Vielseitige Star-Sopranistin Dasch ist ja lustig!

Der Erfolg ist Annette Dasch seit Jahren treu: Gefeiert als Sopranistin, überraschte sie auch als Moderatorin einer originellen Show. Sie ist ein Star zwischen Bayreuth und Volkslied, gut gewürzt mit Humor und Selbstironie.

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Annette Dasch hat Nehmerqualitäten, sie ist eine Diva ohne Mimosen-Allüren: Zwei Tage vor ihrem diesjährigen Bayreuth-Debüt als Elsa im "Lohengrin" knockte ein herabfallender Spiegel die Sopranistin während einer Probe aus. Dasch steckte das locker weg, die Bayreuth-Premiere 2010 wurde trotz Kritik an der Regie zu einem schillernden Erfolg, auch dank Daschs geschmeidiger Elsa-Interpretation: eher duftig als wuchtig, eine ideale Partnerin für den ähnlich gepolten jugendlichen Schwanenritter Jonas Kaufmann. Ein Dream-Team war geboren.

Dasch bietet mehr als nur eine große Stimme: Schon im Januar 2008 hob sie ihre eigene musikalische TV-Talkshow aus der Taufe, die sie ironisch "Annettes Daschsalon" nannte - keine Angst vor Namensscherzen, lieber sich selbst auf die Schippe nehmen als Klassik-Weihe verbreiten. Ein quirliges Naturtalent, das auch ein Massenpublikum entzücken kann.

Dass sie dabei glaubwürdig und interessant blieb, gelang dank klarem Bekenntnis zur Qualität. Zwar rauscht sie während ihrer unkonventionellen Show im Berliner "Radialsystem" mit Headset und sexy Outfit durch die Dekoration, doch was sie an Musik und Information präsentiert, zeigt immer klare Kante und Haltung. Da wird nicht gekumpelt, eher gefordert. Wenn sie gemeinsam mit dem Publikum singt ("Und alle mal aufstehen, bitte!"), dann muss es mindestens der "Gefangenenchor" aus Verdis "Nabucco" sein - populär, aber heikel zu singen. Und das Ganze begleitet sie selber auf der Wanderklampfe: Dasch kann das, sie war mal bei den Pfadfinderinnen.

Zu Tränen rühren

Klugerweise mixt Dasch bei diesen Anlässen sehr verschiedene Gäste wie den stets eloquenten Geiger Daniel Hope mit Jazzern und Schauspielern, Wissenschaftlern und nicht ganz so bekannten Kolleginnen: Es soll eben keiner jener gähnend langweiligen Startreffs sein, bei denen sich alle anekdotendumm in den Ohren liegen. In der nächsten Sendung am 15. August ist die Krimi-Autorin Donna Leon zu Gast, dazu die Schauspielerin Pegah Ferydoni aus "Women Without Men". Genau: Männer müssen nicht sein. Hauptsache, interessant - und gern auch lustig.

Zu Tränen rühren konnte Dasch allerdings mit ihrer "Mozart"-CD (Sony Classical) von 2008, die sie mit der "Akademie für Alte Musik Berlin" und dem Dirigenten Marc Piollet einspielte. Zart und dennoch präzise interpretierte sie Hits wie "Dove Sono" ("Figaro") und "Mi Tradi" ("Don Giovanni") mit seltener gehörten Wunderwerken aus "Lucio Silla" und "Zaide". Der trocken-barocke Klang des Ensembles verlangt zwar etwas Gewöhnung, doch wer Elisabeth Schwarzkopf als ideale Figaro-Contessa verehrt, bekommt von Annette Dasch eine taufrisch betörende junge Version zu hören: eine Stimme, die ihre Grenzen noch längst nicht erreicht hat.

In der Champions-League der Opernhäuser

International gehörte Dasch in jungen Jahren schon zu den meistgefragten Stimmen, nachdem sie 2006 erfolgreich bei den Salzburger Festpielen debütierte und zuvor schon an üblichen Festungen der Opern-Championsleague in München, Mailand und Paris engagiert war. Mozart war von Beginn an ein Eckpfeiler ihres Repertoire, doch auch als Liedsängerin verfügt sie inzwischen über ein breites Repertoire bis hin zu Benjamin Britten und Gustav Mahler.

Erstaunlich auch, dass Dasch nicht eine wohlfeile CD nach der anderen auf den Markt wirft, sondern den Tonträger-Markt behutsam angeht. So arbeitete sie an einem eher bescheidenen Volkslieder-Projekt mit, das soeben erschienen ist: "Wenn ich ein Vöglein wär'" (Sony Classical) heißt die Kollektion bekannter und weniger bekannter Populär-Preziosen. Zwischen Brahms, Schubert, Silcher und Mendelssohn entfalten Sangeskollegen wie Christian Gerhaher, Klaus Florian Vogt und Christiane Karg sorgfältig abgetönte Interpretationen. Dasch hingegen hat mal wieder ihre Wurzeln ausgebuddelt und sich Pfadfinderinnen aus ihrer Lagerfeuer-Vergangenheit ins Studio geholt: "Die Gedanken sind frei" intonieren sie in reiner Harmonie. Alles sehr unprätentiös, eher leise als pathetisch - eine sympathische Art, das oft abgründig traurige deutsche Volksliedgut zu präsentieren.

Die Fans dürfen auf mehr hoffen: Kaum vorstellbar, dass das umtriebige Haus Wagner den knalligen Neu-"Lohengrin" nicht multimedial vermarktet.


Veranstaltungstipp:

"Annettes Daschsalon" am 15. August im "Radialsystem V", Holzmarktstraße 33, 10243 Berlin / als Aufzeichnung im "ZDF Theaterkanal" und auf 3Sat

Tonträger:

CD "Mozart" Annette Dasch, Sopran, Akademie für Alte Musik Berlin (Marc Piollet/Ltg.) Sony Classical 88697334512

CD "Wenn ich ein Vöglein wär'" Annette Dasch, Christiane Karg, Klaus Florian Vogt u.a. Sony Classical 5570350



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Seite 1
Emil Peisker 11.08.2010
1. Dass der Theurich auch Musikkritik kann...
Zitat von sysopDer Erfolg ist Annette Dasch seit Jahren treu: Gefeiert als Sopranistin, überraschte sie auch als Moderatorin einer originellen Show. Sie ist ein Star zwischen Bayreuth und Volkslied, gut gewürzt mit Humor und Selbstironie. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,711117,00.html
Dass Annette Dasch sich nicht nur auf "Todernstes" festlegt, halte ich für erfreulich. Klassik ohne Spaß ist auf Dauer nur ein guter Balsamico. Dass der Theurich auch Musikkritik kann, na so was.:-) Allerdings hat seine Begeisterung für die junge Dasch überhaupt keine wirkliche Kritik aufkommen lassen. Bei einem guten Jahrgang hat Weinkenner Theurich die Blume im Auge und findet dann den Abgang auch hervorragend. Emil
fear_less 11.08.2010
2. ...
Zitat von Emil PeiskerDass Annette Dasch sich nicht nur auf "Todernstes" festlegt, halte ich für erfreulich. Klassik ohne Spaß ist auf Dauer nur ein guter Balsamico. Dass der Theurich auch Musikkritik kann, na so was.:-) Allerdings hat seine Begeisterung für die junge Dasch überhaupt keine wirkliche Kritik aufkommen lassen. Bei einem guten Jahrgang hat Weinkenner Theurich die Blume im Auge und findet dann den Abgang auch hervorragend. Emil
Der Theurich macht das doch hier schon seit einiger Zeit, aber leider viel zu selten. Vielleicht liegt es ja daran, dass ihm normalerweise kaum jemand bis niemand Beachtung schenkt, geschweige denn antwortet. Andererseits wünsche ich mir so einen Beitrag im ansonsten boulevardisierten "Kultur"-Forum (alles von Lieblings-TV-Serien bis Lieblings-CDs, usw.) und nicht in "Blogs". Übrigens scheint Bayreuth ein potentieller Stimmenkiller zu sein, da die Sänger in stimmen-strapazierenden Lautstärken gegen die Wagner-typische überlaute Orchesterbegleitung singen müssen. Ich hoffe nicht, denn um Dasch-Kaufmann wäre es wirklich schade.
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