Este, Alana und Donna Haim mögen das Frischeste sein, was Popmusik dieses Jahr zu bieten hat, Neulinge im Business sind die drei Schwestern aus dem San Fernando Valley jedoch nicht. Danielle und Este hatten 2005 als Valli Girls schon einmal einen kleinen Hit mit "Valli Nation", und bereits seit 2006 spielen alle drei unter dem Bandnamen Haim zusammen, veröffentlichten aber bisher nur eine Single und eine EP.
Die allerdings schlug im Herbst vergangenen Jahres erst bei Bloggern, dann bei den klassischen Medien richtig ein. Auch in unserer Pop-Prognose 2013 landeten Haim auf dem zweiten Platz.
Das Geheimnis: In Songs wie "Better Off" und "Forever" mischen die drei Frauen, alle um die 30, sehr clever Siebziger- und Achtziger-Jahre-Pop- und Folkzitate mit R&B-Beats aus den Neunzigern - was perfekt zum weiterhin gültigen Nostalgie-Trend im modernen Pop passt. Das Schöne an Haim aber ist, dass das Trio eben nicht von der Musikindustrie am Reißbrett entworfen wurde, sondern sich die Aufmerksamkeit dank gut geschriebener Songs erarbeitet hat. Und "Falling", die neue Single der drei, zeigt, dass für das im Frühjahr erscheinende Debütalbum noch reichlich Potential für Hits vorhanden ist.
Hauptsache, die Haare wirbeln
Musikalisch orientiert sich "Falling" noch stärker an Vorbildern wie den gerade wieder populären Fleetwood Mac, bedient sich aber auch bei Kate Bush oder, in einer sehr verräterischen Drum-Figur, bei Phil Collins - und lässt dazu ein bisschen swingende Jimmy-Jam/Terry Lewis-Atmosphäre aufkommen. Die Handlung des Videos zeigt, dass Haim verstanden haben, worauf sie sich mit dem ganzen Hype eingelassen haben: Wie in einem perfekt designten H&M-Clip werden die drei in einer Wildnis ausgesetzt, wo sie sich mit Pfeil und Bogen oder beim Fischen mit bloßer Hand als Amazonen im Entertainment-Dschungel behaupten müssen.
Devise dabei: Hauptsache, mit den langen Haaren herumwirbeln und möglichst gut aussehen. Dazu werden Durchhalteparolen wie "Never look back, never give up" ausgegeben: "Falling", das ist also einerseits nur ein harmloses Liebeslied. Andererseits aber auch als selbstverordnete Warnung zu verstehen: Auch vielversprechende Aspirantinnen auf den Popthron können tief fallen. Vorerst werden die drei am Ende des Clips aber wie Top-Models aus dem Dschungelcamp abgeholt - mit einer Stretchlimo.
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