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"Walk on the Wild Side": Velvet-Underground-Sänger Lou Reed gestorben

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Mit seiner unvergleichlichen Stimme, seinem Gitarrensound und bitterbösen Texten prägte Lou Reed nicht nur Andy Warhols "Velvet Underground". Er war einer der letzten ganz Großen aus der Ära, als aus dem Rock'n'Roll eine Kunstform wurde. Nun ist Lou Reed im Alter von 71 Jahren gestorben.

Lou Reed ist tot: "Drogen, Wahnsinn und Rock 'n Roll Lifestyle" Fotos
Getty Images

New York - Nachdem Lou Reed sich im Mai dieses Jahres einer Lebertransplantation unterzogen hatte, war er voller Zuversicht. Auf Facebook postete er damals: "Ich bin ein Triumph der modernen Medizin, der Physik und der Chemie. Ich bin größer und stärker als je zuvor." Er freue sich darauf, bald wieder auf der Bühne zu stehen, setzte Reed hinzu, er wolle "noch bis in ferne Zukunft Lieder schreiben, um eine Verbindung zu Euren Herzen und Eurem Geist und dem Universum herzustellen". Nun ist Reed im Alter von 71 Jahren gestorben, vermutlich an den Folgen der Operation, wie sein Agent Andrew Wylie der "New York Times" sagte. Zuvor hatte das US-Musikmagazin "Rolling Stone" über seinen Tod berichtet.

Bekannt geworden war Reed als Sänger und Gitarrist von The Velvet Underground, dem Bandprojekt, das in Andy Warhols Umfeld im New York der sechziger Jahre den Rock'n'Roll revolutionierte. Gemeinsam mit dem Avantgarde-Musiker John Cale, dem Gitarristen Sterling Morrison und der Schlagzeugerin Maureen Tucker schuf Reed, der die meisten Songs der Band selbst schrieb, einen völlig neuen, oft dissonanten Sound, der für ebenso viel Ablehnung wie Begeisterung sorgte. Das berühmteste Album der Band hieß "Velvet Underground & Nico", das Cover zierte eine von Warhol gestaltete Banane. Die Songs handelten von Sado-Masochismus ("Venus in Furs"), häuslicher Gewalt ("There She Goes Again"), Heroinkonsum und Drogenkauf ("Heroin", "I'm waiting for the Man").

Alkohol und Drogen spielten auch Reeds realer Biografie lange eine große Rolle, der Exzess war ein Teil seines Lebens. "In den späten Siebzigern begann ich, nach dem perfekten Sound zu suchen, was immer das auch sein mag", sagte er einmal, "davor interessierte ich mich hauptsächlich für Drogen, Wahnsinn und den Rock 'n Roll Lifestyle".

"Ich kann so egoistisch sein, wie ich will"

Nach der Trennung von The Velvet Underground im Jahr 1970 begann Reed eine Solokarriere, die viele Jahrzehnte dauern sollte. Seine Themen blieben düster und sein Sound unverwechselbar. Auf dem kommerziell enorm erfolgreichen "Transformer" lästerte er über falsche Freunde und erkaltete Liebe und sang über Transsexuelle - "Walk on the Wild Side" dürfte als einer seiner größten Hits in die Geschichte eingehen, ebenso wie "Perfect Day" und "Satellite of Love". Auf "Transformer" ließ Reed "Berlin" folgen, ein finsteres Konzeptalbum über die Liebe zweier Junkies.

In den folgenden Jahrzehnten hörte Reed nie auf, Musik zu machen und zu touren. Im Jahr 1990 kam sogar The Velvet Underground noch einmal zu einem Reunion-Konzert für wohltätige Zwecke zusammen. Mit dem Tod hatte sich Reed in musikalischer Form immer wieder beschäftigt, insbesondere auf seinem Album "Magic & Loss" (1992), auf dem er sich mit dem Krebstod zweier Freunde auseinandersetzte. Bittere Abrechnungen mit der Menschheit wechselten sich in seinem Werk ab mit gefühlvollen Songs über die Sehnsucht nach echter Nähe zu seinen Mitmenschen. Unter Journalisten war Reed gefürchtet - er galt als potentiell übellauniger Gesprächspartner, der schon mal einfach aufstand und ging, wenn ihm der Verlauf eines Interviews oder die Fragen nicht passten. "Ich bin Künstler und das heißt, dass ich so egoistisch sein kann, wie ich will", sagte er einmal in einem Interview.

Seine letzte Album-Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 2011, es war eine Kooperation mit der Metal-Band Metallica namens "Lulu".

Auf Reeds Facebook-Seite hat am Sonntag jemand ein Bild von einer Tür gepostet, daran ein Poster, das Reed zeigt, beschriftet nur mit "The Door". Darunter sammeln sich seit der Nachricht von seinem Tod Trauerbotschaften und Kondolenzbekundungen. "Danke für alles", schrieb ein Kommentator, "du hast mir geholfen, der zu werden, der ich heute bin, ohne dich hätte ich es nicht geschafft".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. There's a bit..
kappesstepp 27.10.2013
Zitat von sysopGetty ImagesMit seiner unvergleichlichen Stimme, seinem Gitarrensound und bitterbösen Texten prägte Lou Reed nicht nur Andy Warhols "Velvet Underground". Er war einer der letzten ganz Großen aus der Ära, als aus dem Rock'n'Roll eine Kunstform wurde. Nun ist Lou Reed im Alter von 71 Jahren gestorben. http://www.spiegel.de/kultur/musik/velvet-underground-saenger-lou-reed-ist-tot-a-930283.html
of magic in everything, and then some loss to even things out. L. R. (RIP)
2. Traurige Nachricht!
Blaumilchvor, 27.10.2013
Da ist wirklich ein ganz großer gestorben! Das macht mich wirklich traurig! Rest in Peace Mr. Lou Reed!
3.
plasmopompas 27.10.2013
Zitat von sysopGetty ImagesMit seiner unvergleichlichen Stimme, seinem Gitarrensound und bitterbösen Texten prägte Lou Reed nicht nur Andy Warhols "Velvet Underground". Er war einer der letzten ganz Großen aus der Ära, als aus dem Rock'n'Roll eine Kunstform wurde. Nun ist Lou Reed im Alter von 71 Jahren gestorben. http://www.spiegel.de/kultur/musik/velvet-underground-saenger-lou-reed-ist-tot-a-930283.html
Good bye Lou! Take a walk on the wild side!
4. hm,hm,hm
vipix 27.10.2013
ach, RIP, Gott moeg ihn in die himmliche Band aufnehmen. Ich habe alle Platten, Disks, den sowas gibt es so nicht wieder falls ich nicht gewltig irre
5.
schwarzes_lamm 27.10.2013
Zitat von sysopGetty ImagesMit seiner unvergleichlichen Stimme, seinem Gitarrensound und bitterbösen Texten prägte Lou Reed nicht nur Andy Warhols "Velvet Underground". Er war einer der letzten ganz Großen aus der Ära, als aus dem Rock'n'Roll eine Kunstform wurde. Nun ist Lou Reed im Alter von 71 Jahren gestorben. http://www.spiegel.de/kultur/musik/velvet-underground-saenger-lou-reed-ist-tot-a-930283.html
Bitte nicht wieder mit "Walk On The Wildside" daherkommen. Dieses Stück machte ihn zwar berühmt, ist aber nur ein Bruchstück seines Schaffens. Superb wurde der "späte" Lou mit seinen an Melancholie grenzenden Sessions wie "St. Ann's Warehouse" oder seinen von Cellos begleiteten "Caroline Says P2" .
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