch-jüdischen Familie entstammt, einen Umweg über Europa einschlagen. Ein Fulbright-Stipendium brachte sie 1957 nach Berlin. Doch der Weg zum Erfolg war kein leichter. Lear musste zwei Jahre warten, bis sie erfolgreich in Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos" an der Berliner Oper debütierte. Dem Ensemble gehörte sie bis 1964 an.

Schon bald nutzte Lear die Chance, auch an anderen europäischen Häusern aufzutreten. In Wien brillierte sie in Alban Bergs "Lulu", sie sang in Giselher Klebes Drama "Alkmene" und in Werner Egks Interpretation des Kleist-Werks "Die Verlobung von Santo Domingo".

Lear wurde schon bald als "Luxusstimme" bezeichnet und galt als eine der besten Interpreten von Wagner. Kritiker waren begeistert von ihrer Fähigkeit, sich in unterschiedliche Rollen einzufinden und problemlos in fünf Sprachen zu singen.

Ab 1967 gehörte die Sängerin dem Ensemble der New Yorker Metropolitan Opera an, trat aber auf Gastspielreisen an der Mailänder Scala, an den Operhäusern in Wien, München und bei den Salzburger Festspielen auf. Einmal wurde sie den Konzerthäusern untreu und spielte 1976 in Robert Altmans Film "Buffalo Bill and the Indians" die Sopranistin Nina Cavallini - und das an der Seite von Paul Newman.

Erfolge feierte Lear in Werken von Mozart, Tschaikowsky, Verdi, Haydn, Puccini und Brahms. Rund 7500 Auftritte absolvierte die Sängerin in ihrer Karriere, wie auf ihrer Homepage zu lesen ist.

Ihren Abschied von der Metropolitan Opera feierte Lear 1985 mit Strauss' "Der Rosenkavalier". Erst einen Tag zuvor hatte sie sich zu diesem Schritt entschieden. Und ihr Finale wurde ein Spektakel, wie die "New York Times" damals berichtete.

Von der Musik aber nahm die Sopranistin noch viele weitere Jahre keinen Abschied. Noch mit 74 Jahren sang sie im Jahr 2000 in der New Yorker Carnegie Hall bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Lear starb am Sonntag mit 86 Jahren in einem Pflegeheim im US-Bundesstaat Maryland.

kha

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