Zuschauervoting beim ESC-Vorentscheid 80 Prozent stimmten für Kümmert

Die 24-jährige Sängerin Ann Sophie vertritt Deutschland beim ESC in Wien, weil Sieger Andreas Kümmert verzichtete. Doch das Votum der Zuschauer war eindeutig.

DPA

Hamburg - "Fahre ich jetzt nach Wien?" Sängerin Ann Sophie konnte es kaum glauben, als Barbara Schöneberger sie vor laufenden Kameras zur Siegerin des ESC-Vorentscheids kürte, nachdem der erstplatzierte Andreas Kümmert seine Nominierung ausgeschlagen hatte.

Jetzt veröffentlichte der NDR die Ergebnisse der Zuschauerabstimmung: Sänger Andreas Kümmert hatte beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) einen fast viermal so großen Stimmenanteil erreicht wie die zweitplatzierte Ann Sophie.

Für Kümmert hatten sich am Ende 78,7 Prozent der Anrufer entschieden. Auf Ann Sophie entfielen im letzten Durchgang der Wahl 21,3 Prozent, wie der NDR mitteilte. In mehreren Voting-Phasen registrierte der NDR insgesamt 1,54 Millionen Anrufe und SMS.

Zudem äußerte sich der Sender zum Verhalten von Barbara Schöneberger, die vor laufenden Kameras spontan die Zweitplatzierte zur Kandidatin gekürt hatte.

Für den NDR verhielt sie sich völlig richtig: "Für den abstrakten und unerwarteten Ausfall eines Kandidaten hatten wir immer über das Prinzip des Nachrückens gesprochen", teilte NDR-Sprecherin Iris Bents mit. "Daher gab es in dieser unvorhersehbaren Situation eine Entscheidungsgrundlage und -freiheit für Barbara Schöneberger." Und weiter: "Barbara Schöneberger hat in der Situation das einzig Richtige getan. Denn Ann Sophie hat die Stimmen vieler Anrufer erhalten, sonst wäre sie nicht bis ins Finale durchmarschiert." Auch ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber verteidigte in einer NDR-Mitteilung das Vorgehen. "Es ist wie beim Sport: Wenn ein Olympiasieger seine Goldmedaille zurückgibt, gibt es einen neuen Träger der Medaille."

Ein Sprecher der veranstaltenden European Broadcasting Union (EBU) reagierte gelassen. "Wir haben keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler für das Finale auswählen", sagte EBU-Sprecher Jarno Siim der Zeitung "Die Welt". "Für uns gilt derjenige als Kandidat, der im Mai zum Head of Delegations Meeting in Wien erscheint." Der Rückzug Kümmerts gefährde Deutschlands Teilnahme nicht.

Über die Gründe für Andreas Kümmerts Entscheidung ist nach wie vor nichts bekannt. Das Finale des ESC findet am 23. Mai in Wien statt. Der ESC ist der weltweit am meisten gesehene Musikwettbewerb und wird dieses Jahr zum 60. Mal ausgetragen.

eth/dpa

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
crunchy_frog 06.03.2015
1.
Wir sollten entweder neu wählen oder auf die Teilnahme verzichten. So jedenfalls macht das keinen Sinn, weil die Wahl nicht gerecht war.
lolo987 06.03.2015
2. 100% für Kümmert
warum nur auf 80% aufrunden? macht doch gleich 100% daraus, klingt doch viel reißerischer
jurbar 06.03.2015
3. Wie beim Sport...
... z. B. Deutschland bei der Handball- WM nachgerückt ist, so könnte doch auch hier eine andere Nation nachrücken, Herr Schreiber.
jujo 06.03.2015
4. ...
Da haben 80 % für die Musik gestimmt, also hat die Mehrheit der Voter den Sinn der Veranstaltung verstanden.
iloveputin 06.03.2015
5. Genial!
ESC ist mir egal, aber die Absage von Herrn Kümmert ist ein Hammer-Marketing-Coup!! Soviel Aufmerksamkeit hätte er beim Finale in Wien wahrscheinlich nie bekommen. Und wenn er jetzt schnell ein Album produziert und das einfach 2 Euro günstiger verkauft, sozusagen als Entschädigung für die Fans, die ihr Geld gestern aus dem Fenster geschmissen haben, ist er DER Gewinner 2015. Chapeau für diese geniale Promo:-)
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