Ein Wäldchen, tief verschneit. Eine Märchenlandschaft. Im Hintergrund wabert ein lila Rauch vorbei. Oder ist es doch Trockeneisnebel, als Hommage an die Clubkultur?
Das Video zu DJ Kozes neuester Single "Nices Wölkchen" lässt sich so rätselhaft an wie der Gesang des Gastsängers Apparat, der durch so viele Effekte gejagt wurde, dass er kaum mehr zu verstehen ist. Eindeutigkeiten verweigert sich der Hamburger Musiker Stefan Kozalla ja ohnehin gern; im SPIEGEL-ONLINE-Interview sprach er sich gegen formelhafte Musik und die Unterforderung des Publikums aus.
Kozallas aktuelles, unter dem nom de guerre DJ Koze erschienenes Album "Amygdala" wird - auch von internationalen Medien - als Meisterwerk der Saison in der elektronischen Popmusik gefeiert. "Nices Wölkchen", ein Auszug daraus, klingt besonders weich und melancholisch, hat einen Schlag ins Psychedelische. Märchenland eben.
Nices Wölkchen-Clip von DJ Koze auf tape.tv ansehen.
Doch an Kozallas Gesamtwerk (auch mit den Gruppen Fischmob und International Pony, auch als Adolf Noise oder Monaco Schranze) wird zurecht immer wieder der Humor gerühmt - und der hat in diesem Video seinen Auftritt durch ein Grüppchen von Maskenmännern, die im Wald herumtänzeln zu Kozes Beats, gewandet in eine spezielle Form von Ballonseide. Bald schon pusten sich die Anzüge auf, die Maskenmänner werden zu schwarzen Michelin-Männchen - und im Break, wenn der Beat aussetzt, hebt einer von ihnen ab.
Das Alberne und das Magische liegen dicht beieinander in diesem Video, bei dem Daniel Warwick Regie führte, der bisher mit Werbefilmen und Clips für Fettes Brot auffiel. Und die Nähe zwischen dem Albernen und dem Magischen ist denn auch das Besondere an der Musik von DJ Koze, die insofern also gelungen umgesetzt wurde. Eine Maske fällt hier zum Schluss übrigens doch noch. Dahinter versteckt war Stefan Kozalla selbst - ganz eindeutig.
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