Volksheld des Kalten Krieges US-Pianist Van Cliburn ist tot

Mitten im Kalten Krieg gewann 1958 erstmals ein Amerikaner den renommierten Tschaikowsky-Musikwettbewerb in Moskau: Der Pianist Van Cliburn - "der Texaner, der Russland eroberte" - wurde zum Weltstar. Jetzt ist er im Alter von 78 Jahren an Krebs gestorben.

Van Cliburn in den 50er Jahren: Ein Amerikaner in Moskau
AP/dpa

Van Cliburn in den 50er Jahren: Ein Amerikaner in Moskau


New York - Der US-Pianist Van Cliburn ist tot. Der vielfach ausgezeichnete Klavier-Künstler sei am Mittwoch im Alter von 78 Jahren in seinem Haus im texanischen Fort Worth an Knochenmarkkrebs gestorben, berichteten US-Medien unter Berufung auf seine Agentin. Im vergangenen Jahr war die aggressive Krankheit bei Cliburn im fortgeschrittenen Stadium festgestellt worden. Seitdem hatte er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Der 1934 im US-Bundesstaat Louisiana als Harvey Lavan Cliburn Jr geborene Pianist galt schon früh als Wunderkind. Er wurde zunächst von seiner Mutter unterrichtet und besuchte dann die renommierte Juilliard School in New York. Mit nur 23 Jahren gewann Cliburn 1958 mitten im Kalten Krieg als erster Amerikaner den Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau und wurde damit in den USA zum Volkshelden. Die Zuschauer spendeten Cliburn acht Minuten lang stehend Applaus. Das "Time"-Magazin kürte den Pianisten zum "Texaner, der Russland eroberte".

Cliburns Einspielung des ersten Klavierkonzerts von Tschaikowsky verkaufte sich kurz darauf mehr als eine Million Mal und wurde zu einem der erfolgreichsten Klassik-Alben aller Zeiten. Der Pianist tourte um die ganze Welt und erhielt 2003 mit der Friedensmedaille die höchste zivile Auszeichnung der USA.

In Fort Worth wird ihm zu Ehren alle vier Jahre ein renommierter internationaler Klavier-Wettbewerb ausgetragen - der nächste ist für diesen Sommer geplant. "Es gibt nur zwei unersetzbare Dinge", hatte Cliburn erst vor kurzem in einem seiner letzten Interviews gesagt. "Großartige Musik und wunderschöne Erinnerungen."

pad/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
heinz-brass 27.02.2013
1. Cliburn,
Ein ganz Großer unserer Zeit. Voller Musikalität und ein Anschlag auf den Tasten wie kein Zweiter. Er bleibt durch seine Aufnahmen in Erinnerung und sucht seines Gleichen.
kdgraewe 28.02.2013
2. Und in Deutschland...
...hat Klavierdiktator Joachim Kaiser alles versucht, ihn totzuschreiben, kaum dass er ins Leben getreten war. Salve Van Cliburn!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.