Neuer Videoclip "Borders" M.I.A. als Flüchtlingshelferin

Viele internationale Popkünstler haben sich bisher nicht in die Flüchtlingsdebatte eingeschaltet, aber auf M.I.A. ist Verlass: In ihrem neuen Videoclip "Borders" mischt sie sich unter die Boatpeople.

Szene aus M.I.A.-Video "Borders": Alle in einem Boot
miauniverse

Szene aus M.I.A.-Video "Borders": Alle in einem Boot


"Borders, what's up with that?/ Identities, what's up with that?/ The new world, what's up with that?", fragt Maya Arulpragasam alias M.I.A. in ihrem neuen Song "Borders", zu Deutsch: Grenzen. Das zugehörige Video, bei dem die aus Sri Lanka stammende britische Musikerin selbst Regie geführt hat, wurde nun auch veröffentlicht - und ist ein eindrücklicher Kommentar zur aktuellen Flüchtlingskrise.

Der Clip beginnt in einer Wüstenlandschaft, in der zahllose dunkelhäutige Menschen über einen grotesk hohen Grenzzaun klettern, später formen sie ein Frachtschiff aus ihren in schlammfarbene Kaftane gekleideten Körpern und drängen sich auf Flüchtlingsbooten, die 40-jährige Sängerin und Produzentin mittendrin. Am Ende laufen die Flüchtlinge in Reih und Glied vom Ufer immer weiter in den Ozean hinein.

Szene aus "Borders": Ein Frachter aus Flüchtlingen
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Szene aus "Borders": Ein Frachter aus Flüchtlingen

Text und Musik von "Borders" sind weniger hektisch und aggressiv als in früheren Agitprop-Stücken der für ihre radikalen politischen Appelle und Statements bekannten Künstlerin, die 2005 mit der Ethno-Klänge und Elektro-fusionierenden Single "Paper Planes" bekannt wurde und seitdem eine feste Größe unter den global engagierten Popstars ist.

"Borders" folgt auch musikalisch einem melancholischem Stream of Consciousness, der vielleicht gerade deshalb so wirkmächtig erscheint, weil sich M.I.A. hier, entgegen ihrer gewohnt hibbeligen Amazonen-Attitüde , betont einfach gekleidet und brav frisiert, ganz abgeklärt gibt. Mit der wiederkehrenden "What's up with that?"-Frage (etwa: "Was ist damit los?) reflektiert sie, wie sehr die Menschen weltweit über Popkultur und soziale Medien miteinander vernetzt sind, aber dennoch immer wieder an realen Grenzen scheitern, geografischen wie politischen, religiösen wie ökonomischen.

"This is North, South, East and Western", formuliert M.I.A. den globalen Aspekt ihres Anliegens und plädiert dafür, dem Begriff Freiheit einen neuen Rhythmus zu geben: "This one needs a brand new riddim". Vielleicht ist dieser gespenstische, aber auch sehr aufwühlende Clip ja auch für andere Künstler aus dem bisher eher zurückhaltenden Pop-Kosmos Anlass, sich über Benefizkonzerte hinaus in dieser Krise zu engagieren.

M.I.A.-Clip "Borders" hier ansehen:

bor



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