US-Band Dixie Chicks Country-Girls spalten die Nation

Kritik an Präsident Bush kann Amerika seiner erfolgreichsten Country-Band offenbar nicht so schnell verzeihen. Wer die Songs der Dixie Chicks trotz Boykott im Radio spielt, muss zuweilen um seinen Job fürchten. Diese Erfahrung mussten nun zwei DJs in Colorado machen. Die drei Sängerinnen reagieren derweil mit freizügigen Maßnahmen auf Schimpf-Attacken.


Nackte Tatsachen: Die Dixie-Chicks auf dem Cover von "Entertainment Weekly"

Nackte Tatsachen: Die Dixie-Chicks auf dem Cover von "Entertainment Weekly"

"Ich habe ihnen eine Alternative gegeben: Hört damit auf und ihr werdet nur suspendiert, oder macht weiter und ihr habt keinen Job mehr", sagte Jeff Grant, Chef des Radiosenders KKCS in Colorado laut einem Bericht der BBC. Was hatten die beiden Radiojockeys Dave Moore und Jeff Singer getan, um von ihrem Boss vor so eine unangenehme Wahl gestellt zu werden? Ganz einfach, sie hatten trotz des eigens verhängten Airplay-Boykotts des Senders zwei Songs der Country-Band Dixie Chicks gespielt.

Die drei Texanerinnen hatten vor einigen Wochen mit einer einzigen Aussage den Hass vieler Amerikaner auf sich gezogen: "Wir schämen uns dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas kommt", hatte Sängerin Natalie Maines vor Beginn des Irak-Krieges bei einem Konzert in London gesagt. Diese als unpatriotisch aufgefasste Äußerung erweist sich als folgenschwer. Etliche Landsleute strafen die oftmaligen Grammy- und Country-Music-Awards-Gewinner seitdem mit Ignoranz oder gar Hass. Ihre Platten werden in manchen Läden nicht mehr angeboten und Dixie-Chicks-Hits wie "Wide Open Spaces" oder "Ready to Run" im Radio von vielen Stationen nicht mehr gespielt. Doch damit nicht genug: Statt mit Autogrammwünschen werden Emily Robison, Natalie Maines und Martie Maguire nun mit Drohbriefen und Beschimpfungen konfrontiert.

Trotz eilig entrichteter Entschuldigungen nehmen die Schimpf-Tiraden von Landleuten, die sich in ihren Zuschriften und Mails als "stolze Amerikaner" und "tapfere Helden" titulieren, kein Ende. Die drei Sängerinnen reagierten auf diese Attacken mit einer freizügigen Maßnahme: Sie zeigten sich auf dem Cover des US-Branchenblattes "Entertainment Weekly" nur mit Schriftzügen bekleidet. Von "Dixie-Nutte" über "Saddams Engel" bis hin zu "Haltet das Maul" ist einiges an wüster Beschimpfung auf nackter Haut zu lesen. "Wenn die Menschen uns wieder sehen, dann werden sie merken, dass wir nicht die Monster sind, zu denen wir gemacht wurden", begründen die drei Girls ihre Entblößung.

Doch auch nach dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion scheinen die Kontroversen nicht gänzlich beendet zu sein. Während die Band letzte Woche bei ihrem ersten US-Konzert nach der Bush-Kritik im "Bi-Lo Center" in Greenville, South Carolina von ihren Fans mit Jubel empfangen wurde, gab es vor dem Eingang immer noch Proteste. Außerdem fand gleichzeitig ein Anti-Dixie-Chicks-Konzert statt. Im Radio wurde dazu aufgerufen, Chicks-Tickets gegen ein Freiticket für die Gegenveranstaltung einzutauschen.

Die Radio-DJs Moore und Singer dürften jedoch schon bald wieder in der Lage sein, die Songs der Dixie Chicks in ihrer Sendung zu spielen - und zwar ganz ohne Risiko. Denn selbst KKCS-Chef Grant räumt ein, dass "die meisten Sender schon langsam wieder anfangen, die Lieder zu spielen - ein Song hier, ein Song da". Ihm habe lediglich die Heimlichtuerei seiner Mitarbeiter nicht gefallen.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.